Der Rosenkranz: der Weg zur Vollkommenheit

03. Oktober 2020
Quelle: fsspx.news

Die Kirche verehrt die Mutter Gottes unter dem Titel Königin des Allerheiligsten Rosenkranzes auf ganz besondere Weise, indem sie ihr ein besonderes liturgisches Fest widmet.

Das Fest Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz ist ein Ausdruck der Liebe, aber auch ein Akt der Dankbarkeit für die großen Siege, die das christliche Volk im Laufe der Jahrhunderte errungen hat, nicht nur durch die Waffen des Krieges, sondern auch durch jene geistliche Waffe, die der Heilige Rosenkranz selbst ist.

Dieses Fest ist das schönste offizielle Zeugnis für die Macht und Bedeutung dieses Gebetes. Die liturgischen Texte dieses Tages, insbesondere die Hymnen des Breviers, feiern die verschiedenen Rosenkranzgeheimnisse. In der Matutin lesen wir: „Wie an einem Frühlingstag umgaben Sie Rosen und Lilien der Täler“, eine klare Anspielung auf die mystischen Rosen, die Marias Kinder ihr zu Füßen legten, während sie den Rosenkranz beteten.

Die Kirche (in der Lesung) lenkt unsere Aufmerksamkeit auch den Text aus Buche der Weisheit: „Und nun, meine Söhne, hört mich an: Selig sind, die meine Wege halten. Höret auf meine Anweisungen und handelt gemaess der Weisheit, und lehnt sie nicht ab. Gesegnet ist der Mann, der mir zuhört und täglich an der Tür meines Hauses steht und wacht. Wer mich findet, der findet das Leben und das Heil im Herrn.“

Dieses Fest gibt uns also eine wichtige Botschaft, nämlich, dass das inbrünstige Beten des Rosenkranzes Jesus und Maria verehrt, denn diese Andacht ist eine Betrachung über das Leben der Mutter Gottes und ihres geliebten Sohnes. In der Tat, im Engelsgruß sprechen wir die beiden heiligen Namen Jesus und Maria aus. Deshalb lobt die Kirche die Andacht zum Rosenkranz und empfiehlt sie inbrünstig den Glaeubigen: „O Gott“, sagt sie im Tagesgebet der Messe, „lass uns durch die Betrachtung über diese Geheimnisse des Allerheiligsten Rosenkranzes der Seligen Jungfrau Maria nachahmen, was sie enthalten, und das erhalten, was sie versprechen.“

Der Rosenkranz ist auch ein Mittel zur Nachahmung. Man kann nur nachahmen, was man kennt. Wenn ein Künstler etwas malen oder modellieren will, muss er einen Plan, eine Idee, ein Motiv haben, das er in seinem Werk zum Ausdruck bringen will. Das tun wir auch. Wenn wir Jesus und Maria nachahmen wollen, müssen wir ihr Leben kennen. Und der Rosenkranz ist ein vollkommener Weg, dies zu tun. Denn wenn wir dieser Andacht unsere volle Aufmerksamkeit widmen, erlaubt sie uns, die wichtigsten Ereignisse des irdischen Lebens des Erlösers und seiner Mutter auf Erden sowie ihres glorreichen Lebens im Himmel zu betrachten und die Früchte daraus zu ziehen.

Jedes Gesätz taucht die Seele in eines der Geheimnisse Gottes ein, was notwendigerweise Spuren in unseren Herzen hinterlassen wird. So verwandelt uns der Rosenkranz durch jedes seiner Geheimnisse: Einerseits stärkt er den Zustand der heiligenden Gnade in unserer Seele, andererseits weckt er in uns die Reue für die Sünden und den Wunsch, uns zu bessern. Mit anderen Worten, sie macht uns Jesus und Maria ähnlich.

Der gut gebetete Rosenkranz ist eine wahre Schule der christlichen Spiritualität, die man als christozentrische Marienverehrung bezeichnen kann. Seine Geheimnisse bezeugen die Tatsache, dass im Leben der Mutter Gottes alles zu Ihrem Sohn hin gewendet, in Ihm zusammengefasst und fuer Ihn getan wird. Ihre Freuden kommen nur aus dem, was Unserem Herrn gefällt; ihre Leiden werden sozusagen in die Leiden des menschgewordenen Gottes versenkt. Marias einziger Schmerz ist die Passion Jesu: ihn verraten, gegeißelt, mit Dornen gekrönt und für unsere Sünden gekreuzigt zu sehen.

Die einzige Freude Mariens ist Jesus: seine Mutter zu sein, ihn in ihren Armen zu wiegen, ihn der Welt zum Lobpreis zu zeigen, über die Herrlichkeit seiner Auferstehung zu betrachten, sich mit ihm im Himmel zu vereinen. Der Rosenkranz hilft uns, die unbeschreibliche Demut der Menschwerdung, den Schrecken der Passion und die Größe der Herrlichkeit des Erlösers zu durchdringen.