Untersuchung: Verfolgung von Christen, die in Europa zum Islam konvertierten (1)

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Das European centre for law and justice (ECLJ) hat einen Bericht veröffentlicht, der sich mit der Verfolgung von ehemaligen, zum Christentum konvertierten Moslems in Frankreich und Europa befasst. Dabei ging es darum herauszufinden, ob und in welcher Form diese Personengruppe unter Verfolgung leidet.

 

(Teil 1 einer neuen Serie)

Das Römische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs definiert Verfolgung als: „der vorsätzliche und schwerwiegende, völkerrechtswidrige Entzug von Grundrechten aufgrund der Identität einer Gruppe oder Gemeinschaft“. 

Das ECLJ traf sich mit Vertretern von Vereinigungen aus unterschiedlichen europäischen Staaten, die sich mit der Evangelisierung von Moslems und der Unterstützung von Konvertiten befassen. Zudem führte das ECLJ zahlreiche Interviews mit Konvertiten. 

Konvertiten in Frankreich 

Nach aktuellen Schätzungen leben in Frankreich zwischen 4.000 und 30.000 Personen, die vom Islam zum Christentum übergetreten sind. Nach den offiziellen Zahlen der Französischen Bischofskonferenz empfangen jedes Jahr etwa 300 Personen moslemischer Herkunft in der katholischen Kirche die Taufe. 

Darüber hinaus geht aus einem Bericht des Institut Montaigne hervor, dass sich 15 Prozent der Personen, die mit mindestens einem moslemischen Elternteil geboren wurden, als „Nicht-Moslems“ betrachten. Wenn man davon ausgeht, dass es in Frankreich nach einer niedrigen Schätzung 4,9 Millionen Moslems gibt, machen 15 Prozent 735 000 Personen aus.

Allen Berichten zufolge verstecken sich jedoch viele Christen mit islamischem Hintergrund oder bleiben unsichtbar. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Mehrheit derjenigen, die den Islam verlassen, sich dem Atheismus oder Agnostizismus zuwenden, erscheint die Zahl von 30.000 Konvertiten zum christlichen Glauben realistisch. 

Verfolgung von Konvertiten 

In Frankreich ist es heute für einen Moslem schwierig und generell gefährlich, seine Religion zu verlassen. Die überwältigende Mehrheit der Personen, die den Islam verlassen und sich dem Christentum anschließen, ist Verfolgungen in der Familie und in der Gemeinschaft ausgesetzt. Die jeweilige Intensität der Repressalien kann unterschiedlich ausfallen.

Quellen der Verfolgung 

Die Verfolgung findet zunächst innerhalb der Familie statt – Eltern, Ehepartner, Geschwister, Cousins. Schließlich kann die Verfolgung auch anonym sein. Einige Islamisten führen Einschüchterungs- und Geheimdienstkampagnen durch, um Konvertiten ausfindig zu machen und zu unterdrücken. Es kommt vor, dass ein Konvertit von einem Islamisten, den er nicht kannte, entdeckt, bedroht, angegriffen oder sogar getötet wird.

Die Scharia gilt in Frankreich nicht, aber einige Bestimmungen können von einer großen und radikalisierten moslemischen Gemeinschaft angewandt werden. Wenn die Eltern des Konvertiten Staatsangehörige eines Landes sind, in dem die Scharia gilt, kann dem Konvertiten außerdem sein Anteil am Erbe entzogen werden.

Gründe für die Verfolgung 

Die Konversion, die Apostasie bedeutet, wird im Koran und in den Hadithen verurteilt. Das rechtfertigt für viele Moslems die Verfolgung von Konvertiten.

Für die meisten Moslems ist es unvorstellbar, dass eine Person nordafrikanischer Herkunft kein Moslem ist. Es findet eine Identifikation zwischen arabischer Kultur und Islam statt. So haben Eltern ihren Kindern geraten, offiziell Moslem zu bleiben und nur im Geheimen an das Christentum zu glauben. Dieser Lebensweg ist möglich, da es im Islam vor allem zwei wesentliche Gebote gibt: kein Schweinefleisch zu essen und den Ramadan einzuhalten. Die anderen Gebote unterliegen einer größeren Toleranz. Der Konvertit kann also leicht einen anderen Glauben haben und dennoch zumindest die beiden Gebote einhalten.

