Advent, Zeit des Friedens in Maria

28. November 2020
Quelle: fsspx.news
Bernardo Daddi, Schwangere Jungfrau Maria

In dieser beginnenden Adventszeit möchten wir darüber nachdenken, wie die Demut immer vom Frieden begleitet wird, jenem friedvollen Schweigen, dass in die Seele eindringt und sie in die Tiefen des Unbefleckten Herzens hineintauchen lässt.

Der Demütige schweigt über sich selbst vor Gott und vor dem Menschen. Und dieses Schweigen erzeugt in ihm Loslösung und Vertrauen: Loslösung von den Gesschöpfen und Vertrauen auf Gott, Sammlung in Gott.

Von allen Geschöpfen ist offensichtlich die Jungfrau Maria diejenige, die den höchsten Grad an Gottvertrauen erreicht hat, diejenige, die vollkommen gesammelt und im tiefsten Frieden war. Wegen ihrer grenzenlosen Demut ist sie sozusagen das Gottvertrauen und die Sammlung selbst.

Doch was die Demut in uns hervorbringt, wird in Maria unvergleichlich vollkommener verwirklicht. Den Frieden, den unser Rex pacificus durch sein Kreuz unserer Seele geschenkt hat, hat er in der Tat dadurch bewirkt, dass er in ihr die Ordnung wiederherstellt.

Bei der Jungfrau Maria war es nicht nötig, Ordnung zu machen, denn sie ist die Unbefleckte. Sie ist nicht nur im Frieden, sondern sie schenkt den Frieden. Man könnte sagen, sie ist der Frieden selbst.

In der Litanei wird sie als “Königin des Friedens“ bezeichnet. Tatsächlich trägt sie diesen Titel im wahrsten Sinne des Wortes: seitens Gottes, der selbst Frieden ist, steht Maria da als Abbild dieses Friedens Gottes. Und unsererseits ist Maria die Ursache unseres Friedens.

Auf jedes Ecce, dass sie aussprach, folgte das Fiat der Zustimmung, der Annahme: sie war vollkommen unterwürfig, vollkommen abhängig von Gott. Sie war immer an ihrem Platz. Sie hat Gott nie etwas verweigert. Sie hat immer eingewilligt, immer akzeptiert. Sie vertraute, ohne sich jemals um irgendetwas zu sorgen. Sie blieb immer im Frieden, ohne dass irgendetwas sie stören konnte.

All die Prüfungen ihres Lebens, all die Schwerter, die ihr ganzes mit Jesus verbrachte Leben lang ihre Seele durchbohrten, fanden sie immer vollkommen verfügbar. Ganz im Frieden nahm sie den Willen Gottes genau so an, wie sich dieser offenbart hat. Und gerade das verleiht ihr eine außerordentliche Majestät. Sie ist nicht nur im Frieden, sie ist die Königin des Friedens. Offenbar hat ihr der Rex pacificus seine königliche Anziehungskraft mitgeteilt.

Die allerseligste Jungfrau ist nicht nur völlig im Frieden, sondern sie schenkt uns auch den Frieden. Wenn wir sie ansehen, ist es, als ob wir eine Königin ansehen, eine Frau, die uns ihren Frieden mitteilt. Sie befriedet uns, weil sie uns auf unseren Platz verweist. Ihr Blick richtet uns auf, ordnet uns, reinigt uns, erhält uns in der Abhängigkeit von Gott. Sie lehrt uns die Demut und das Schweigen.

Glaubst Du, dass Gott lieben heißt, Ihm etwas zu geben? Gib ihm Einlass, mehr verlangt er nicht. Das ist es, was die Jungfrau Maria tut. Gott zu lieben bedeutet, sich den Freigiebigkeiten seiner Liebe hinzugeben, es bedeutet, sich von ihm lieben zu lassen, und in der Betrachtung dieser Liebe zu verharren. Das hat die Jungfrau getan, und das ist der wahre Frieden, den die Welt nicht geben kann und den nur die Demut lehrt.