Königin der Herzen

12. Juni 2021
Quelle: FSSPX Spirituality

Der heilige Ludwig Maria Grignion de Montfort gibt Maria den Titel: „Regina cordium – Königin der Herzen“, und beschreibt so, wie Maria in uns herrschen muss.

Zunächst ist es ein Regieren über unser inneres Leben. In der Tat fühlen wir uns als Herren unseres inneren Lebens. Niemand darf ohne unsere Erlaubnis in die Geheimnisse unseres Herzens eindringen: hier ist der Sitz unserer Freiheit, unserer Intimität, nur wir allein bestimmen über unsere Gedanken, unsere Neigungen, unsere Willensentscheidungen.

Grundsätzlich wollen wir dieses Innenleben Christus dem König unterwerfen, dennoch fällt uns dies im grauen Alltag unsagbar schwer. Um uns diese Unterwerfung unter seinen Willen zu erleichtern, schickt er uns die Immaculata, die Königin, welche in uns als beste Mutter regiert.

Im Maße, als wir unser Herz und die Bewegungen unseres Herzen ihr unterstellen, ihrer Entscheidung anheimgeben, ihrem Willen ausliefern, wird sie Königin unserer Herzen.

Außerdem ist uns unser Innenleben oft selbst ein Rätsel. Unwissenheit, Verblendung und Zerstreuungen hindern uns daran, die Wahrheit über den Zustand unseres Innern klar zu erkennen. Daraus folgen Unsicherheit, Zweifel, Unruhe, innerer Zwist und manche Stürme, welche uns oft die Orientierung verlieren lassen und uns noch öfters lähmen auf dem Weg zu Gott.

Das Königtum Mariä in uns gibt uns jene Sicherheit, welche der Soldat hat, wenn er sich von einem erfahrenen und zuverlässigen Offizier leiten lässt. Oder besser: die Sicherheit des Kindes, welches sich ganz der Obhut der Mutter anheimgibt.

Das Königtum Mariä ist vor allem ein Königtum der Liebe. Gott hat ihr Macht gegeben über alle Geschöpfe, sie ist unumschränkte Herrin, „furchtbar wie ein großes Streitheer“.

Was sie von ihm erbittet, wird ihr gewährt. Sie ist die „fürbittende Allmacht“. Nun ist aber diese Allmacht ganz und gar im Dienste ihrer Liebe: Liebe zu Gott und zu ihren Kindern. Es gibt in diesem Königtum nichts, was nicht aus dieser Liebe stammte und zu dieser Liebe führte.

„Es erscheint in ihr nichts Kommandierendes, nichts in den Staub Beugendes. Jesus Christus, den Gott-König, muß man anbeten, vor ihm sich in tiefster Erniedrigung zu Boden werfen, er darf und muß es so von seinen Geschöpfen verlangen.

„Vor Maria aber stehen und knien wir wohl in tiefster Ehrfurcht, doch wir wissen, daß sie von Gott auf unsere menschliche Ebene gestellt ist, um uns mütterliche Dienste zu leisten. Den großen Abstand zwischen uns und ihr überbrückt sie darum durch übergroße, sich neigende Güte.

„Ihre Herrschermacht gebraucht sie, indem sie bald die Naturkräfte in Dienst nimmt, wie bei Gebetserhörungen, oder die Geisterwelt der Engel zu unserem Heile tätig sein heißt. Ihre bittende Allmacht äußert sich in der Gnadenvermittlung. Ihre ganz königliche Erscheinung der Hoheit und des Glanzes dient ihr dazu, unsere Seele im Innersten zu ergreifen und zum Idealen emporzuziehen.“1

Die beste Anerkennung der Königsherrschaft Mariens aber ist die Nachahmung ihrer eigenen Sklavenschaft Gott gegenüber, die Wiederholung von morgens bis abends ihres Fiat in allen Wechselfällen unseres Lebens.

In diesem Sinn kann man das Gebet „Der Engel des Herrn…“ verstehen als tägliche dreimalige Erneuerung der Hingabe an Maria, der Hingabe an ihren Willen, eine Deklaration der Treue und Unterwerfung unter ihr Königtum.

  • 1. P. Sträter SI, Maria in der Glaubenswissenschaft, Paderborn 1962, S. 347.