Kardinal Zen lässt sich nicht verbiegen

25. Januar 2023
Quelle: fsspx.news

Mit seinen 81 Jahren hat Kardinal Joseph Zen nichts von seiner Direktheit verloren. Vor allem nicht, wenn es darum geht, über das derzeitige Pontifikat zu sprechen. Er meint: „Beten wir für mehr Weisheit für unseren Papst, ich hoffe, dass er seine Linie bezüglich der Synode ändert.“

Der Kardinal war aus Hongkong angereist, um an der Beerdigung des ehemaligen Papstes Benedikt XVI. teilzunehmen, und nutzte die Gelegenheit, um der italienischen Tageszeitung „Il Giornale“ ein Exklusivinterview zu geben, das am 17. Januar 2023 veröffentlicht wurde. 

Der emeritierte Bischof der ehemaligen britischen Konzession ist zwar seit einigen Jahren offiziell im Ruhestand, aber dennoch eine Symbolfigur und Kämpfer für die Kirchenfreiheiten in Hongkong, die seit dem Machtantritt von Präsident Xi Jinping immer stärker bedroht sind. 

Der Kardinal, der kürzlich in einem politischen Prozess zu einer symbolischen Geldstrafe verurteilt wurde, besucht nun Gefängnisinsassen und stellt fest: „Ich habe in den letzten zehn Jahren mehrere Gefangene getauft.“ 

Obwohl er die Memoiren von Bischof Georg Gänswein angeblich noch nicht gelesen hat, liegt Bischof Zen „mit dem Thema der lateinischen Messe“ mit dem ehemaligen Sekretär von Benedikt XVI. auf einer Linie: „Die Annäherungen und vorschnellen Verallgemeinerungen von Traditionis Custodes haben viele Gläubige verletzt. (...) Hätte man nicht den Tod des ehemaligen Papstes abwarten können, anstatt ihn auf diese Weise zu demütigen?“ 

Die Frage der Bischofssynode liegt dem hohen chinesischen Prälaten sehr am Herzen: „Wir sind sehr besorgt darüber, was mit der Bischofssynode passieren könnte. Und ich befürchte, dass die Synode denselben Fehler wiederholen wird wie die niederländische Kirche vor 50 Jahren, als die Bischöfe zurücktraten und akzeptierten, dass die Gläubigen die Kirche leiten; dann wurde ihre Zahl immer kleiner. Beten wir, dass unser Papst mehr Weisheit besitzt.“ 

Nach der Beerdigung von Benedikt XVI. empfing der römische Pontifex Erzbischof Zen, der von einer „sehr herzlichen Begegnung“ sprach und dem Papst für „den guten Bischof, der in Hongkong ernannt wurde“ dankte. „Ich weiß, dass er ein Jesuit ist“, habe der argentinische Pontifex mit Humor geantwortet, so Zen. 

Was die Situation der Katholiken in China betrifft, so bleibt sie die oberste Priorität des Hongkonger Kardinals, der für seine Opposition gegen das 2018 zwischen dem Heiligen Stuhl und Peking unterzeichnete, vorläufige Abkommen über die Ernennung von Bischöfen im Reich der Mitte bekannt ist. Ein Abkommen, das Rom getroffen hat, um ein fast siebzig Jahre altes Schisma aufzulösen. In ihm sieht der hohe Prälat jedoch einen „Verrat“, der das Leben der Gläubigen nicht leichter gemacht hat: „Es ist eine komplexe Situation, man darf in diesen unruhigen Zeiten nie vergessen zu beten“, rät Kardinal Zen.  

Er schliesst das Interview: „Viele (chinesische) Gläubige bezeugen ihren Glauben gewissenhaft, aber wir wissen, dass, wenn die Situation schwierig wird, einige nur an ihren eigenen Vorteil denken. Wir unterstützen weiterhin die Wahrheit, die Gerechtigkeit und die Nächstenliebe. Die Dunkelheit darf nicht über das Licht siegen.“ 

In wenigen Tagen beginnt in China das „Jahr des Wasserhasen“ nach dem traditionellen astrologischen Kalender. Der Wasserhase gilt gutes Omen und wird mit Wachsamkeit, Vorsicht und geistiger Beweglichkeit in Verbindung gebracht. All diese Tugenden werden die Katholiken in Hongkong im Jahr 2023 brauchen, um der erstickenden Umarmung des roten Drachens in Peking entgehen zu können ...