Ein Schwert wird dich durchbohren

30. Januar 2021
Quelle: fsspx.news

Nachdem der Greis Simeon das Jesuskind gesegnet und seine Größe als Licht zur Erleuchtung der Welt und als Ruhm des Volkes Israel verkündet hat, wendet er sich an die heilige Jungfrau und prophezeit, dass ihr Sohn ein Zeichen des Widerspruchs sein wird und dass ein Schwert ihre Seele durchbohren wird (Lk 2,34-35).

Dieser Ausdruck sieht den Kampf, die Widersprüche, die Schmerzen voraus, also die Art und Weise, wie das im Danklied Simeons besungene Erlösungswerk vollbracht werden wird.

Hier kündigt der heilige Greis deutlich das Leiden unseres Heilandes und das Mitleiden der Gottesmutter an. Er sagt voraus, dass die einen für Jesus sein werden, die anderen gegen ihn. Er wird viele aus der Sünde befreien und in den Himmel führen.

Aber er wird auch ein Anlass zum Fall für viele sein, die sich weigern werden, seine Botschaft zu hören, und sich in ihrer Sünde verschließen werden und damit die ewige Hölle verdienen. „Das Licht ist in die Welt gekommen, aber die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, weil ihre Werke böse waren” (Joh 3,19).

Die Heilige Jungfrau wird furchtbar unter der Undankbarkeit der Menschen leiden und sie wird noch mehr leiden, ihren Sohn grausam misshandelt und getötet zu sehen. Das Schwert, das der heilige Greis ankündigt, ist also das Schwert des Mitleidens Mariens.

So ist das Geheimnis des 2. Februar eine großartige Offenbarung des altehrwürdigen Sprichworts: per crucem ad lucem – Nur durch das Kreuz gelangt man zum Licht.

Das Lied Simeons ist voller Licht, Frieden und Sanftmut. Wenn er hingeht, um die Eltern zu beglückwünschen, kann man sich das freude Antlitz des heiligen alten Mannes vorstellen, voll von Dankbarkeit und heiligem Staunen. Gleich danach aber müssen sich seine prophetischen Augen verdunkelt haben, und seine Worte kamen gespalten und scharf heraus wie das Schwert, das Maria angekündigt wurde.

Simeons Freude und seine prophetischen Worte, die die große Wirklichkeit dieses göttlichen Erlösungsopfers und das Gesetz des damit verbundenen mütterlichen Schmerzes verkündeten, hatte Maria bereits vom Augenblick der Verkuendigung des Engels erkannt. Ja, sie hat diese Freuden und Schmerzen bereits tagtäglich erlebt seit der Reise nach Bethlehem bis zu diesem Augenblick.

Simeons staunender Jubel war nur ein blasser Vergleich mit Marias glühender und liebevoller Freude, und die Leiden, die er weissagte, entsprachen in ihrem Herzen der bereits begonnenen schmerzlichen Erfahrung.

Mit einem sehr tiefen Wissen sammelte sich ihr Geist, wie üblich, um über die Worte nachzudenken, die sie gehört hatte: „Ihr Vater und ihre Mutter waren erstaunt über das, was er über ihn sagte” (Lk 2,33).

Das berichtet das Evangelium gleich nach dem Lied der Freude Simeons, aber Maria blieb bei dieser Gesinnung, auch wenn unmittelbar danach die Worte abgrundtiefer Traurigkeit folgten. Und sie hat darauf hochherzig geantwortet mit der inneren Erneuerung ihres heldenhaften und liebevollen „fiat”.

„Ich fühle mit dir, o schmerzliche Mutter, den Schmerz, den das dich durchbohrene Schwert verursachte, als Simeon dir im Tempel die Qualen weissagte, die die Menschen deinem geliebten Jesus zufügen würden, bis hin zum Augenblick, als er vor deinen Augen am Kreuzesholze starb, blutüberströmt und von allen verlassen, ohne dass er von dir Schutz oder Hilfe erhalten konnte. Deshalb, meine Königin, bitte ich dich durch diese bittere Erinnerung, die dein Herz so viele Jahre lang bedrückt hat, für mich die Gnade zu erlangen, die Leiden Jesu Christi und die deinen immer, vom Leben bis zum Tod, eingeprägt in meinem Herzen zu bewahren. Amen.” (Hl. Alphonsus Liguori)