Bischof Mutsaerts verabschiedet sich aus dem synodalen Prozess

22. November 2022
Quelle: fsspx.news

Msgr. Robert Mutsaerts ist seit 2010 Weihbischof der Diözese s’ Hertogenbosch in der niederländischen Provinz Brabant. Er gilt der Öffentlichkeit als strikt konservativ und  er hat mehrfach öffentlich seine Ablehnung gegenüber verschiedenen aktuellen Fehlentwicklungen erklärt. Anlässlich der Veröffentlichung des Instrumentum laboris für die kontinentale Phase der Synode über die Synodalität und dessen Vorstellung durch Kardinal Mario Grech Ende Oktober reagierte Mutsaerts heftig – und konsequent.

Er erklärte, dass die „Konturen des synodalen Prozesses […] immer deutlicher [würden]“. Dieser diene „als Megaphon für Meinungen, die nicht mit der Lehre der Kirche übereinstimmen“ und mündet in die „synodale Kirche (...) „um der Menschheit eine Art zu sein und zu leben anzubieten, in der sich alle eingeschlossen und als Protagonisten fühlen können“ (Kardinal Grech)“. 

„Aber wer fühlt sich ausgeschlossen?“, fragte der Bischof. Er zitiert § 39 des Dokuments: „Diejenigen, die aus verschiedenen Gründen eine Spannung zwischen der Zugehörigkeit zur Kirche und der Erfahrung ihrer eigenen emotionalen Beziehungen empfinden, zum Beispiel: wiederverheiratete Geschiedene, Alleinerziehende, Menschen, die in einer polygamen Ehe leben, LGBTQ-Menschen usw. Alle, die mit den Lehren der katholischen Kirche nicht einverstanden sind“, so der Prälat weiter.  

„Das Arbeitsdokument scheint vorzuschlagen, dass wir eine Liste von Beschwerden aufstellen, um dann darüber zu diskutieren. Die Mission der Kirche ist eine ganz andere. (...) Unser Herr hat uns ein ganz anderes Gebot hinterlassen: Verkündet die Wahrheit; die Wahrheit ist es, die euch frei machen wird." Dies ist übrigens auch das Motto von Bischof Mutsaerts: „Veritas vos liberavit“. Er fügte leicht erstaunt hinzu, dass „die Bemerkung, die Kirche schenke der Polygamie keine Aufmerksamkeit, besonders auffällig ist“. Er fügte hinzu: „Nebenbei bemerkt: Das Dokument schenkt den Traditionalisten keine Beachtung, die sich ebenfalls ausgeschlossen fühlen und sogar buchstäblich ausgeschlossen wurden. Man könnte fast sagen, dass es blasphemisch ist.“ 

Dann folgt ein tiefgreifender Vorwurf: „Der synodale Prozess ist bislang eher ein soziologisches Experiment und hat wenig mit dem Heiligen Geist zu tun, der sich hier durch jedes Geräusch Gehör verschaffen soll. Ein solcher Ansatz kann quasi als blasphemisch bezeichnet werden. - Nach unserem Urteil wäre das „fast“ zu viel des Guten.“  

Der Grund dafür laut Bischof Mutsaerts: „Was immer offensichtlicher wird, ist, dass der synodale Prozess dazu benutzt wird, eine Reihe von Positionen der Kirche zu verändern, und zu allem Überfluss wird der Heilige Geist selbst als Förderer neuer Ideen in den Kampf geworfen, obwohl der Heilige Geist im Laufe der Jahrhunderte immerhin das genaue Gegenteil davon verkündete.“ Und er fügt scharfsinnig hinzu: „Man beschwert sich darüber, dass die Kirche die Ansichten dieser Leute nicht akzeptiert. Dies ist jedoch nicht ganz richtig. Die flämischen und deutschen Bischöfe gehen mit ihnen ein gutes Stück des Weges, was letztlich noch viel tragischer ist. Sie wollen die Sünde nicht mehr Sünde nennen.“ 

