Ave Maria

13 Mai, 2019
Quelle: fsspx.news

Liebe Mitglieder der Bruderschaft, liebe Leser!

Mit Freude eröffnen wir eine neue geistliche Rubrik, die besonders der allerseligsten Jungfrau Maria gewidmet sein soll. Wir tun dies am 13. Mai, dem Jahrestag der ersten Erscheinung der Muttergottes in Fatima, und in diesem Jahr, in dem wir den 35. Gedenktag der Weihe der Priesterbruderschaft St. Pius X. an das schmerzhafte und Unbefleckte Herz Mariens begehen, die Erzbischof Marcel Lefebvre am 8. Dezember 1984 in Ecône vorgenommen hat. Dieses doppelte Gedenken darf jedoch nicht eine fromme und etwas sentimentale Erinnerung bleiben, die gewiss angenehm, aber ohne Wirkung auf unser geistliches Leben ist.

Der Zweck dieser neuen Rubrik ist es, unsere Seelen zu erwecken, unseren Eifer zu beleben und die totale Abhängigkeit der Priesterbruderschaft von der Muttergottes lebendig zu halten.

Ich möchte Sie ermutigen, den Text dieser Weihe zu lesen und zu betrachten. Die Worte, die unser Gründer wählte, trafen genau ins Schwarze und sind immer noch von brennender Aktualität: Die in ihnen angeprangerten Irrtümer sind ganz gewiss nicht verschwunden. Im Gegenteil, sie haben sich wie Krebszellen entwickelt und vermehrt; sie haben an Boden gewonnen und scheinen den ganzen Raum einzunehmen. Meine Absicht ist es nicht, eine negative und entmutigende Bestandesaufnahme zu machen, als ob nichts von all dem, was geleistet wurde, von Nutzen gewesen wäre. Nein, der Kampf geht weiter, solange er nicht gewonnen ist; die Bekämpfung der Krankheit wird fortgeführt, solange sich Leben im Körper findet. Und wir werden nicht nachlassen, mit denselben Waffen zu streiten: mit dem festen Vertrauen auf die Hilfe der allerseligsten Jungfrau Maria, besonders auf ihr Unbeflecktes Herz, der Zuflucht der Sünder und Kämpfer.

Unsere liebe Bruderschaft befindet sich inmitten des Sturms, der immer schon gegen die heilige Kirche Jesu Christi gewütet hat. Wenn wir nicht verloren oder im Toben des Meers und in den Fluten dieser verrückten Welt untergehen wollen, dann müssen wir unsere Augen und Herzen an Diejenige hängen, die in so reinem Licht leuchtet, an den Morgenstern, der uns fortwährend den Weg zeigt, dem wir folgen sollen.

Deshalb, liebe Freunde, liebe Leser, kann ich Sie nur ermutigen, mehr und mehr im Geist der vor fast 35 Jahren vollzogenen Weihe zu leben. Eine Weihe ist nicht einfach ein schöner Text, den man einmal oder an jedem Jahrestag liest und danach vergessen kann. Die Weihe ist eine praktische und konkrete Verpflichtung im täglichen Leben. Sie ist ein demütiges, vertrauensvolles und flehentliches Gebet. Sie ist eine liebevolle Selbsthingabe ohne Rückhalt und ohne Widerruf. Alles ist den Händen der Königin des Himmels übergeben und anvertraut worden: alle Mitglieder der Bruderschaft, ihre geistliche Familie, ihr Besitz, ihre Häuser, die Seelen aller Gläubigen und das ganze Apostolat, das wir auf der ganzen Welt ausüben. "Unsere Bruderschaft ist dein Eigentum", heißt es im Text. Lassen wir das nicht nur Worte sein, sondern eine zunehmend lebendige Wirklichkeit. Das ist mein Wunsch, und das ist meine Bitte an den Himmel.

Jeden Samstag und an jedem Fest der heiligsten Jungfrau werden Sie einen neuen Text vorfinden, der Ihnen in diesem Sinn helfen will. Seien Sie großzügig und treu darin, diese Texte regelmäßig zu lesen, zu betrachten und in die Praxis umzusetzen. Allein Diejenige, die sündlos ist, kann uns vor Irrtum, Blindheit und Entmutigung bewahren. Wenn wir uns selbst für stark halten, werden wir fallen. Aber wenn wir uns, überzeugt von unserer Schwäche und Zerbrechlichkeit, an sie wenden, dann wird sie uns ihr mütterliches Herz öffnen, sie wird uns unter ihren Schutz nehmen und uns sicher zum Hafen des Heils geleiten.

Don Davide Pagliarani

Weihe der Priesterbruderschaft St. Pius X. an die allerseligste Jungfrau Maria und ihr schmerzhaftes und Unbeflecktes Herz

(Ecône, 8. Dezember 1984, am Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens)

Zu Dir, o unbefleckt empfangene Gottesgebärerin, nehmen wir unsere Zuflucht in dieser Stunde voll Bedrängnis für das Menschengeschlecht, zu Dir rufen wir in diesen beispiellosen Stürmen, die die Kirche bis in ihre Grundfeste erschüttern. Einst hast Du zu Füßen des Kreuzes mitgelitten im Leiden Deines göttlichen Sohnes; wie könntest Du Dich angesichts des Leidens Seines Mystischen Leibes, der Kirche heute nicht von Mitleid rühren lassen!

