Die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel

15 August, 2019
Quelle: fsspx.news

Dieses Dogma der Vollendung gibt uns auf dem Weg zu Gott eine wichtige Auskunft über zwei scheinbar völlig verschiedene Wirklichkeiten, die unser Leben beherrschen, die aber zutiefst miteinander verbunden sind: zunächst über die Bedeutung unseres leiblichen Lebens und dann über die Zielstrebigkeit unseres Daseins. Tatsächlich hängt die Bedeutung und das Leben unseres Leibes innig zusammen mit dem Ziel, nach dem wir trachten sollen. Der Materialismus verherrlicht den Leib in seinem augenblicklichen Zustand und verspricht ihm hier und jetzt sein Glück unter Hintansetzung oder gar Leugnung der Dimension der Ewigkeit. Die Wahrheit der Offenbarung zeigt den Leib in seiner Vergänglichkeit und Verweslichkeit, weist aber auch hin auf das Ziel des Lebens, nämlich „die Auferstehung des Fleisches und das ewige Leben“.

ERLÖSUNG DES LEIBES: In der heutigen materialistischen Welt ist das Leben des Leibes das wichtigste geworden und auch wir können uns dieser Intensität des Materiellen nicht entziehen, da wir Kinder unserer Zeit sind. Wenn wir auch unseren Leib nicht vergöttern, so haben wir uns schon daran gewöhnt, unser Glück nur allzu oft im Erfüllen der Sehnsüchte und dem Verlangen unseres Leibes zu suchen, um so vermeintlich Erfüllung und Friede im Herzen zu erlangen. Schmerz, Krankheit und Tod zeigen am besten, dass diese weltlichen Versprechungen eine grausame Illusion sind. Und doch will der Mensch die Erlösung des Leibes. Auf diese Sehnsucht antwortet nun das Dogma der Aufnahme Mariä in den Himmel, welches uns ihren verherrlichten Leib in unvergänglicher, himmlischer Schönheit betrachten lässt. Eine solche Verherrlichung ist auch unserem Leib verheißen, wenn wir nur denselben Weg gehen wie sie. Weil dieser Leib ganz und gar von ihrer Seele geleitet wurde, wurde er auch mit dieser Seele verherrlicht. Wenn die Welt den Leib in der Lüge des Naturalismus versumpfen lässt und so den Menschen in die Verzweiflung und ins Verderben führt, darf der Ritter Mariä im äußersten Kontrast dazu den Leib in seiner unvergänglichen Vorherbestimmung darstellen.

DER VERHERRLICHTE LEIB: Diese Erfüllung unserer Sehnsucht ist nicht nur eine Verheißung, ein feierliches Versprechen, sie ist schon Wirklichkeit. Diese unvergängliche Schönheit der Leibes Mariä in der Glorie gibt uns sowohl die wahre Wertschätzung für unseren Leib, als auch die Anregung, die Mittel zu ergreifen, dieser Schönheit teilzuwerden. Im Maße, als diese übernatürliche Wirklichkeit uns ergreift und alle Bereiche unseres Lebens durchdringt, ordne ich das Leben des Leibes auf diese Wirklichkeiten hin, verweigere ihm den Abfall in die Illusion und die von der Erbsünde geschädigten Leidenschaften, hebe ihn vielmehr empor zu seiner wahren Bestimmung. Er wird zum Diener des geistlichen Lebens und verwirklicht sein Wesen als Tempel des Heiligen Geistes. Dies ergibt einen sehr positiven, aber immer übernatürlichen Blick auf das Leibesleben und erfüllt den Menschen mit einer immerwährenden Frische und geistigen Jugend, an welche uns der Beginn jeder hl. Messe erinnert: „zum Altare Gottes will ich treten, zu Gott, der meine Jugend erfreut – ad Deum, qui laetificat juventutem meam“ (Ps 42). Wenn dann die Jahre des Alterns kommen und der Mensch immer mehr an den Gebrechen und der Verunstaltung seines Leibes zu leiden hat, steht ihm dieses Dogma als leuchtende Hoffnung und bald sich erfüllende Sehnsucht vor Augen: der Platz, den der Herr uns im Himmel bereitet hat, ist nichts abstraktes, sondern steht vor uns da im immerwährenden Glanze der im Himmel erhöhten Immaculata. In ihr sehen wir jetzt schon die Erfüllung des Wortes des Herrn: „Vater, ich will, dass da, wo ich bin, auch die bei mir sind, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir verliehen hast“ (Joh 17,24).