Antispeziesismus oder die Leugnung der Existenz Gottes (1) 

31. Juli 2022
Quelle: fsspx.news
Peter Wohlleben

Antispeziesismus wird im lexikalisch definiert als „eine Weltanschauung, die den Begriff der Hierarchie zwischen den Tierarten und insbesondere die Überlegenheit des Menschen über die Tiere ablehnt und allen Individuen, unabhängig von der Art, der sie angehören, den gleichen moralischen Status zuerkennt.“  

Der erste Teil dieser Analyse stellt das Konzept vor, das von einem seiner glühenden Verfechter dargelegt wird. Im zweiten Teil wird es widerlegt. Eine Aussage allerdings lässt sich aus einer solchen Weltsicht sofort ableiten: Antispeziesismus ist eine - praktische - Verneinung der Existenz Gottes. 

Es gibt verschiedene Wege, um zu dieser Schlussfolgerung zu gelangen. Einer davon besteht darin, einem Autor bei seinen Überlegungen zu folgen und die Etappen der Entstehung dieses antispeziesistischen Denkens zu markieren, das nicht unbedingt seinen Namen nennt, aber leicht erkennbar ist.  

Das hier untersuchte Thema ist unter anderem in „Das geheime Leben der Bäume“, ein Weltbestseller, der in 32 Sprachen erschien, angelegt. Verfasser ist der Forstingenieur Peter Wohlleben, Jahrgang 1964, der mit „Das geheime Netzwerk der Natur“ und „Das Seelenleben der Tiere“ nachlegte. Während der erste Titel bei Wissenschaftlern und Naturwissenschaftlern auf gemischte Resonanz gestoßen war, wurden die anderen Bücher aus wissenschaftlicher Sicht heftig kritisiert. 

Beim Durchblättern des Buches, dessen vollständiger Titel lautet: „Das geheime Leben der Bäume. Was sie fühlen. Wie sie kommunizieren“, stellt der naturkundige Leser vieles fest, das ungewöhnlich ist. Die erste Erkenntnis des Autors etwa ist, dass Bäume in der Lage sind, Informationen zu behalten und sie weiterzugeben. Das geschieht zwar noch sehr rudimentär, aber es ist bekannt, dass bestimmte Angriffe - chemische, physikalische oder thermische - bei bestimmten Pflanzen Reaktionen hervorrufen, wie z. B. die Produktion von Toxinen durch Akazien als Reaktion auf intensives Grasen durch Pflanzenfresser, was zum Tod der Pflanzenfresser führt. Es muss jedoch sofort betont werden, dass die Begriffe „behalten“ und „weiterzugeben“ in diesem Fall zweideutig sind, da sie eine Art Gedächtnis und eine Sprache vorgaukeln, die wir mit unseren eigenen gleichsetzen. Dies ist jedoch nicht einmal ansatzweise zutreffend. So wird stets, egal, ob es einen „Empfänger“ gibt oder nicht, das physikalisch-chemische Signal, das durch eine Aggression der Pflanze induziert wird, weitergeleitet. Wohlleben geht aber noch einen Schritt weiter und erklärt, dass Bäume sprechen: Sie würden „Ultraschall“ aussenden, der das Ergebnis eines rein mechanischen Phänomens ist, das beispielsweise durch eine Unterbrechung des Saftflusses hervorgerufen wird.  

Unser Autor meint jedoch in einem gewagten Vergleich, dass es sich dabei um eine Art „Durstschrei“ handele. Von da an ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zu der Behauptung, dass der Baum etwas fühlt... und der wird tatsächlich getan. Wohlleben betont: Bäume leiden. Hier ein Beispiel: „Der Eichenkeimling, der von einem Hirsch verschlungen wird, leidet und stirbt, so wie das Wildschwein, dem ein Wolf die Kehle durchschneidet, leidet und stirbt.“ Für den Moment ist das allerdings nicht mehr als eine Metapher. Denn um Leid zu empfinden, braucht man sowohl Sinne als auch eine zentralisierte Struktur, die Informationen in Schmerz umwandelt. 

Schließlich kommen wir zur Krönung mit Wohllebens Behauptung, Bäume seien intelligent. Das Gehirn befindet sich seiner Meinung nach im Baumstumpf oder in den Wurzeln. Die Induktion liegt im Vorhergehenden: Informationsspeicherung, chemische Steuerung der Funktionen, elektrische Signale, Sprache und Schmerz. 

