Fest der Mutterschaft Mariens

11 Oktober, 2019
Quelle: fsspx.news

Kyrios ist im griechischen Alten Testament die gebräuchliche Übersetzung für Gott. Doch ist Maria auch Mutter der Erlösten? Ist die Mutter des Hauptes auch die Mutter der Glieder der Kirche?

Bei Isaias finden wir den Gedanken, dass Israel wie eine Mutter Kinder hervorbringt: „Kann eine Nation mit einem Male geboren werden? Denn Zion hat Wehen bekommen und zugleich ihre Kinder geboren.“ [Is 66:8]. Ähnlich spricht der Psalmist: „Und von Zion wird gesagt werden: Der und der ist darin geboren…“ [Ps 86:5]. Die sonnenbekleidete Frau in der Apokalypse bringt ebenfalls Kinder hervor, zum einen den Messias, und dann den „Rest ihrer Nachkommenschaft“. Diese Vision schildert zunächst das Geschick des Gottesvolkes, in dem sich die Verheißung des Protoevangeliums erfüllt, wonach der Nachkommenschaft der Frau die Schlange überwindet [Gen 3:15]. Die Kirchenväter und das Lehramt sehen in dieser Frau Maria, die in unsagbaren Leiden zu Füssen des Kreuzes die Glieder des mystischen Leibes Christi gebiert.

Bei den Vätern wird Maria als „Urbild der Kirche“ gesehen als „Typus der Kirche“[1]. Oft kommt es gar zur Gleichsetzung der Erst- und Vollerlösten mit der Kirche: „Lobpreisen wollen wir die allzeit jungfräuliche Maria, also die heilige Kirche, und deren Sohn und makellosen Bräutigam.“ Maria erscheint hier als die lebendige, konkrete Personifikation der Kirche. In Maria, der ohne Sünde Empfangenen, begegnen wird der heiligen Kirche ganz konkret. Maria und Kirche befinden sich - so Matthias Scheeben - in Perichorese, in gegenseitiger Durchdringung.[2]

In Maria ist mit ihrer Würde als Gottesgebärerin ein ganz bestimmtes Verhältnis zu allen Menschen gegeben, die durch die erlösende Kraft des von ihr dem Sohne bereiteten Blutes zu einem einzigen Leib zusammengefügt werden. Maria ist in Wahrheit die Mutter aller Erlösten: „Diese heilige und verehrungswürdige Mutter, die Kirche, ist Maria gleich: sie gebiert und ist doch Jungfrau, aus ihr seid ihr geboren – sie gebiert also Christus, denn ihr seid Christi Glieder.“[3] Als Vorerlöste, Ersterlöste und Vollerlöste spricht sie in liebender Mitwirkung das Ja-Wort zur Neuschöpfung des Menschengeschlechtes durch Christus: „Wahrlich, Maria ist auch Mutter der Christusglieder, die wir selber sind. Denn sie hat mitgewirkt in Liebe, dass Glaubende in der Kirche geboren werden, Glaubende, die da sind die Glieder jenes Hauptes, dessen Mutter sie leiblich wurde.“[4]

„Sit fons vivus, aqua regenerans, unda purificans“ (Osterliturgie); „Lebendige Quelle, wiederbelebendes Wasser und reinigende Flut“ ist nur in der Kirche, dort wo Maria, die wahre Mutter aller Lebendigen: „Und es war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa. Es feiert einen Festtag das ganze Haus, und dieses Haus ist die heilige Kirche. Jesu Mutter ist dabei, wo diese Hochzeit gefeiert wird. Denn nie wahrlich fehlt denen, die Kinder und Tischgenossen dieser Hochzeit sind, der echte Glaube and die Menschwerdung Christi. Die Irrlehrer aber sind nicht Kinder dieser Hochzeit, sie feiern ihre Feste abseits. Denn nicht ist dort die Mutter Jesu. Mögen sie auch verschiedene Irrtümer lehren, in dem einen bösen Geist sind sie letztlich alle einig, dass sie aus ihrem Herzen und aus ihren Konventikeln den Glauben an Christi wahre Menschwerdung vertreiben. Denn nur dort wird die Feier der wahren und himmlischen Hochzeit begangen, wo die Mutter Jesu anwesend ist – das heißt, wo die Mutter Kirche anwesend ist, wo Tag für Tag durch die hochzeitliche Vereinigung jungfräulicher Seelen mit Christus der wahre Glaube an seine Menschwerdung verkündet wird.“[5]

 

[1] Ambrosius, Brief 63 PL 16, 1218

[2] Vgl. Dogmatik V,2, Freiburg 1954, S. 488

[3] Augustinus, Sermo 25,8

[4] Augustinus, De sancta virginitate 6

[5] Rupert von Deutz, Johanneskommentar II.