Interview mit P. Davide Pagliarani

06. August, 2018
Von fsspx.news
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Fsspx.news: Hochwürden Herr Generaloberer, wie fühlen Sie sich nach Ihrer Wahl zum Generaloberen?

P. Pagliarani: Ich habe natürlich vorher schon das eine oder andere Gerücht gehört. Aber ich habe mich schon gefragt, inwieweit man das ernst nehmen kann bzw. ob da überhaupt etwas dran ist. Deswegen habe ich den heutigen Tag abgewartet. Ich muss schon sagen, dass ich mir selbst noch nicht so ganz sicher bin, inwieweit ich das, was heute bzw. heute Nachmittag geschehen ist, schon erfasst habe. Es war ein langer Tag. Aber während unserer Exerzitien in der Woche zuvor habe ich alles in die Hände der Allerseligsten Jungfrau und der Göttlichen Vorsehung gelegt. Ich bin überzeugt, dass sie im gesamten geschichtlichen Verlauf der Priesterbruderschaft stets präsent ist. Sie wird wohl auch dieses Kapitel und uns alle führen. Aber vielleicht ist es für mich noch zu früh, darüber nachzudenken.

Fsspx.news: Könnten Sie sich uns bitte kurz vorstellen?

P. Pagliarani: Ich stamme aus Rimini, einer Stadt an der Adria in Italien, wo schon seit langer Zeit ein Priorat der Priesterbruderschaft existiert. Dort hatte ich auch den ersten Kontakt zur Priesterbruderschaft St. Pius X. 1989 bin ich dann in das Seminar in Flavigny eingetreten, habe meinen Wehrdienst geleistet und wurde 1996 zum Priester geweiht. Ich verbrachte sieben Jahre als Priester in meiner Heimatstadt, drei Jahre in Singapur, dann kehrte ich nach Italien zurück und war jetzt etwa sechseinhalb Jahre in Argentinien. Und nun bin ich hier.

Fsspx.news: Bis dato sind Sie Regens des Seminars in Argentinien gewesen …

P. Pagliarani: Ich glaube, diesen Ort verlassen zu müssen, wird das schwierigste für mich sein. Für mich ist das der schönste Ort für einen Priester, insbesondere für einen Priester der Bruderschaft. Das Herz unserer Priesterbruderschaft sind die Seminare. Nicht Menzingen! [lacht] Ich denke, Sie verstehen, was ich meine … Dort werden Priester geformt und man kann miterleben, wie die Gnade - selbst heute noch - einen jungen Mann völlig umwandeln kann. Für mich ist jede Berufung ein Wunder. Ich denke, wenn man einmal in einem Seminar gearbeitet hat, begreift man das Wesen der Priesterbruderschaft vollumfänglich.

Fsspx.news: Welche Erwartungen haben Sie an Ihre beiden Assistenten?

P. Pagliarani: Ich muss gestehen, dass es zwei Männer sind, denen ich große Hochachtung entgegenbringe. Ich kenne sie recht gut. Pater Bouchacourt von Argentinien, und Bischof de Galarreta kenne ich auch ganz gut. Ich kann mich nur glücklich schätzen mit Menschen zu arbeiten, die älter als ich selbst sind. Mit Menschen, die guten Rat geben können - und, ich muss sagen, mit einem Priester, der so sympathisch ist wie Pater Bouchacourt!

Fsspx.news: Haben Sie für die Priesterbruderschaft St. Pius X. schon Projekte in Planung?

P. Pagliarani: Der Zweck der Priesterbruderschaft ist die Ausbildung von Priestern. Gleichzeitig muss sich der Priester aber auch weiterentwickeln, lernen und sich sein ganzes Leben lang heiligen. Ich glaube, hierauf müssen wir unsere ganzen Bemühungen konzentrieren und unser Möglichstes dazu beitragen, den Priester in seinem Streben nach Heiligkeit zu unterstützen. Ich denke, jeder Priester, jedes Priesterleben hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Geigensaite, die richtig angezogen und eingestellt sein muss, um stets den richtigen Ton hervorzubringen; den Ton, den Gott von jedem von uns erwartet. Vom Seminarleben und der Ausbildung an, bis zu dem, was später im Amt vom Priester erwartet wird, muss eine gewisse Geschlossenheit im Streben nach Heiligkeit vorhanden sein. Ich bin davon überzeugt, dass hier die Lösung zu dem Großteil unserer Schwierigkeiten liegt.

Fsspx.news: Was erwarten Sie sich von den Gläubigen und was glauben Sie, erwarten die Gläubigen von Ihnen?

P. Pagliarani: Das ist eine gute Frage. Der erste Teil ist einfach zu beantworten. Zunächst möchte ich den Gläubigen meinen Dank für ihre Gebete für dieses Generalkapitel aussprechen und hinzufügen, dass das Kapitel gerade erst begonnen hat. Wir müssen nun in den nächsten Tagen alle Themen der Tagesordnung besprechen. Deshalb danke ich den Gläubigen für ihre seit Januar andauernden Gebete und bitte sie jetzt um die großzügige Verdoppelung ihrer Bemühungen. Und dann … was erwarten die Gläubigen von mir? Ich denke, sie erwarten von der Priesterbruderschaft die Treue zu den Leitgedanken ihrer Gründung. Ich habe bereits erwähnt, dass sie zur Priesterausbildung gegründet wurde. Das Priestertum existiert jedoch zur Heiligung der Seelen, und deswegen hat die Treue der Priester zu ihrem Priestertum, zu ihrer eigenen Heiligung, zwangsläufig auch eine Auswirkung auf die Gläubigen. Das erwarten die Gläubigen, nicht nur von mir, sondern von jedem Priester der Bruderschaft.