Formen der Verfolgung 

Verfolgungshandlungen können in der Reihenfolge ihrer Schwere und Häufigkeit folgende Formen annehmen; sie können aufeinander folgen oder nicht, aber fast alle Konvertiten leiden zumindest unter den ersten.

  • Verachtung und verbale Aggression gegenüber dem Konvertiten bei der Ankündigung der Bekehrung 
  • Drohungen, Einschüchterungen oder Belästigungen, um den Konvertiten zur Rückkehr zum Islam zu bewegen, in der Familie, in der Gemeinde oder in sozialen Netzwerken 
  • Ablehnung des Konvertiten durch seine Familie 
  • Vertreibung aus dem Elternhaus oder Flucht 
  • Drohungen gegen den Konvertiten, Verwüstung seines Lebensraums, Bemühungen, ihn um seinen Arbeitsplatz zu bringen 
  • Bei Mädchen: Freiheitsberaubung, bis sie zum Islam zurückkehren 
  • Körperliche Gewalt gegen den Konvertiten, von Spucken über Schläge bis hin zu öffentlicher Lynchjustiz mit oder ohne Messer 
  • Bei Mädchen: Zwangsheirat, Rückkehr in das Herkunftsland der Familie, Vergewaltigung 
  • Mord und Totschlag 

Die Mehrheit der Moslems reagiert in der Regel mit der Sanktion des sozialen Todes, indem sie die ersten drei Verfolgungshandlungen anwendet. Seltener versuchen Islamisten, Salafisten oder Muslimbrüder den Skandal „reinzuwaschen“ und wenden eine radikalere Verfolgung an. 

Alle befragten Zeugen haben die ersten drei Formen der Verfolgung erlitten. Diejenigen, die die folgenden Verfolgungen nicht erleiden, sind in der Regel diejenigen, die vorsichtiger waren, um jedes Risiko zu vermeiden. Die Angst ist bei Konvertiten vom Islam greifbar: Sie alle fürchten eine gewalttätige Reaktion ihrer Familie oder ihrer Gemeinschaft. 

Diese Angst wird durch soziale Netzwerke noch verstärkt. Einige radikale Moslems setzen ein Kopfgeld auf die Kontaktdaten von Konvertiten aus. Solche Aufrufe zur Denunziation schüren die Angst der Konvertiten: Sie müssen sich bedeckt halten, aber auch von sozialen Netzwerken fernhalten.

Viele Zeugen und Vereinsvorsitzende berichten, dass ein großer Teil der Konvertiten Gewalt von Brüdern oder Cousins erfährt: angefangen bei Körperverletzungen bis hin zu Einbruchsversuchen in die Wohnung des Konvertiten. In der Regel führen diese Gewalttaten dazu, dass die Konvertiten ihren Wohnort verlassen. So lassen sich in der Regel schlimmere Gewalttaten vermeiden.

Schließlich wurden einige Konvertiten sogar gelyncht. Ein konvertierter ehemaliger Salafist bestätigte, dass es Hinterhalte gegeben habe. Moslems lauerten dem Konvertiten auf der Straße auf und schlugen ihn manchmal zu Tode. Derartige Fälle wurden mittlerweile mehrfach dokumentiert.

Frauen leiden am meisten

Frauen sind der Verfolgung stärker ausgesetzt als Männer. Das rechtfertigt sich für Moslems durch die Schande, die Konvertitinnen über ihre Familie bringen würden. 70 Prozent der Konvertiten sind Frauen; was daran liegt, dass der Islam Frauen mehr Gründe für eine Konversion liefert.

Einigen Mädchen, die ihren Eltern ihre Konversion offenbaren, drohen diese möglicherweise mit einer Zwangsheirat mit einem „frommen Moslem“, mit Einsperrung, solange sie nicht zum Islam zurückkehren, oder mit der Rückführung in ihr Herkunftsland, wenn sie aus Nordafrika stammen. Männer, die zum Islam konvertieren, sind nicht mit diesen spezifischen Bedrohungen konfrontiert.

