Die Unbefleckte Empfängnis und die Wachsamkeit

05. Dezember 2020
Quelle: fsspx.news

Das Geheimnis der Unbefleckten Empfängnis scheint weit entfernt zu sein von unseren unruhigen Zeiten und von den immer heftigeren Verfolgungen, die bis zur Zeit des Antichristen die Welt heimsuchen werden. Aber dem ist nicht so! Die Kraft und Stärke, der Trost und das Licht dieses wunderbaren Mariendogmas sind heute bedeutsamer denn je.

Der erste Augenblick der Fülle der Zeiten war jener Moment, in dem der Heilige Geist die Seele und den Leib der Jungfrau Maria vor der Vergiftung der Erbsünde bewahrte, die sonst jeden Menschen befällt. Indem der Heilige Geist sie für immer vom Reich dieser Welt trennte, erfüllte er sie mit Gnade und goss alle Tugenden, die das Wesen des christlichen Lebens sind, in ihre Seele ein. Indem der Heilige Geist bei ihr blieb, vermehrte er fortwährend ihre heiligende Gnade und vervollkommnete ihre Tugenden bis hin zum Augenblick der Menschwerdung. Dort erblühte gleichsam Ihre Ur-Gnade zur göttlichen Mutterschaft, als Gott seinen Tabernakel unter den Menschen in ihrem Schoß erbaute.

Wenn hingegen die Menschheit sich von dieser Fülle der Zeit abwendet, wird alles, was durch die Gnade nach der Menschwerdung aufgebaut worden war, dermaßen vermindert werden, dass man meinen könnte, es bleibe nichts mehr vom Reiche Gottes auf Erden übrig.

Aus diesem Grund sagen uns die Evangelien, dass wir wachsam sein müssen, damit nicht auch wir verlieren, was wir empfangen haben. Das heißt, wenn die Zeiten schlechter werden, müssen wir unsere Aufmerksamkeit ganz auf unseren Herrn und auf seine Mutter richten. Ebenso werden die Pforten der Hölle die Kirche in der Zeit der schrecklichen Verfolgungen durch den Antichristen nicht besiegen, da ihre Blickrichtung ganz auf den endgültigen Sieg Christi gerichtet ist.

Die evangelische „Wachsamkeit“ bedeutet nicht nur, in der Nacht auf den Dieb zu achten, der unsere Güter stehlen wird. Sie bedeutet auch, auf den Ruf Gottes zu warten, wenn er uns zum Kampf ruft. Sie bedeutet, die Zeichen der Vorsehung zu lesen, die uns dazu bewegen, immer allen Gutes zu tun. Sie bedeutet auch, tief in die Geheimnisse des Glaubens zu schauen, damit wir durch das Eindringen in ihre Bedeutung allen Versuchungen widerstehen können, bis Christus wiederkommt.

Die Unbefleckte Empfängnis war die Morgenröte vor dem Aufgang der Sonne. Für das zweite Kommen Christi wird die Andacht an die Unbefleckte Empfängnis im Unbefleckten Herzen das Licht sein, das dem überhellen Licht des jüngsten Gerichts und Endsieges Christi vorausgeht. In dieser Morgenröte müssen wir uns auf die harten Zeiten vorbereiten, die vor uns liegen.

Die Unbefleckte Empfängnis bedeutet, dass Gott nichts mit dem Bösen zu tun hat. Mehr noch: mächtig über alles Böse wird er uns immer die Gnade geben, es zu besiegen. Wir müssen daher darauf achten, dass wir mit diesen Übeln, die in der Welt am Werk sind, niemals einen Pakt schließen. Man hört oft den Einwand: „Das übersteigt meine Kräfte“. Betrachten wir Maria: inmitten der alles übersteigenden Gnaden, aber auch gegenüber den härtesten Prüfungen ihres Lebens hat sie nie gesagt oder auch nur gedacht, damit überfordert zu sein. Sie empfing die Gnade der Unbefleckte Empfängnis sowie alle Gnaden und Privilegien, weil Gott es wollte. Und Gott will nie etwas Unmögliches. Dasselbe gilt für uns: wir werden alles Böse überwinden, weil Gottes es so will: „Das ist der Wille Gottes, eure Heiligung!“

Die Unbefleckte Empfängnis bedeutet die Fülle der Gnade mit all den eingegossenen übernatürlichen Tugenden. Nach ihrer Geburt wuchs Maria von Tugend zu Tugend, denn die Kraft der Gnade besteht darin, dass sie immer fruchtbar ist. Wir müssen daher Wachsamkeit üben und ihr zu Ehren und zur Erfüllung ihrer Pläne immer Gutes tun.

Die Unbefleckte Empfängnis bedeutet, Maria ist der Tempel des Heiligen Geistes, in dem Er unumschränkt regiert. Wir sind auch Tempel Gottes, die aber der Teufel verdunkeln, beschmutzen und verletzen will. Wir müssen daher sorgfältig über unser Herz wachen und es vollständig der Unbefleckten Empfängnis übergeben, um mit ihr und in ihr Gott allein zu dienen.