Die Synode über die Synodalität

17. Juni 2022
Quelle: fsspx.news
Unsere Liebe Frau de Fourvière

Die Etappe der Diözesanphase der Synodalität in Spanien konnte vor kurzem durch eine Synodenversammlung der Spanischen Bischofskonferenz in Madrid offiziell abgeschlossen werden; an der Versammlung nahm eine Reihe von Laien-Synodenmitgliedern teil. Der zusammengefasste Synodaltext offenbart eine sich anbahnende Katastrophe.

Die Synodenversammlung präsentierte die endgültige Zusammenfassung der Dokumente, die während der diözesanen Phase gesammelt wurden. Von der Eröffnung der Synode am 10. Oktober 2021 bis zu ihrem Abschluss in Spanien am 11. Juni 2022 waren alle spanischen Diözesen, Ordenskongregationen, Säkularinstitute und Institute des kontemplativen Lebens, apostolische Bewegungen und viele andere apostolische Einrichtungen involviert.

Außerdem nahmen in Spanien 14.000 Synodengruppen an diesem Stück des gemeinsamen Weges teil, an dem mehr als 215.000 Personen beteiligt waren: hauptsächlich Laien, aber auch Personen des geweihten Lebens, Ordensleute, Priester und Bischöfe. Involviert waren alle 70 Diözesen mit 13.500 Pfarrgruppen, zahlreiche Ordensgemeinschaften und elf regionale CONFER, 215 Klausurklöster, 20 Diözesancaritas-Vereinigungen, 37 Laienbewegungen und -vereinigungen sowie 21 Säkularinstitute.  

Im Synodaltext heißt es: 

Der Aufruf von Papst Franziskus zur Teilnahme an der Synode wurde mit Begeisterung und Hoffnung angenommen, und es wurde verstanden, dass der Zweck dieser diözesanen Phase nicht darin bestand, einen Fragebogen zu beantworten, sondern damit zu beginnen, die Synodalität als einen grundlegenden Teil des Seins der Kirche und den daraus resultierenden ´synodalen Stil´ als die angemessene Art und Weise, Kirche zu machen, einzubeziehen.

Zur Liturgie kann man in dem Dokument Interessantes lesen: 

Wir stellen fest, dass die Liturgie auf eine kalte, passive, ritualisierte, monotone und distanzierte Weise gelebt wird. Dies ist größtenteils auf einen Mangel an Ausbildung in ihrem Inhalt zurückzuführen, was zu einer Unkenntnis dessen führt, was sie ist und was sie bedeutet, und auf einen Mangel an Beteiligung an ihrer Entwicklung, was zu Gleichgültigkeit führt.

Dies sind ganz offensichtlich die gleichen Vorwürfe, die der tridentinischen Messe gemacht wurden, um sie durch eine enthusiastische, fröhliche, aktive Feier ersetzen zu können... Vor mehr als fünfzig Jahren. Weiters heißt es: 

Deshalb ist es wesentlich, die Ausbildung in der Liturgie zu verstärken und eine lebendige und fruchtbare Teilnahme durch die Schaffung von Teams für liturgische Animation zu fördern. Es ist auch notwendig, ernsthaft über die Anpassung der Sprachen, der Kleidung und einiger Riten, die weiter von der heutigen Zeit entfernt sind, nachzudenken.

Auch hier werden Themen „abgearbeitet“, die seit fast sechzig Jahren im Konzil verankert sind. Das Dokument fährt mit den synodalen Lieblingsthemen fort, etwa dem „Zuhören“, wenn es um die Aufnahme von Menschen geht, die eine Begleitung benötigen. Insbesondere sind damit Geschiedene und Wiederverheiratete oder LGBT-Personen gemeint. Die Notwendigkeit einer Ausbildung der Laien wird ebenfalls richtigerweise erwähnt, doch von einer Verpflichtung, diese Lücke zu schließen, ist keine Rede. Dennoch wird die Mitverantwortung der Laien (ohne Ausbildung) befürwortet. Ebenso der Kampf gegen Autoritarismus. Aber wie kann man in dieser Problematik entscheiden, wenn man nur eine mangelhafte Ausbildung hat? Und – ganz nebenbei – die Autorität der Hierarchie und ihrer Assistenten, den Bischöfen und Pfarrern, wurde in der Kirche schließlich von Gott gegeben. 

