Der Bericht zu Missbrauch in der Kirche in Frankreich steht massiv in der Kritik

05. Dezember 2022
Quelle: fsspx.news
Msgr Lorenzo Ghizzoni

Der italienische Episkopat hat die Methoden der unabhängigen Kommission für sexuellen Missbrauch in der Kirche (Ciase) in Frankreich stark in Frage gestellt. Diese Intervention schwächt den vor über einem Jahr veröffentlichten Bericht, der in Frankreich ebenfalls mehrfach kritisiert wurde, noch weiter.

Am 19. November 2022 nutzte der Vorsitzende der nationalen Kommission des italienischen Episkopats für den Schutz von Minderjährigen ein von der Päpstlichen Lateranuniversität in Rom organisiertes Kolloquium mit dem Titel „Von der Seite der Opfer“ und äußerte sich sehr kritisch über die Methode, die von den französischen Prälaten gewählt wurde, um die heikle Frage des Missbrauchs durch Kleriker in Frankreich zu klären. Lorenzo Ghizzoni, der Erzbischof von Ravenna-Cervia, erklärte: „Wir werden keine einzige nationale Kommission schaffen, die aus Mitgliedern besteht, die nichts über das Leben der Kirche wissen und deren angebliche Objektivität allein darin besteht, dass sie weder Bischöfe noch Priester oder Gläubige sind.“ Damit befand er schon die personelle Besetzung der unabhängigen Kommission unter ihrem Präsidenten Jean-Marc Sauvé für ungeeignet, Licht ins Dunkel des skandalösen Themas zu bringen.  

Für Erzbischof Ghizzoni hat die Methode der Ciase „Schaden angerichtet“ und „darf in Italien nicht nachgeahmt werden“. Ghizzoni liess verlautbaren, dass in der Frage eines möglichen Missbrauchs durch Kleriker in Italien nur die tatsächlichen Daten untersucht werden würden und man versuchen werde, „Wege zur Vorbeugung zu finden, denn es geht uns nicht darum, Priester an den Pranger zu stellen, sondern darum, Missbrauch zu verhindern“. Besonders deutlich wurde Bischof Ghizzoni, indem er ausdrücklich auf die Sauvé-Kommission abzielt: „Wir werden keine Datenhochrechnungen oder Stichproben durchführen, […] mit Zahlen, die nur diejenigen anlocken, die Zwietracht säen wollen.“  

Es ist das erste Mal, dass der „Sauvé-Bericht“ von einem ausländischen Episkopat so scharf angegriffen wird. In Frankreich hatten bereits vor einem Jahr, im November 2021, acht Mitglieder der Académie catholique de France eine begründete Kritik an bestimmten Aspekten der Arbeit der Ciase geübt und den Missbrauchsvorwürfen jeglichen „systemischen“ Wert abgesprochen. Hintergrund war auch damals schon eine sehr kritische Bewertung der erhobenen Fallzahlen, der Untersuchungsmethodik und der Auswertung. Das Erzbistum Köln berichtete auf der Plattform domradio.de: „Bei den Zahlen in Frankreich handelt es sich nicht um aktenkundige Verdachtsfälle, sondern um „Hochrechnungen auf sexualwissenschaftlicher Basis“. So wurden etwa der Zugang von Lehrern zu minderjährigen Schülern über viele Jahre und die statistische Häufigkeit von Taten pro einschlägigem Täter eingerechnet; das Ergebnis ist also eine sogenannte Dunkelfeldstudie.“