Interkommunion mit den Protestanten: Der Papst schiebt das Projekt auf

23. Juni 2018
Quelle: fsspx.news
Cardinal Luis Ladaria Ferrer.

Die deutschen Bischöfe haben am 4. Juni 2018 einen Brief vom Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre empfangen, unterzeichnet von Papst Franziskus. Darin erklärt er, dass das Projekt, Protestanten zum Kommunionssakrament zuzulassen „noch nicht reif für die Veröffentlichung ist“.

 

Der Brief, der vom deutschen Episkopat am 4. Juni empfangen wurde, datiert vom 25. Mai 2018; es ist der Vatikanist Sandro Magister, der ihn auf seinem Blog veröffentlicht hat.

Dieser Brief war mit dem Namenszeichen des Papstes versehen – nämlich F. 25/05/18. Darin erklärt Kardinal Luis Ladaria, Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, dass das Dokument, welches die deutschen Bischöfe über die Zulassung der evangelischen Christen zur Kommunion verfasst hatten, „noch nicht reif für die Veröffentlichung sei“, denn es „ ruft eine beachtliche Zahl an bedeutenden Problemen hervor“. 

Kardinal Ladaria weist vor allem auf ein grundsätzliches Problem hin: nämlich das Problem der Kompetenz einer Bischofskonferenz in Fragen, “welche mit dem Glauben der Kirche in Berührung kommen und welche die allgemeine Kirche betreffen“. 

Der Meinungsstreit hatte im Februar 2018 begonnen, nachdem die deutschen Bischöfe in großer Mehrzahl einen Text angenommen hatten, welcher den protestantisch-katholischen Paaren die Möglichkeit eröffnet, gemeinsam zur sakramentalen Kommunion hinzuzutreten.

Mehrere Bischöfe haben sich mutig gegen ein solches Vorhaben erhoben, welches, sollte es denn gelingen, „den katholischen Glauben und die Einheit der Kirche“ verletzen würde. Diese Prälaten hatten beschlossen einen Aufruf an Rom zu senden und um einen Schiedsspruch zu bitten.

Am 3. Mai 2018 wurde im Vatikan eine Gipfelkonferenz organisiert zwischen den Sachverständigen des Vatikans im Bereich der Glaubenslehre und des Ökumenismus und den Vertretern des deutschen Episkopats.

Die Besprechung schloss mit einem Kommuniqué, welches bekannt gab, dass Bischof Ladaria den deutschen Bischöfen Papst Franziskus´ Bitte „in einem Geist kirchlicher Gemeinschaft eine wenn möglich einstimmige Lösung zu finden“ überbracht hatte. Diese Nicht-Entscheidung hatte verheerende Folgen, indem es ausschließlich dazu führte, dass der Meinungsstreit in Deutschland und der ganzen Welt angefacht wurde.

Der Brief des Kardinals sollte eigentlich die Kontroverse beseitigen, aber ist es nicht so, dass er eher Unzufriedenheit auf beiden Seiten hervorruft? Die einen werden ihm vorwerfen, nicht an die Grundlagen der katholischen Glaubenslehre über den Zutritt zur Eucharistie erinnert zu haben, und das Projekt nura minima als „noch unreif für die Veröffentlichung“ qualifiziert zu haben.

Die anderen werden einen Rückzug in Bezug auf die Besprechung des 3. Mai beklagen. Bei genannter Besprechung hatte der Papst die deutschen Bischöfe gebeten, den Konsens gemeinsam unter sich auszumachen. Am 4. Juni 2018 hat Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von München und Freising übrigens genau diese vom Papst erbetene Richtung eingeschlagen, über die Presse.

Auch wenn man sich – wenigstens im Moment – darüber freuen kann, dass das empörende Projekt der Interkommunion zwischen Katholiken und Protestanten aufgehalten wird, bleibt es trotzdem von äußerster Wichtigkeit, dass die geistige Autorität Klarheit schafft über die Frage der Kollegialität, welche beim Zweiten Vatikanischen Konzil gefördert wurde, und die eine Autonomie der Bischofskonferenzen und die Auflösung der katholischen Einheit begünstigt. Mit dem Risiko, den Glauben und die christliche Moral in Gefahr zu bringen.