Ist die Mutter Gottes bei ihrer Geburt Jungfrau geblieben?

08. Januar 2022
Quelle: fsspx.news

Die Tradition unterscheidet bei Unserer Lieben Frau zwischen der Jungfräulichkeit vor der Geburt, während der Geburt und nach der Geburt Christi (ante partum, in partu und post partum). Die vorliegende Frage bezieht sich auf den zweiten Aspekt: die Jungfräulichkeit in partu. Hat die Geburt Jesu das Fleisch der Jungfrau Maria unberührt gelassen? Mit anderen Worten: Hat die Mutter Gottes ihren Sohn geboren, ohne das jungfräuliche Siegel zu brechen?

Die Kirchenväter bekräftigen diese Wahrheit mit Nachdruck. „Willst du wissen, wie er von einer Jungfrau geboren wurde und wie seine Mutter nach der Geburt Jungfrau geblieben ist? Jesus trat ein, als die Tür geschlossen war.“ (Verweis auf das zweimalige Kommen des auferstandenen Erlösers in den Abendmahlssaal nach seiner Auferstehung, „da die Türen geschlossen waren“, Joh 20,18 und 26) (St. Hilarius, Predigt über den Heiligen Johannes.)

Der heilige Bernhard drückt es mit einem schönen Bild aus: „Der Name Maria, bezeichnet den Stern des Meeres: In der Tat wird sie ganz zutreffend mit einem Gestirn verglichen, denn wie das Gestirn den Strahl aus seinem Schoß aussendet, ohne irgendeine Veränderung zu erfahren, so hat die Jungfrau einen Sohn geboren, ohne Schaden an ihrer Jungfräulichkeit zu nehmen.“ (Zweite Predigt über das Evangelium von der Verkündigung.)

Die Liturgie erwähnt es in der Präfation der Gottesmutter: „Sie war es, die durch die Wirkung des Heiligen Geistes deinen eingeborenen Sohn empfangen hat: und die, ohne etwas von der Herrlichkeit ihrer Jungfräulichkeit zu verlieren, das ewige Licht, Jesus Christus, unseren Herrn, geboren hat.“

Der heilige Papst Leo schreibt dies in seinem Lehrschreiben Tomus ad Flavianum: „Er wurde vom Heiligen Geist empfangen im Schoß der Jungfrau und Mutter, die ihn geboren hat, und ihre Jungfräulichkeit war gewahrt, wie sie es auch war, als sie ihn empfing“, (DzS 291).

Derselbe Papst präzisiert diesen Gedanken in seinem Brief an Julian von Kos: „Die Geburt unseres Herrn nach dem Fleisch hat gewisse Züge, die ihr eigen sind und durch die sie über die Anfänge des menschlichen Zustands hinausgeht, entweder weil er nur empfangen wurde und ohne fleischliches Verlangen (durch den Heiligen Geist) aus der unversehrten Jungfrau geboren wurde; oder weil er aus dem Schoß seiner Mutter so hervorgegangen ist, dass gleichzeitig die Fruchtbarkeit zur Geburt geführt hat und die Jungfräulichkeit geblieben ist (…)“, (DzS 299).

Es ist also definiert, dass die Mutter Gottes in partu Jungfrau ist.

Es gibt eine sehr große Angemessenheit für die Jungfräulichkeit in partu

Der Heilige Thomas legt diese Angemessenheit in seiner Summa Theologica (III, 28, 2) dar:

– Ein erster Grund berücksichtigt die Natur des Geborenen, das Wort (der Gedanke) Gottes. Unser Gedanke entsteht, ohne unseren Geist zu verderben. Um zu beweisen, dass der Leib Christi der Leib des Wortes Gottes war, musste er also aus dem unversehrten Schoß der Jungfrau geboren werden.

Der heilige Thomas zitiert hier die Predigt des Konzils von Ephesus: „Auch die Frau, die reines Fleisch zeugt, hört auf, Jungfrau zu sein. Das Wort Gottes aber, das aus einem Fleisch geboren wurde, bewahrte die Jungfräulichkeit seiner Mutter und bewies dadurch, dass es wirklich das Wort war. Verderbt unser Wort etwa unseren Geist, der es hervorbringt? So zerstörte Gott, das substantielle Wort, nicht die Jungfräulichkeit der Mutter, von der er sich vorgenommen hatte, geboren zu werden.“

– Es ist angemessen, dass derjenige, der kam, um die Verdorbenheit aus unseren Herzen zu entfernen, aus dem mütterlichen Leib geboren wurde ohne seine Vollkommenheit zu zerstören.

– Das Wort, das die Gebote erlassen hat, hat befohlen, seine Eltern zu ehren; es ist daher nicht angemessen, dass er die Ehre seiner Mutter minderte.

Die Väter vergleichen dieses Wunder mit dem der Auferstehung und den Erscheinungen im Abendmahlssaal. Marias Schoß wird mit dem Osttor des Tempels von dem Ezechiel spricht, verglichen, das ein für alle Mal versiegelt wurde, weil Jahwe durch es hindurchgegangen war. Und mit dem Stein des Grabes, aus dem der auferstandene Erlöser hervorging.

Deshalb geschah die Geburt Christi in Freude, ohne jene Schmerzen, die normalerweise für Frauen mit der Geburt einhergehen. Das im Garten Eden von Gott ausgesprochene Urteil, betrifft Maria nicht. Freuen wir uns mit ihr an der Krippe der Geburt Christi!