Der Heilige Pius X und die geistliche Mutterschaft Mariens

31 August, 2019
Quelle: fsspx.news

Im Geheimnis der Menschwerdung wird Maria Mutter der Menschen im Allgemeinen, denn indem sie unserem Haupt das Leben gibt, gibt sie es gleichzeitig allen Gliedern des mystischen Leibes Christi.

Der Heilige Pius X. sagt in seiner Enzyklika Ad diem illum: „Ist Maria nicht die Mutter Christi? Sie ist daher auch unsere Mutter“. Aus ihrer göttlichen Mutterschaft fließt ihre geistliche Mutterschaft für alle Menschen hervor.

Er beweist dies, indem er auf die Rolle Mariens im Geheimnis der Menschwerdung hinweist:

„Gehen wir zunächst von jener Grundwahrheit aus, die jeder festhalten muss: Jesus, das menschgewordene Wort, ist der Erlöser des Menschengeschlechtes. Wenn er nun als Gottmensch, wie alle anderen Menschen, einen ganz bestimmten Leib angenommen hat, so verfügt er als Erlöser unseres Geschlechtes ebenso über einen geistigen oder mystischen Leib; dieser mystische Leib ist die Gemeinschaft derer, die an Christus glauben. ‚Wir, die vielen, sind ein Leib in Christus‘ (Röm. 12,5). Nun aber hat die Jungfrau den ewigen Sohn Gottes nicht bloß empfangen, damit er die menschliche Natur annehme und so nur Mensch sei, sondern dass er durch die Annahme dieser Menschennatur aus ihr auch der Erlöser der Menschen würde. Deshalb sagte der Engel den Hirten: ‚Heute ist euch geboren der Erlöser, welcher ist Christus der Herr‘(Luk. 2, 11).

In einem und demselben Schoße der reinsten Mutter hat er Fleisch angenommen und sich zugleich einen geistigen Leib beigefügt, der aus denen besteht, ‚die an ihn glauben würden‘. So kann man mit Recht sagen: Dadurch, dass Maria in ihrem Schoß den Erlöser umschloss, trug sie in demselben auch die, deren Leben in das Leben des Erlösers einbezogen war.

Wir alle also, die wir mit Christus vereinigt und nach den Worten des Apostels ‚Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und seinem Gebein‘ (Ephes. 5, 30) sind, sind gleichsam aus dem Schoße Mariens hervorgegangen als ein Leib, der mit dem Haupte vereinigt ist.“

Deshalb hat Maria uns schon in ihrem Schoß als die zukünftigen Brüder ihres Sohnes getragen. Ohne Zweifel kannte sie uns von da an nicht vom Einzelnen her, aber sie wollte uns so, wie Jesus uns haben wollte, und sie liebte uns mit der ganz besonderen Liebe, mit der ihr Sohn uns liebte.

Und der Heilige Papst folgert:

„Somit heißen wir geistiger- und mystischerweise mit Recht Kinder Mariens, und sie ist unser aller Mutter: ‚Mutter freilich dem Geiste nach, aber doch durchaus Mutter der Glieder Christi, die wir sind‘ (S. Aug. L. de S. Virginitate, c. 6)“.

Wenn eine Mutterschaft im Wesentlichen darin besteht, das Leben zu schenken und zu entfalten, dann ist eine wahre menschliche Mutterschaft ohne eine ihr eigene Liebe undenkbar. Und noch viel undenkbarer wäre dies bei der vollkommensten aller Mütter! Da die Liebe Mariens zu uns unvergleichlich ist, wollen wir würdige Kinder einer solchen Mutter sein und ihr anhangen mit stetiger und treuer Liebe.