10 Downing Street: Vom Ganges an die Themse

09. November 2022
Quelle: fsspx.news
Rishi Sunak zündet am 26. Oktober 2022 in der Downig Street 10 eine Diwali-Lampe an

Vereinigtes Königreich. Der Handschlag zwischen Charles III. und Rishi Sunak im Buckingham Palace am 24. Oktober 2022 markierte den offiziellen Amtsantritt des neuen Regierungschefs: Die erste Ernennung in die 10 Downing Street durch den Nachfolger von Elisabeth II. hat eine historische und paradoxe Dimension. 

Historisch, weil es das erste Mal ist, dass ein Politiker indischer Abstammung an die Spitze einer britischen Regierung gelangt. Rishi Sunaks Eltern, die in Indien geboren wurden und nach Ostafrika ausgewandert waren, kamen in den 1960er Jahren nach Großbritannien.

In der indischen Presse hieß es: „Kaum mehr als siebzig Jahre, nachdem ein britischer Monarch eine Urkunde zur Befreiung des Landes von Rishi Sunaks Vorfahren unterzeichnet hatte, wird nun ein Politiker indischer Abstammung die Thronrede verfassen“, bemerkte The Hindustan Times ironisch. 

Die Freude in Rishi Sunaks Heimatland wird geteilt: „Einen Hindu in der Downing Street 10 zu haben, überrascht und löst große Freude aus, besonders wenn es am Tag von Diwali geschieht“, sagt Satish Verma, Besitzer eines Supermarktes in Delhi. Diwali, das hinduistische Fest, das den Sieg Krishnas über die Dunkelheit und die Angst feiert.

Die Ernennung Sunaks durch Charles III – einer der königlichen Titel lautet Verteidiger des Glaubens – hat jedoch etwas Paradoxes an sich, da Rishi Sunak nie einen Hehl daraus gemacht hat, ein glühender Hindu zu sein: Gerade erst zum Parlamentsabgeordneten ernannt, hatte er darauf bestanden, einen Eid auf die Bhagavad Gita zu leisten, einen der heiligsten religiösen Texte Indiens, dessen Titel in Sanskrit „Gesang des Herrn“ bedeutet.

Eine hinduistische Identität, die mit einem Tweet des indischen Premierministers selbst gefeiert wurde: „Meine herzlichsten Glückwünsche an Rishi Sunak. Ihre Ernennung zum Premierminister des Vereinigten Königreichs ist eine Gelegenheit, zusammenzuarbeiten, um unsere strategische Partnerschaft zu stärken. (...) Alle meine Glückwünsche zu Diwali an denjenigen, der die lebendige Brücke zwischen dem Vereinigten Königreich und den Indern verkörpert.“

Narendra Modis Reaktion ließ den neuen britischen Regierungschef nicht unberührt: „Vielen Dank, Herr Premierminister, für Ihre einfühlsamen Worte anlässlich meines Amtsantritts. Indien und das Vereinigte Königreich haben so viel zu teilen. Ich freue mich darauf zu sehen, wie unsere beiden großen Demokratien ihre Partnerschaft in den Bereichen Sicherheit, Verteidigung und Wirtschaft in den kommenden Monaten und Jahren vertiefen und perfektionieren werden.“

Die Tatsache, dass ein britischer Premierminister einem Regime, das die Verfolgung von Christen und im weiteren Sinne von allem, was nicht Hindu ist, zu seinem offiziellen politischen Programm gemacht hat, ein Demokratiepatent verleiht, könnte ein Lächeln hervorrufen, wenn nicht die Existenz von Millionen von Männern, Frauen und Kindern auf dem Spiel stünde. Paradox, dass künftig ein Hindu den König dabei beraten wird, welche kirchlichen Oberhäupter er ernennen soll.

Die Göttin Lakshmi und der Gott Ganesh, die vom britischen Premierminister während Diwali verehrt werden