Der Präsident von Irland ist ein Realitätsverweigerer

28. Juni 2022
Quelle: fsspx.news
Michael D. Higgins, Präsident von Irland

In Nigeria hat das irische Staatsoberhaupt, Michael D. Higgins, die Kirche unnötig provoziert und die Opfer von Terrorismus beleidigt. Und zwar, indem er ausgerechnet den Klimawandel für die von Dschihadisten-Kommandos verübten Massaker an Katholiken verantwortlich machte.

Der irische Präsident warnte unlängst davor, „die Fulani-Hirten [auch „Fulbe“ genannt, d. Red.]  zu Sündenböcken zu machen, da sie die ersten Opfer des Klimawandels sind.“ Was auch immer Michael Higgins mit seiner Äußerung beabsichtigte, es ist beschämend und zeugt von völliger Unkenntnis des Politikers über den wahren Zustand des christlichen Nigeria.  

Nigerianische Katholiken können an der Realität jedenfalls nicht vorbei, sie werden sich noch lange an den 5. Juni 2022 erinnern. An diesem Sonntag, an das Pfingstfest gefeiert wurde, nahm ein dschihadistisches Kommando die St.-Franziskus-Xaverius-Kirche in Owo im Bundesstaat Ondo ins Visier und tötete rund 50 Gläubige. Eine blutige Tat, die die Zahl der rund 4.650 Christen erhöht, die im vergangenen Jahr gewaltsam ums Leben kamen. Im ersten Quartal dieses Jahres waren es bereits 900 Christen die feige und brutal ermordet wurden. Higgins war mit seinem oben geäußerten „Verständnis“ nicht der einzige, der das Klima als wahren Schuldigen für das Gemetzel anführt. Die Relativierung von Terroranschlägen mit islamistischem Hintergrund ist wahnwitzige Mode gekommen.  

Msgr. Jude Arogundade, Bischof von Ondo, der Diözese, auf deren Gebiet das Massaker verübt wurde, reagierte jedenfalls empört: „Eine falsche Verbindung zwischen den Opfern des Terrorismus und den Folgen des Klimawandels herzustellen, ist nicht nur ein grober Fehler, sondern bedeutet auch, Salz auf die Wunden der Opfer des Terrorismus in Nigeria zu streuen.“ Um zu verstehen, worum es geht, sollte man sich daran erinnern, dass die ethnische Gruppe der Fulbe – die aus Wandernomaden besteht – eine der wichtigsten Brutstätten des Dschihadismus in der Sahelzone ist. Die Fulbe sind überwiegend muslimischen Glaubens und haben eine wichtige historische Rolle bei der Verbreitung des Islams in Westafrika gespielt. Das ging stets zu Lasten der Christen und auf Kosten anderer Bevölkerungsgruppen. 

Dazu kommt, dass sich In den letzten Jahrzehnten die Lage der Fulbe angeblich verschlechtert hat. Sie behaupten, von der Entwicklungspolitik vernachlässigt zu werden, fühlen sich von den Behörden diskriminiert und haben häufig das Gefühl, in einer feindlichen Umgebung zu leben, da die sesshafte Bevölkerung ihr Nomadentum zunehmend erschwert. Radikale Islamisten finden bei ihnen deswegen fruchtbaren Boden und müssen nicht viel tun, um diese Muslime für den Terror zu rekrutieren.  

Bischof Arogundade ist fest entschlossen, die Wahrheit über die Lage der Christen in Nigeria an die Öffentlichkeit zu tragen und meint, dass „Kommentare, die Banditentum, Entführungen und grausame Angriffe auf unschuldige Bürger mit Fragen des Klimawandels in Verbindung bringen, eine Verdrehung der Wahrheit sind.“ Damit erteilt er auch den Amerikanern, die Nigeria vor einigen Monaten von der schwarzen Liste der Länder mit islamistischem Terrorismus gestrichen haben, eine klare Absage. Diese weitere, blinde Realitätsverweigerung des säkularisierten Westens könnte mit Sicherheit eines Tages einen ebenso heftigen wie unerwarteten Bumerang-Effekt auslösen.