Die Gottesvision der Kinder in Fatima am 13. Mai 1917

14 Juni, 2019
Quelle: fsspx.news

Maria ist in Fatima erschienen, um die heutige Menschheit aus der Gefahr des Abfalls von Gott zum Glauben und in den Himmel zu führen. Schon bei ihrer ersten Erscheinung weist sie uns auf das Geheimnis Gottes hin, dessen sich die Menschen kaum mehr bewusst sind.

Nach einem Zwiegespräch bringt die Gottesmutter ihr großes Anliegen vor:

„Wollt ihr euch Gott aufopfern, um alle Leiden zu ertragen, die er euch schicken wird, als Akte der Sühne für die Sünden, durch welche er beleidigt wird, und um die Bekehrung der Sünder zu erlangen?“

Lucia antwortete ohne Zögern: „Ja, das wollen wir.“

„Ihr werdet dann viel zu leiden haben, aber die Gnade Gottes wird euch Stärkung und Trost sein.“

Die Gottesvision

Lucia berichtet: „Als sie die letzten Worte ‚Die Gnade Gottes wir euch Stärkung und Trost sein‘ aussprach, öffnete sie zum ersten Mal die Hände und übermittelte uns ein so starkes Licht, wie ein Widerschein, der von ihren Händen ausging. Es drang uns in die Brust und bis in die tiefste Tiefe der Seele sodass wir uns selbst in Gott, der dieses Licht war, schauen konnten, viel klarer als wir uns im besten Spiegel hätten sehen können. – Durch eine innere Anregung, die uns ebenfalls mitgeteilt wurde, fielen wir nun auf die Knie und wiederholten ganz innerlich: O Heiligste Dreifaltigkeit, ich bete Dich an; mein Gott, ich liebe Dich im heiligsten Sakrament. – Wir warfen uns vor dem Geheimnis Gottes nieder. Wir wurden mit einer solch gewaltigen Gotteserkenntnis erfüllt, dass es nicht einfach ist, darüber zu sprechen.“

Diese Schilderung ist in verschiedener Hinsicht höchst aufschlussreich:

1. Der Zusammenhang der Vision mit der freiwilligen Bereitschaft der Kinder, alles für Gott und die Rettung der Seelen leiden zu wollen, ist offensichtlich.

2. Die Vision der Gottheit wird den Kindern durch die Vermittlung Mariens geschenkt, sichtbar durch die von ihren reinsten Händen ausgehenden Gnadenstrahlen. Sie hat die Macht, uns ein tieferes Licht der Erkenntnis Gottes zu schenken und uns zu Gott hinzuführen. Sie ist in Abhängigkeit von Christus Vermittlerin aller Gnaden Gottes.

3. Die Gottesvision geschieht nicht durch ein äußeres Bild. Sie schauten Gott in der Tiefe ihrer Seele und erkannten sich selbst in Gott, wie in einem Spiegel. Ist das nicht die Erfahrung der Einwohnung der Dreifaltigkeit in unserer Seele? Christus erklärt das so: „Wer mich liebt, der bewahrt mein Wort; Mein Vater wird ihn lieben und wir werden kommen und Wohnung bei ihm nehmen“ (vgl. Joh 14,23).

4. Die Gottesmutter will uns Gott offenbaren, wie er wesentlich ist: als die heiligste Dreifaltigkeit im Geheimnis ihrer Heiligkeit und ihrer trinitarischen Liebe, welche uns durch die Barmherzigkeit Gottes zufließt.

5. Maria öffnet uns den Blick auch auf den größten Erweis seiner Liebe: seine lebendige Gegenwart im heiligsten Altarssakrament. Da begegnet uns Christus wesenhaft, und hier dürfen wir ihm antworten in Demut, Dankbarkeit und vor allem durch Liebe und Hingabe unserer selbst.

6. Francisco war von dieser Vision besonders beeindruckt: „Was ich am meisten liebte, das war Unseren Herrn zu sehen in dem Licht, das Unsere Liebe Frau uns in die Brust gesandt hat. Ich liebe Gott so sehr; aber er ist so traurig wegen der vielen Sünden. Wir dürfen nie mehr eine begehen.“ Er meinte danach: „Wir brannten in jenem Licht, das Gott ist, und wir wurden nicht verbrannt. Wie ist doch Gott? Das kann man nicht aussprechen! Aber wie tut es mir leid, dass er so traurig ist! Wenn ich ihn doch trösten könnte!“