Christen im Irak: Von einem Völkermord zum nächsten 

20. Mai 2022
Quelle: fsspx.news
Kathedrale von Unserer Lieben Frau von Qaraqosh

Die Exhumierung der sterblichen Überreste zweier Priester, die 1915 von den Türken aus Hass auf ihren Glauben ermordet wurden, wirft ein Schlaglicht auf die beiden Völkermorde, die Christen in der Ninive-Ebene innerhalb von nur einem Jahrhundert erleiden mussten. 

Die systematische Ausrottung der armenischen Christen durch das Osmanische Reich während des Ersten Weltkriegs ist allgemein bekannt. Weniger bekannt sind hingegen die Verbrechen, die von den Türken zur gleichen Zeit im heutigen Irak an den Katholiken des chaldäischen Ritus verübt wurden. Schätzungsweise 250.000 Christen wurden zwischen 1915 und 1918 in den Ebenen Mesopotamiens massakriert. Bei etwa 40 Martyrern liegen genügend Zeugenaussagen über ihren Tod vor, um zu dem Schluss zu kommen, dass sie aus Hass auf den katholischen Glauben ermordet wurden. 

Die chaldäisch-katholische Kirche ist eine mit Rom unierte Ostkirche mit ostsyrischem (chaldäischem) Ritus. Ihr Zentrum lag im heutigen Irak. Mittlerweile lebt aber fast die Hälfte der 500.000 Katholiken dieses Ritus in der Diaspora, in den USA, Europa oder Südamerika. 

Mit der Exhumierung der beiden Priester wurden der Liste der chaldäischen Märtyrer des frühen 20. Jahrhunderts zwei neue Namen hinzugefügt: Vater Yousouff Jabo Sakarya, ein syrisch-katholischer Priester aus Mossul, und Benham Hana Mikho Khozymi, ein Ordensmann, der dem Orden der Brüder vom heiligen Ephräm angehörte. 

Die beiden Priester wurden am 28. Juni 1915 von türkischen Gendarmen direkt vor der Kathedrale Unserer Lieben Frau von Qaraqosh hingerichtet. Sie befanden sich zu der Zeit auf dem Rückweg von Mossul, um am nächsten Tag die Messe für die Apostel Petrus und Paulus zu feiern. 

Die sterblichen Überreste der beiden Geistlichen waren nicht leicht zu identifizieren: „Es gab eine Reihe von Unklarheiten über den genauen Ort ihrer Bestattung; so gab es beispielsweise nur mündliche Berichte über Pater Benham“, erklärte Pater Luis Escalante, ein argentinischer Priester, der sich um mehrere solcher Fälle chaldäischer Märtyrer kümmert. Um alle Zweifel auszuräumen, wurde ein Team von fünf Gerichtsmedizinern aus Italien mit dem Auftrag entsandt, die sterblichen Überreste zu bergen und sie mithilfe der DNA zu identifizieren. 

Wir rufen alle Gläubigen auf, ihre Verehrung für diese beiden würdigen Söhne von Qaraqosh zu stärken, die vor mehr als einem Jahrhundert die Krone des Martyriums erhielten und als Fürsprecher für die Stärkung des Glaubens und des Wohlstands der Stadt und der gesamten katholischen Kirche im Irak in Erinnerung bleiben sollten“, sagte Pater Escalante, der der Ansicht ist, dass „auf diese Weise das Blut, das sie vergossen haben, nicht umsonst gewesen sein wird. 

Diese Entdeckung der sterblichen Überreste der beiden Geistlichen erfolgte nur wenige Jahre nach einer anderen Politik der Ausrottung: Der Islamische Staat (IS) führte sie zwischen 2014 und 2017 in der Ninive-Ebene durch, nur ein Jahrhundert nach den Verfolgungen durch die Osmanen. 

Pater Georges Bahnan Jiji Jahola, Priester in Qaraqosh, ist der Ansicht, dass die Exhumierung der sterblichen Überreste der beiden Märtyrer „eine spirituelle Ermutigung ist, ein Atemzug, der vom Heiligen Geist kommt, den wir in diesem Land, in dem wir viel gelitten haben, dringend brauchen“. 

Pater Bahnan räumt ein, dass unter den Christen im Irak „die Angst immer noch präsent“ ist und die Versuchung besteht, das Land zu verlassen, das lange vor der Eroberung durch den Islam christlich war. 

Der chaldäische Priester hofft jedoch, dass seine Gemeinde "von diesen Glaubenszeugen inspiriert wird, die zu einer Zeit standhaft blieben, als es weder einfach noch bequem war, den Namen Christ zu tragen".