Die Unbefleckte Empfängnis. Erwägungen zum Advent

30 November, 2019
Quelle: fsspx.news

Der Advent als Beginn des neuen Kirchenjahres lädt uns ein, unsere Rückkehr zu Gott neu zu beginnen. Das ist aber nur möglich, wenn wir unser Leben auf ein solides Fundament aufbauen. Dieses Fundament ist die Unbefleckte Empfängnis.

Maria ist vom ersten Augenblick ihres Daseins vollkommen, leuchtend rein, unbefleckt. Das bedeutet u.a., dass die Wurzeln ihres Seins und Lebens ganz und gar der göttlichen Ordnung gemäß sind, dass vom ersten Augenblick an ihr Dasein bedingunglos und absolut und vollkommen hingerichtet ist auf Gott, dass sie ganz in der Wahrheit existiert. Daran erinnert der Psalm 86, den die Kirche auch auf Maria anwendet: „Ihre Fundamente sind auf heiligen Bergen. Der Herr liebt die Tore Sions mehr als alle Wohnstätten Jakobs. Herrliches weiß man von Dir zu künden, Du Gottesstadt!“

Pater Maximilian Kolbe erklärt, daß der Mensch die Aufgabe hat, Gott zu lieben und sich in dieser Liebe immer mehr mit ihm zu vereinigen, zu ihm zurückkehren. Das Geschöpf nun, welches ganz voll dieser Liebe zu Gott ist, ist die Immaculata ohne jeglichen Makel der Sünde, die in nichts von Gottes Willen abgewichen ist. Sie ist in unsagbarer Weise vereint mit dem Heiligen Geist als seine Braut, aber „Braut“ in einer unvergleichlich vollkommeneren Bedeutung, als dieses Wort in den Geschöpfen ausdrücken kann. Maria geht ihren Weg zu Gott vom Augenblick ihrer Unbefleckten Empfängnis in ungetrübter, unbefleckter vollkommener Liebe: In der Vereinigung des Heiligen Geistes mit ihr verbindet nicht nur die Liebe die beiden Wesen, sondern man kann sagen, daß die eine die ganze Liebe der allerheiligsten Dreifaltigkeit, die andere die ganze Liebe der Schöpfung ist. In dieser Vereinigung also verbindet sich der Himmel mit der Erde, der ganze Himmel mit der ganzen Erde, die ganze Ewige Liebe mit der ganzen geschaffenen Liebe, und das ist der Gipfel aller Liebe. Genau darin besteht das wahre Fundament des geistlichen Lebens: ganz von Gott, ganz in Gott und ganz zu Gott!

Indem Christus am Kreuz sie zur Mutter aller Glieder seines mystischen Leibes ernennt, darf sie dieses ihr „Festgegründet-sein auf Heiligen Bergen“ ihren Kindern weitergeben. Maria wird also bereits durch ihre Unbefleckte Empfängnis zum Beginn der Rückkehr der ganzen Schöpfung zu Gott. Das bedeutet, dass sie uns immer neu auf die großen Daseinsprinzipien ausrichtet, uns die Gnaden vermittelt, diesen Prinzipien immer mehr treu zu sein, nämlich immer und ganz von Gott abhängig zu sein, und Ihn als einziges Ziel unseres Lebens zu erwählen. Mit anderen Worten: sie teilt uns sozusagen ihren eigenen Anfang als „Unbefleckte Empfängnis“ mit, indem sie unseren Anfang, unsere Seinsgrundlage, unser Lebensfundament immer mehr aufbaut, stärkt und erhält: immer mehr frei von Makel ganz Gott zu gehören, ganz in Gott zu gründen, ganz auf Gott hin zu existieren.