Während ringsum der Kommunismus überall seine Irrtümer in solchem Maß verbreitet, daß auch die Kirche von ihnen angesteckt wird, vergiftet in ihrem Innern der Virus eines falschen Ökumenismus zahllose Seelen, indem er die einen der Einheit im wahren Glauben und der einzigen Arche des Heiles entfremdet, den anderen den Weg dahin versperrt.

Inmitten so vieler Ruinen und solchen Verrates möge es Gott nach dem Beispiel alter Zeiten gefallen, diese unsere Priesterbruderschaft als eine kleine Kampftruppe für den Wiederaufbau zu bereiten, die, ihrer Schwachheit voll bewußt, sich heute an Dich wendet, Du mächtige Jungfrau, Du Hilfe der Christen.

Angesichts der Größe der uns anvertrauten Aufgabe mißtrauen wir ja unseren eigenen Kräften und wollen uns unter Deinen mütterlichen und mächtigen Schutz stellen, o Jungfrau furchtbar wie ein geordnetes Kriegsheer; denn Dir ist von Anbeginn verheißen, daß Du das Haupt der Schlange zertreten wirst.

Inmitten der uns von allen Seiten bedrohenden Gefahren flehen wir zu Gott, der sich gewürdigt hat, uns zum Dienst an Seiner Kirche zu berufen, Er möge diese unsere Berufung huldvoll durch Dich besiegeln, Du Arche des Bundes!

Beseelt vom Wunsche, Dein Lob und Deinen Ruhm zu mehren, werfen wir uns heute, o unbefleckt empfangene Jungfrau, vor Deinen Thron der Gnade nieder, um der kindlichen Liebe Christi, Deines Sohnes, zu Dir, unseren kleinen Beitrag hinzuzufügen. Dir weihen wir deshalb unwiderruflich, unter dem besonderen Titel Deines schmerzhaften und Unbefleckten Herzens, unsere Priesterbruderschaft St. Pius X. mit ihren Priestern, Seminaristen, Brüdern, Schwestern, Oblatinnen und Tertiaren, ihrer ganzen geistlichen Familie.

Damit Du von nun an Eigentümerin unserer Bruderschaft seiest, bringen wir Dir in Form einer Schenkung in Deine Hand für immer unser Eigentum und unsere Häuser dar und übergeben sie Dir, damit sie wahrhaft Dein seien.

Uns selbst übergeben und weihen wir Dir ganz, mit Leib und Seele, damit Du nach Deinem Wohlgefallen über uns verfügest. Auch die uns anvertrauten Seelen übergeben wir Dir, damit Du sie unter Deinem mütterlichen Schutz behütest. Endlich empfehlen und überlassen wir Dir unser Apostolat, damit es von nun an Dein Apostolat sei, o Königin der Apostel!

Da unsere Bruderschaft also nunmehr Dein Eigentum ist, so halte Du sie fest, Du Turm Davids, damit sie niemals vom rechten Weg abirren kann. Bewahre, o getreue Jungfrau, jedes einzelne ihrer Mitglieder in unerschütterlicher Verbundenheit zu ihr. Erhalte unseren Glauben jungfräulich rein, o reinste Jungfrau, die Du die Macht empfangen hast, alle Häresien auf der ganzen Welt zu überwinden. Erhalte, o Gnadenvolle, der Kirche das Meßopfer nach dem alten, ehrwürdigen und gnadenbringenden römischen Ritus und bewahre uns in unerschütterlicher Treue zu ihm. Laß, o Königin aller Heiligen, mitten unter uns die Heiligkeit des Priestertums, des Ordenslebens und der Familien erblühen.

Behüte, o Mutter der göttlichen Gnade, unsere Bruderschaft als einen fruchtbringenden, immer lebendigen Zweig der heiligen, katholischen und römischen Kirche. Erflehe uns, o Mutter der Kirche, die Gnade, tagtäglich immer gefügigere und brauchbarere Werkzeuge in der Hand Gottes zu werden, um soviele Seelen wie nur möglich zu retten. Damit wir aber erkennen, daß Du, o gütige Jungfrau, unsere Gebete erhört hast, sende uns viele, viele Arbeiter, die der göttliche Herr der Ernte in Seine Ernte beruft.

Gewähre uns endlich, o Mutter des Ewigen Hohenpriesters, die Gnade, an der Erneuerung des katholischen Priestertums und dadurch am Aufleuchten der priesterlichen Seele Christi mitzuwirken, deren strahlender Glanz schließlich Sein Reich über die Menschen, die Familien und die Nationen ausbreiten und befestigen wird.

Im Vertrauen darauf, Apostel Jesu und Mariae zu sein, geloben wir, o Königin der Märtyrer und Bekenner, bis zu unserem letzten Atemzug mit all unseren Kräften darauf hinzuarbeiten, alles in Christus zu erneuern, Sein Reich auszubreiten und den glorreichen Triumph Deines schmerzhaften und Unbefleckten Herzens, o Maria, herbeizuführen. Amen.