Im Dokument wird auch der Dialog mit der Welt befürwortet. Es soll „die Vision einer Kirche der Instandhaltung“ aufgegeben werden, um „zu einer authentischen Kirche des Austritts überzugehen.“ Denn „die Kirche wird als eine reaktionäre Institution wahrgenommen, mit wenig Angeboten, weit entfernt von der heutigen Welt“. Dies allerdings ist – wahrscheinlich unfreiwillig – richtig, weil diese Welt, und besonders die heutige, der Kirche entgegengesetzt ist. 

Zusätzlich wird in dem Synodaltext gefordert, dass man auf „bestimmte spezifische Themen, die eine starke Resonanz gefunden haben“, zu sprechen kommen solle. So offenbar „[z]unächst einmal der Hinweis auf die Rolle der Frauen in der Kirche als Anliegen, Notwendigkeit und Chance. Ihre Bedeutung beim Aufbau und Unterhalt unserer Gemeinden wird geschätzt und ihre Präsenz in den Verantwortungs- und Entscheidungsgremien der Kirche wird als wesentlich erachtet.“  

Außerdem gibt „[d]ie begrenzte Präsenz und Beteiligung junger Menschen am Leben und an der Sendung der Kirche […] Anlass zu deutlicher Besorgnis. […] Die Familie wird als ein vorrangiger Bereich für die Evangelisierung angesehen. […] Die Frage des sexuellen Missbrauchs, des Machtmissbrauchs und des Missbrauchs des Gewissens in der Kirche hat ein großes Echo gefunden und die Notwendigkeit von Vergebung, Begleitung und Wiedergutmachung hervorgehoben. […] Es gab eine mehrheitliche Meinung über die Notwendigkeit, die Laienämter zu institutionalisieren und zu stärken. […] Besondere Aufmerksamkeit sollte der Frage des Dialogs mit anderen christlichen Konfessionen und anderen Religionen gewidmet werden. Wir erkennen an, dass wir in unseren Gemeinden wenig ökumenische Erfahrung haben, aber wir verstehen die Notwendigkeit, diesen Dialog dort zu etablieren, wo er nicht existiert.

Schließlich ergeht in dem Dokument in Vorwegnahme des Synodenergebnisses der Aufruf an alle, „gemeinsam zu gehen und unsere Art und Weise, an der Kirche teilzuhaben, aus der Tiefe ihres Geheimnisses in den beiden Aspekten, die sie definieren, zu erneuern und zu erweitern: Gemeinschaft und Sendung. […] Dieser Aufruf bedeutet, auf drei klar miteinander verflochtene Dringlichkeiten zu reagieren: die Synodalität zu erhöhen, die Beteiligung der Laien zu fördern und den Klerikalismus zu überwinden.“

Schließlich - last but not least – heißt es: „Obwohl es sich um Fragen handelt, die nur in einigen Diözesen und von einer kleinen Anzahl von Gruppen oder Einzelpersonen aufgeworfen wurden, halten wir es für angebracht, die von ihnen geäußerte Bitte um eine vertiefte Unterscheidung in der Frage des freiwilligen Zölibats von Priestern und der Ordination von Verheirateten aufzunehmen; in geringerem Maße wurde auch die Frage der Frauenordination aufgeworfen.“

Dieser letzte Teil wird die spanischen Bischöfe in zwei Lager aufspalten. Auf der einen Seite diejenigen, die fest an der katholischen Lehre festhalten, und auf der andren Seite diejenigen, die bereit sind, diese Lehre auf dem Altar der Synodalität zu opfern.

Was leicht vorhersehbar war und im Vorfeld auch schon von verschiedenen Seiten geäußert wurde, hat sich bewahrheitet. Diese Synode mit ihrem Angriff auf die Autorität des Glaubens und mit ihrer Demokratisierung gottgegebener Kirchenhierarchie wird unweigerlich eine wachsende Kakophonie von Wünschen und Vorstellungen ans Tageslicht bringen, aus der nur noch mehr Verwirrung und schließlich Spaltung hervorgehen kann. Das ist ein trauriges, beschämendes Ergebnis für das Projekt eines „gemeinsamen Weges“.