Interkommunion: Kardinal Müller macht die Pflicht des Ungehorsams geltend

09. Januar 2019
Quelle: fsspx.news
Cardinal Gerhard Müller.

Die deutschen Bischöfe sind geteilter Meinung im Bezug auf die Frage, ob die Protestanten zur Kommunion zugelassen werden dürfen. Diesbezüglich hat der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation daran erinnert, dass die Priester ihren Bischöfen, sollten deren Anordnungen nicht der Lehre und der Praxis der Kirche entsprechen, nicht gehorchen müssen.

„Jeder Priester darf einem Nicht-Katholiken die Kommunion verweigern und muss dies sogar tun, selbst wenn sein Bischof ihm befiehlt, es zu tun“, erklärte Kardinal Gerhard Müller am 11. Dezember 2018 in einem Interview mit der Informationsseite LifeSite.

Diese Klarstellung des ehemaligen Präfekten der Glaubenslehre kommt einen Monat nachdem der Bischof von Münster, Bischof Felix Genn, erklärte, dass – im Gegenteil – kein Priester das Recht besitze, einem Protestanten die Kommunion zu verweigern.

Beim Besuch des Papstes in der lutherischen Kirche in Rom am 15. November 2015 wurde der Potifex von einem Protestanten über dieses Thema befragt und hatte ausweichend geantwortet: "Nie würde ich es wagen diese Erlaubnis zu erteilen, da es nicht in meinem Zuständigkeitsbereich liegt; sprecht mit dem Herrn und schreitet voran“. Seitdem  haben sich viele Bischöfe auf diese Aussage gestürzt, die sie als eine Art "Blankovollmacht für die Interkommunion" betrachten.

Kardinal Müller erinnert daran, dass es Fälle gibt, in denen ein Priester sich seinem Bischof widersetzen muss, „wie es der hl. Paulus mit dem hl. Petrus gemacht hat“, wobei er einen Teil des Briefes an die Galater zitiert (2,11). Erinnern wir uns daran, dass der hl. Paulus nicht nur Priester, sondern auch Bischof und sogar Apostel war, und dass er sich erlaubte, den ersten Papst öffentlich zurechtzuweisen, „da er nicht nach dem Evangelium handelte“.

Erzbischof Levebfre hat nicht anders gehandelt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang das Interview, welches Pater Davide Pagliarani, der Generalobere der Bruderschaft St. Pius X., am 15. Dezember 2018  der Tageszeitung Salzburger Nachrichten gegeben hat. Darin ruft er ins Gedächtnis, dass es „unvorstellbar ist, dass sich die Kirche während zwei Jahrtausenden geirrt haben sollte und dass sie die Antwort auf diese Fragen erst im Laufe der Konzilsjahre zwischen 1962 und 1965 gefunden habe“.