Folgt auf Franziskus ein Franziskus II.? (2)

30. Mai 2022
Quelle: fsspx.news
Andrea Riccardi, Gründerin der Gemeinschaft Sant'Egidio

Der besorgniserregende Gesundheitszustand des Pontifex führt offenbar zu Mutmaßungen über eine mögliche Neubesetzung des Römischen Stuhls. Beobachter des Vatikans stellen zunehmend Fragen über zukünftige Kandidaten und die aktuelle Entwicklung.

Grund für die aktuelle Aufregung sind die offenkundig ernsthaften Schwierigkeiten des Papstes, zu gehen. Franziskus äußerte Ende April dieses Jahres beim Empfang slowakischer Pilger, dass sein Bein "nicht gut" sei und nicht funktioniere. Sein Arzt habe ihn gebeten, sich möglichst nicht zu Fuß fortzubewegen.  

Schon im Februar 2022 hatte der Journalist Andrea Gagliarducci auf der Website MondayVatican.com | MondayVatican | Vatican at a Glance geschrieben, dass bereits die Operation des Papstes im Hochsommer 2021 Diskussionen ausgelöst hätte. Gagliarducci, der als intimer Kenner des Vatikans gilt, schreibt weiter: „Papst Franziskus gefiel das nicht. Nach seiner Rückkehr aus der Slowakei ließ er verlauten, dass einige ihn bereits für tot hielten. Seitdem ist der Papst noch unberechenbarer geworden. Und das führte nur zu noch mehr Gesprächen, Begegnungen und Äußerungen über eine mögliche Nachfolge.“ Die Atmosphäre im Vatikan selbst hält der Journalist zurzeit für bedrückend und wenig offen, da „Papst Franziskus alles persönlich regeln will.“ Dies wird allgemein als Maßnahme zur Kontrollausübung verstanden, die das leitende Personal des Vatikans verunsichere. „So hat niemand die Kontrolle“, schreibt Andrea Gagliarducci, „Die Privatsekretäre haben sie nicht, sie ahnen, ersetzt zu werden und wissen ohnehin nichts von den vielen Ernennungen des Papstes. Die Leiter der Dikasterien haben sie nicht, da sie sich der Entscheidungen des Papstes nicht sicher sind und nicht länger als zwei Amtszeiten […] bleiben sollen. Selbst die Ortsbischöfe haben sie nicht, da sie gezwungen sind, auf unsicherer Basis zu navigieren und zu hoffen, dass sie keine schweren Fehler begehen.“  

Der Vatikan-Kenner ist sich sicher, dass der Papst momentan versuche, „seine Nachfolge durch eine Reihe von gezielten Ernennungen zu sichern.“ Auch die Besetzung des wahrscheinlich im Oktober stattfindenden Kardinalskollegiums habe Franziskus selbst in die Hand genommen. Damit sollen die Weichen für eine Nachfolge geschaffen werden, die der Linie seines Pontifikats folgen wird. Doch Andrea Gagliarducci ist skeptisch: „Es ist jedoch nicht selbstverständlich, dass es sich um einen Franziskus II. handeln wird. Es könnte auch ein Paul VII. sein, ein mitteleuropäischer Papst mit außergewöhnlichen Fähigkeiten im Kirchenrecht, der so einige rechtliche Mängel dieses Pontifikats ausbügeln könnte.“ Dies ist wohl eine Anspielung auf Kardinal Erdö aus Ungarn. Überhaupt sei der Zustand der Kirche nicht der beste, da Franziskus eine Kirche hinterlassen wird, die neu aufgebaut werden muss. So vermisst Gagliarducci eine ungebremste Evangelisierung, eine empathische, leidenschaftliche statt lediglich „nette“ Kirche, die momentan weniger den Glauben als ihr Marketing befördert.  

Andere Vatikan-Insider werden deutlicher. So nannte Sandro Magister in seinem Blog Settimo Cielo [Tutti gli articoli del 2022 (e degli altri anni) - Settimo Cielo - Blog - L’Espresso (repubblica.it) und El Blog de Sandro Magister - Infovaticana Blogs] Anfang Februar erste Namen im Zusammenhang mit der Papstnachfolge: „Es ist kein Geheimnis, dass sich die Gemeinschaft Sant'Egidio dafür einsetzt, dass Kardinal Matteo Zuppi, der derzeitige Erzbischof von Bologna und seit den Anfängen der Bewegung eine Führungspersönlichkeit, beim künftigen Konklave zum Papst gewählt wird. Genauso wie es niemandem entgehen wird, dass, wenn Zuppi zum Papst gewählt würde, vor allem Andrea Riccardi, der höchst einflußreiche Gründer und Leiter der Gemeinschaft, an den Schalthebeln der Macht sitzen würde.“ Zwar hätten Zuppi und Riccardi den Ruf, den von Franziskus begonnenen Weg besser geordnet und ohne die charakterlichen Irritationen, die dem aktuellen Pontifikat geschadet haben, weiter gehen zu können. Doch die wachsende und immer breitere Unzufriedenheit mit der Art und Weise, wie die Kirche heute von Papst Bergoglio regiert wird, könnte den Ausgang eines Konklaves zur Überraschung machen. 

Fortsetzung folgt.