Die Gottesgeburt

21 Dezember, 2019
Quelle: fsspx.news

Der Vater sendet seinen Sohn in die Welt. Die Sendung des Sohnes realisiert sich durch Maria, welche diese Sendung ermöglicht durch ihr fiat.

Die Gottesmutterschaft Mariä ist das Empfangen des ewigen Wortes in sich, das Tragen Gottes im Herzen und das Gebären des fleischgewordenen Wortes in die Welt. Es ist auch das intimste Verhältnis, welches es je unter Personen geben kann: das Verhältnis von Mutter und Kind. In diesem Sinne ist die Gottesmutterschaft Mariä das vollkommenste geschöpfliche Abbild und die Versichtbarung des intimsten Verhältnisses des Vaters zum Sohn im Innern der allerheiligsten Dreieinigkeit.

Hier auf Erden möchte Christus sichtlich Kind sein, klein und unscheinbar. Deshalb verbirgt er sich auch bis ans Ende der Welt unter den so bescheidenen Gestalten von Brot und Wein. Und er möchte, dass wir ihn lieben wie Maria ihn geliebt hat, also wie eine Mutter ihr Kind, denn es gibt kein innigeres Liebesverhältnis auf Erden als das zwischen Mutter und Kind. Natürlich ist damit nicht gemeint die rein natürlich – physische Verbindung und schon gar nicht die von der Erbsünde geschädigte Mutterschaft oft voll von egoistischen Bedürfnissen. Dieses „mütterliche“ unseres Verhältnisses zu Christus ist ein Eingehen in das Sein Mariä und richtet sich nach ihrem Muttersein. Wie aber war sie Mutter des ewigen Sohnes? Wie hat sie ihn erzogen, mit ihm gelebt, mit ihm gesprochen? Sicher verband sich hier die tiefste Ehrfurcht vor seiner Majestät mit der tiefst möglichen Intimität ihrer unbefleckten Liebe. Und damit dies für uns nichts Abstraktes sei und Unwirkliches, gibt uns Gott eine sehr realistische und intensiv erlebte Analogie: ist nicht die Erfahrung, Vater oder Mutter zu sein, etwas vom erhabensten im Menschenleben?

Das Weihnachtsgeheimnis enthült uns die dreifache Gottesgeburt: in der Ewigkeit im Schoß des Vaters, in Bethlehem aus Maria, und bis an das Ende der Welt in unseren Seelen. Somit führt die Geburt des Sohnes in das richtige Verständnis der Gegenwart Gottes in uns ein: die wahre Mutter lebt ganz für ihr Kind, geht in ihm auf, opfert sich für das Kind. Nun aber ist dieses kostbare Kleinod Gott selber, das fleischgewordene Wort. Tiefes Schweigen, heilige Stille und innigste Sammlung zeichnet das Verhältnis Mariä zu Jesus aus. Somit lehrt uns ihre Gottesmutterschaft das, was in unserer lärmenden Zeit fast ganz verloren gegangen ist: das Gebet in Sammlung und Stille, das Leben in Gottes Gegenwart. Es ist für uns unsagbar schwierig geworden, still zu sein. Der Mensch flieht die Stille und kann nicht mehr schweigen. Selbst der geistliche Mensch hat es schwer, die innere Stille zu wahren, so geräuschvoll und lärmend geht es zu in seinem Herzen. Nun aber empfängt er in seinem Herzen das große Geheimnis, es geschieht in ihm wie am Tage der Verkündigung: Gott kommt in seine Seele. Dieses Geheimnis darf er nun hegen und in sich tragen, wie eine werdende Mutter ihr Kind in sich trägt. Da aber Gott in unsagbarer Stille in uns wohnt und sein ewiges Licht uns schenkt, muss die Mutter ganz still werden, in tiefem anbetendem Schweigen die Gegenwart des göttlichen Kindes in sich ehren. Die Gottesmutterschaft Mariä wird zur „Form“ unseres Lebens mit Gott.