Die Rückkehr zu Gott durch Maria

08. Februar 2020
Quelle: fsspx.news

Die Rückkehr zu Gott ist der Sinn und das Ziel unseres Daseins. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir die Mittel ergreifen, die Gott uns gibt, damit wir auf dem Weg nicht erliegen und auch dem Feind nicht zum Opfer fallen. Die Rückkehr zu Gott ist ein geistlicher Kampf, der nie aufhört, solange wir in via – unterwegs sind.

Nun geschieht diese Rückkehr zu Gott auf demselben Weg, auf welchem er zu uns gekommen ist. Eine andere Himmelsleiter gibt es nicht. Und wie Maria die letzte Sprosse dieser Leiter von Gott her zu uns ist, so ist sie auch die erste Sprosse unseres Aufstiegs zu Gott. Damit ist das Axiom gemeint: per Mariam ad Jesum.

Der heilige Anselm führt dies in einem herrlichen Gebet aus:

„Durch Dich, glorreiche Herrin, werden wir würdig, zu Deinem Sohne Jesus aufzusteigen, der sich gewürdigt hat, durch Dich zu uns herabzukommen. Durch Dich, selige Jungfrau, können wir in seine Herrlichkeit gelangen, der durch Dich in unser Elend kam.“ (Oratio 54, PL 158, S. 960 – 961.) Der hl. Bernhard sagt in diesem Zusammenhang, dass uns „für die Wanderung durch dieses fremde Land eine freundliche Sachwalterin vorausgeht, welche als die Mutter des Richters und die Mutter des Erbarmens mit demütiger und wirksamer Bitte in den Geschäften des Heiles für uns eintritt.“ (Sermo Nr 2 in dominica infra Oct. Assumpt. BMV, PL 183, S. 431.)

Dies bekräftigt die Immaculata selbst, wenn sie in Fatima sagt, dass ihr Unbeflecktes Herz unsere Zuflucht sei und der Weg, der uns zu Gott führt. Ist Maria nicht das erste Geschöpf, das nach ihrem menschgewordenen Sohn zu Gott zurückkehrt? Ja, sie ist nicht nur das erste, sondern begreift in diesem Gang der Vereinigung mit Gott uns alle in sich. Sie ist das Urbild, die Urform aller Erlösten. Mehr noch, sie ist in gewisser Hinsicht die Stellvertreterin aller Erlösten nach dem denkwürdigen Wort des heiligen Thomas: „Durch die Verkündigung wurde die Zustimmung der Jungfrau anstelle der gesammten Menschheit erwartet“ (Summa Theologica III, 30, 1), was Papst Pius XII. in seiner Encyklika Mystici Corporis mit dem lapidaren Satz bekräftigt: „Sie hat an Stelle der ganzen menschlichen Natur ihre Zustimmung gegeben“.

Die Heimkehr der Welt zu Gott beginnt in einem neuen Bund Gottes mit der Menschheit. Diese göttliche Vermählung erfolgt jedoch nicht unmittelbar mit der gesamten Menschheit. Gott nimmt seinen Weg über Maria. Friede soll werden zwischen Gott und den Menschen. Darum schließt Gott diesen Bund, wie es zwischen zwei Mächten geschieht, die den Frieden durch einen Vertrag besiegeln. Maria ist die Gotterwählte, die Menschheit zu vertreten. Ihr „Ja“ ruft das ewige Wort in die Menschheit. Und in ihrem Jawort ist die Rückkehr der gesammten Schöpfung zu Gott hin überhaupt möglich. In diesem Sinn setzt Maria den Anfang unseres Heils. Wie der Mensch zu antworten hat auf Gottes erloesende Liebe, wird ihm nicht nur in Gottes Gebot und der Führung und Belehrung Christi und der Kirche gesagt (objektive Heilsmittel), es wird ihm in der Gestalt Mariens greifbar und lebendig vor Augen gestellt. Ihre Haltung muss die unsere werden, ihr Wort – unser Wort, ihr fiat – unser fiat. Nur in dem Maße ich das Jawort Mariä in mir nachvollziehe, wird sich mein Herz Christus und seiner Gnade öffnen.