Erzbischof Arthur Roche zeigt sich unbeweglich

28. Juni 2022
Quelle: fsspx.news
Erzbischof Arthur Roche bei einem ökumenischen Treffen in Anwesenheit von Papst Benedikt XVI

Der zukünftige Kardinal Arthur Roche, Präfekt des Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, gab Radio Vatikan ein Interview, das am 16. Juni 2022 von Vatican news wiedergegeben wurde, in dem er zu verschiedenen Themen im Zusammenhang mit der Liturgie befragt wurde – darunter auch zur Frage des alten Messbuchs.

Die erste Interview-Frage bezog sich auf die jüngsten und zahlreichen Kontroversen über die Liturgie, insbesondere über die Messe. Der Journalist fragte den designierten Kardinal, warum das Thema immer noch so umstritten ist. Daraufhin behauptete der Prälat, dass es trotz verschiedener Liturgiedebatten in der Kirchengeschichte „nie eine Kontroverse über die Liturgie gab, wie wir sie heute erleben.“ Der Grund dafür sei, "dass es nie zuvor zwei Versionen des Römischen Messbuchs gegeben hat“, obwohl das Messbuch von 1970 mit der ganzen Kraft des Vatikanischen Konzils produziert worden war. 

Erzbischof Roche meinte, dass es „eine Tragödie ist, dass es heute diese Kontroverse gibt (...), denn die Eucharistie ist von Natur aus das Sakrament, das die ganze Kirche vereint.“ Er erinnerte im Interview an das „liturgische Gesetz [, das] uns in unserem Glauben hilft“. Er kommt zu dem Schluss, dass „die Reform der Liturgie heute ein sehr wichtiges Thema ist und nicht als Option betrachtet werden sollte.“ 

Gründe für diese Kontroverse seien Individualismus und Relativismus. „Aber“, so fuhr er fort, „die Feier der Messe ist keine Frage der persönlichen Wahl. (...) Und die Kirche hat im Laufe der Jahrhunderte immer die Form der Liturgie geregelt, die sie für eine bestimmte Epoche für sinnvoller hielt.“ Schließlich zitieret er P. Josef A. Jungmann, der gezeigt hat, „wie im Laufe der Jahrhunderte die Messe auf diese Weise verändert wurde, um sich den Bedürfnissen des Tages anzupassen. Und der Widerstand dagegen ist eine ziemlich ernste Angelegenheit, die der Papst in seinem Dokument über die Liturgie, Traditionis custodes, hervorgehoben hat.“ Und Roche weiter: „Alles, was geschieht, ist die Reglementierung der alten Liturgie des Missale von 1962, indem man ihre Förderung stoppt, weil es klar war, dass das Konzil, die Bischöfe des Konzils, unter der Inspiration des Heiligen Geistes eine neue Liturgie für die Vitalität des Lebens der Kirche vorantrieben. (...) Sich dem zu widersetzen, ist etwas, das wirklich sehr ernst ist.“ 

Am Ende des Interviews stellte Erzbischof Roche fest, dass die Säkularisierung dazu geführt hat, dass der Sinn der sonntäglichen Feier verloren gegangen ist. Abhilfe sieht er in der Katechese, der Nähe zu den Menschen und schließlich in der Feier des eucharistischen Gottesdienstes, der die Lehre der Kirche bringt. Er behauptet, dass die neue Messe hauptsächlich aus der Heiligen Schrift stammt, denn auf diese Weise werde die Lehre vermittelt.  

Hier sind Anmerkungen notwendig: Zunächst zu dem letzten Punkt. Es ist nicht die Heilige Schrift, die uns direkt lehrt, sonst müsste der Katechismusunterricht eine Bibellektüre sein. Die Lehre wird uns durch den Katechismus vermittelt. In der traditionellen Messe sind die Gebete des Offertoriums und des Kanons zwar nicht frei von Schriftbezügen, aber aufgrund ihrer theologischen Genauigkeit echte Lehren. 

Wir haben hier einen besonderen Fall einer postkonziliaren Mangelerscheinung, bei der anscheinend nur noch die Schrift in Betracht gezogen wird und alles direkt durch sie gelöst sein soll. Damit kommen wir dem ‚sola scriptura‘ der Protestanten sehr nahe. Das hat sich besonders in der Liturgie, der Theologie - vor allem der Moraltheologie - und der Pastoral gezeigt. Aber das ist ein fataler Fehler. 

Die selbstgewisse Leugnung der Schäden, die der neue Ritus angerichtet hat, die Ablehnung jeglicher Kritik an ihm, die Blindheit gegenüber der Vernachlässigung der Feiern, die mit ihrer durch den erneuerten Ritus begünstigten Desakralisierung zusammenhängt, zeigen sich in dem Interview auf bestürzende Weise.