Das besondere Problem konvertierter Migranten 

Einige Migranten sind Konvertiten, die aufgrund von Verfolgung aus ihrem moslemischen Land geflohen sind. Sie sind mit einem doppelten Problem konfrontiert. Zum einen wandern sie mit anderen, mehrheitlich moslemischen Personen aus und finden sich gemeinsam mit diesen in gemeinsamen Einrichtungen für Migranten. Zum anderen sprechen sie, wenn sie in Frankreich ankommen, nur sehr schlecht Französisch und sind auf arabische Übersetzer angewiesen. Diese sind jedoch sehr häufig Moslems und es ist möglich, dass sie konvertierte Migranten behindern.

Ein Beispiel, das diese Spannungen illustriert, wurde 2015 in der französischen Zeitung Le Monde veröffentlicht: „Christliche Migranten sollen vor der italienischen Küste von Muslimen ins Meer geworfen worden sein – Eine Untersuchung dieser beispiellosen Tragödie wurde von der Staatsanwaltschaft in Palermo eingeleitet.“

Angriffe auf christliche Orte 

Die Beschädigung christlicher Stätten kommt in Europa seit vielen Jahren vor. Laut der Beobachtungsstelle für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa wurden 2019 mehr als 500 Angriffe auf christliche Stätten verzeichnet. Frankreich ist das am stärksten betroffene Land. 

Die Beobachtungsstelle für Intoleranz und Diskriminierung von Christen in Europa veröffentlicht regelmäßig Berichte zu diesem Thema. Der Bericht 2019 schildert zahlreiche Angriffe – oftmals von radikalen Moslems in Frankreich und anderen europäischen Ländern begangen.

Diese regelmäßigen Angriffe und Beschädigungen tragen zu einem Klima der Angst unter Konvertiten bei und zeigen, dass einige zwar nur Gegenstände angreifen, andere jedoch bereit sind, weiter zu gehen.

Reaktion der Konvertiten 

Alle in der Studie befragten Zeugen befanden sich in der gleichen Situation: extreme Zurückgezogenheit und Angst davor, auf ihrem spirituellen Weg entdeckt zu werden. Aus Angst sind sie gezwungen, ihren Glauben im Verborgenen zu leben und ihre Bekehrung eventuell erst nach reiflicher Überlegung an ihre Angehörigen weiterzugeben.

So dürfen sie in der Familie nicht über ihre religiösen Überzeugungen sprechen, bewahren in der Regel keine christlichen Besitztümer im Haus ihrer Eltern auf, und solange sie noch nicht unabhängig sind, werden sie daran gehindert, in die Kirche zu gehen.

Diese Notwendigkeit zu großer Vorsicht und gesellschaftlicher Diskretion über ihre Bekehrung führt dazu, dass der Konvertit ein Doppelleben führt: Er gibt sich gegenüber der Gemeinde als Moslem aus und lebt in der übrigen Zeit seinen christlichen Glauben – sofern möglich. Je nach persönlicher Situation ist dieses Doppelleben mehr oder weniger schwierig und belastend.

Konvertiten leiden zudem unter ethnischen Vorurteilen. Unter Menschen mit Migrationshintergrund ist die Annahme weit verbreitet, dass arabischstämmige Personen automatisch auch Moslems seien. Das macht es für Konvertiten aus dieser Region besonders schwierig, ihre wahre Religion zu verbergen. Der Ramadan, Aperitifs mit Kollegen, Beziehungen zwischen Männern und Frauen am Arbeitsplatz oder in der Schule sind Momente, in denen Konvertiten dabei ertappt werden können, wie sie die islamischen Vorschriften nicht befolgen. Das bringt ihnen die Verachtung anderer Moslems ein und kann zu ernsthaften Konsequenzen führen: Belästigung am Arbeitsplatz oder auch Jobverlust, wenn der Arbeitgeber Moslem ist.

Ein normales Glaubensleben ist für viele Konvertiten sehr kompliziert. Einige müssen Dutzende oder sogar Hunderte von Kilometern zurücklegen, um sich auf die Taufe vorzubereiten. Ein Umzug ist für Männer oft und für Frauen fast immer erforderlich, insbesondere wenn die Eltern die Konversion zum Christentum herausfinden. Alle bekehrten jungen Frauen gaben an, dass sie befürchteten, von mindestens einem ihrer Brüder oder einem Mitglied ihrer Familie oder Gemeinschaft geschlagen zu werden oder worden zu sein. Angesichts dieser Gewalt ist die Flucht die einzige Lösung, aber eine dramatische Lösung.  

Fortsetzung folgt ...