Bischof Mutsaerts sieht die Bischöfe auf eine Rolle als Jasager beschränkt. Nachdem er darauf hingewiesen hat, dass endgültig festgelegte Lehrmeinungen unnötig zur Diskussion gestellt werden, erklärt Bischof Mutsaerts, dass „in der Politik alles diskutiert werden kann. In der Kirche ist das nicht so. Die Lehre der Kirche ist weder von Zeit noch von Ort abhängig. Aber das Arbeitspapier scheint wirklich alles in Frage stellen zu wollen.“ Zum Beweis zitiert er § 60 des Instrumentum laboris: „Der Ruf nach einer Bekehrung der kirchlichen Kultur um des Heiles der Welt willen ist konkret mit der Möglichkeit verbunden, eine neue Kultur mit neuen Praktiken, Strukturen und Gewohnheiten zu etablieren.“ Im selben Absatz wird die Rolle des Bischofs in diesem Prozess beschrieben: „Die Bischöfe werden aufgefordert, geeignete Mittel zu identifizieren, um ihre Aufgabe der Validierung und Genehmigung des Schlussdokuments zu erfüllen, indem sie sicherstellen, dass es tatsächlich das Ergebnis eines authentischen synodalen Weges ist, der den Prozess, der stattgefunden hat, respektiert und den verschiedenen Stimmen, die vom Volk Gottes auf jedem Kontinent zum Ausdruck gebracht wurden, treu bleibt.“ Das empört den Bischof: „Offensichtlich wird das bischöfliche Amt auf die bloße Umsetzung dessen reduziert, was am Ende den größten gemeinsamen Nenner darstellen wird, der sich aus einer Art Tombola der Meinungen ergibt. Die letzte Etappe des synodalen Prozesses kann nur zu einem Jahrmarkt der Meinungen führen. Man kann heute schon sagen, dass alle, die nicht bekommen haben, was sie wollten, sich darüber beschweren werden, dass sie ausgeschlossen wurden. Das ist von Natur aus eine Formel, die in die Katastrophe führt. Wenn jeder bekommt, was er will - was in Wirklichkeit nicht möglich ist -, wird das Desaster komplett sein. Die Kirche wird sich dann selbst verleugnet haben und ihre Identität verwüstet haben.“ 

Der Weihbischof rechnet auch noch einmal mit dem Sekretär des Synodenprozesses und seiner Auffassung von der Synode ab: „Bei der Vorstellung des Arbeitsdokuments ist Kardinal Grech wirklich zu weit gegangen, als er behauptete, dass es die Aufgabe der Kirche sei, als Verstärker für jeglichen Lärm zu fungieren, der von der Kirche ausgeht, selbst wenn dieser Lärm frontal dem widerspricht, was die Kirche immer verkündet hat.“ Und er erinnert daran, dass „das früher anders war. In der Zeit der Gegenreformation ließ die Kirche keinen Raum für Unklarheiten, was die Äußerung ihrer Positionen betraf. Man kann Menschen überzeugen, indem man den katholischen Glauben argumentativ und mit voller Überzeugung verteidigt. Man überzeugt niemanden, wenn man einfach nur zuhört und es dabei belässt. 

Bischof Mutsaerts stellt fest, "dass mir eine Sache ins Auge springt. Gott steht außerhalb des Rahmens dieses traurigen Synodenprozesses. Der Heilige Geist hat absolut nichts mit ihm zu tun. Zu den Protagonisten dieses Prozesses gehören meiner Meinung nach ein bisschen zu viele Befürworter der gleichgeschlechtlichen Ehe, Individuen, die Abtreibung nicht wirklich für ein Problem halten und sich nie als authentische Verfechter des reichen Glaubenserbes der Kirche erweisen; und die vor allem von ihrem weltlichen Umfeld geliebt werden wollen.“ 

Der streitbare und konservative Bischof schliesst: „Die Menschen wollen faire und aufrechte Antworten. Sie wollen nicht mit noch mehr Fragen belastet nach Hause gehen. Das führt dazu, dass die Menschen nicht zur Erlösung gelangen können. Inzwischen habe ich für meinen Teil den synodalen Prozess aufgegeben.“