Wohlleben bezieht mit derartigen Meinungen Position in der zugegeben lebhaften Debatte um Fragen wie „Haben Pflanzen ein Gehirn?“, „Sind sie intelligent?“ Eine Debatte allerdings , die in den akademischen Publikationen fehlt, räumt Wohlleben ein. Was ihn nicht anficht: „Eine Mehrheit der Akademiker“ kritisiert die Wurzel-Hirn-These, weil sie, wie der Autor erklärt, „dazu neigt, die Grenze zwischen Pflanzen- und Tierwelt zu verwischen“. Aber, so behauptet er: „Die Einteilung in Pflanzen und Tiere ist eine willkürliche Wahl, die hauptsächlich auf der Art der Ernährung beruht“, nämlich Photosynthese auf der einen Seite, Verdauung von lebenden Organismen auf der anderen. 

Das scheint eine völlig verkürzte und falsche Art, das Problem darzustellen, wir werden darauf zurückkommen müssen. 

Vom Gefühl und der Intelligenz zum Recht ist es nur ein kleiner Schritt. Wohlleben tritt für einen Schutz von Bäumen - wie auch von Tieren - ein, damit sie nicht mit gewöhnlichen Dingen gleichgesetzt werden. Er greift dabei auf eine bildhafte Sprache zurück, wenn er von der „Leiche einer Buche oder Eiche“ spricht, nach der die Flammen greifen. Oder von „Birken und Fichten, die gefällt - also getötet“ wurden, nur um Papier zu gewinnen. Danach folgt die Anklage: „Wir benutzen Lebewesen, die getötet werden, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen.“  

Wir könnten darauf hinweisen, dass das Buch des Autors - von dem über eine Million Exemplare verkauft wurden - an diesem „Massaker“ beteiligt war. Der Autor erkennt die Nutzung an; was er verurteilt, ist das Übermaß: „Wir müssen Bäume wie Tiere behandeln und ihnen unnötiges Leid ersparen.“ Dabei zählt er die Rechte auf, die den Bäumen zugestanden werden sollten: „ihre Bedürfnisse nach Austausch und Kommunikation befriedigen zu können, (...) ihr Wissen an nachfolgende Generationen weitergeben zu können. Zumindest ein Teil von ihnen sollte in Würde altern und dann eines natürlichen Todes sterben können.“ 

Wohlleben stellt in seinem letzten Kapitel die Frage nach der Möglichkeit einer Seele für das Tier. Nach einigen Ausweichmanövern, in denen er zugibt, dass er aus Mangel an Vorstellungskraft nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt, schreibt er allen Tieren eine Seele zu. Aber es gibt noch eine Zweideutigkeit: Diese Tierseele begreift er nach Art der menschlichen Seele. Im Epilog gesteht er deshalb: „Wenn ich gerne nach Analogien zwischen Tieren und Menschen suche, dann deshalb, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass sich ihre Gefühle grundlegend von unseren unterscheiden.“ Trotzdem versteigt er sich vollends, wenn er fortführt: „Jeder, der versteht, dass der Hirsch, das Wildschwein und die Krähe ihr eigenes, an sich vollkommenes Leben führen und darin noch dazu viel Vergnügen finden ...“. Diese Reduktion komplexer seelischer, metaphysisch bedeutsamer Vorgänge wird im Schlusswort gekrönt, in dem das menschliche Glück mit der Ausschüttung von Hormonen gleichgesetzt wird. Das ist Wohllebens Art zu sagen, dass Tiere, die ebenfalls über diese Art von Hormonen verfügen, ebenfalls dieses Bedürfnis nach Glück hegen, das die menschliche Spezies antreibt. Die Angleichung ist fast vollständig. 

Letztlich kann man sagen, dass dieses ganze Durcheinander zu einem großen Teil auf Unwissenheit darüber beruht, was alles Leben wirklich ist. Und es beruht auch auf einer tiefen Unkenntnis des Kosmos, der eine Harmonie - das ist die etymologische Bedeutung des Wortes - zwischen den Wesen ist. Eine von Gott geschaffene Ordnung, die das erste von ihm gewollte Gut in den Dingen ist. Und das ist der wichtigste Kritikpunkt: Diese Harmonie kann nur zwischen verschiedenen und hierarchisch gegliederten Wesen bestehen. Eine Welt der völligen Gleichheit aller Wesen geht nicht über die Welt der Mineralien hinaus - und selbst dann nicht. Diese einfache Feststellung lässt erahnen, wie sehr der Antispeziesismus dem Willen Gottes frontal zuwiderläuft und eine Leugnung seiner Existenz darstellt. 

Fortsetzung folgt... 

L’article qui précède est paru dans le n° 147 des Cahiers Saint Raphaël.

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