Kasachstan: Auf dem Weg zu einer Weltreligion? (2)

09. November 2022
Quelle: fsspx.news
Unabhängigkeitspalast in Astana

Die Reise von Papst Franziskus nach Astana hat heftige Reaktionen hervorgerufen. Auch der Weihbischof von Astana, Athanasius Schneider, reagierte. Teil zwei unserer Serie zum Kongress der Religionsführer.

Letztendlich fand der Kongress der Religionsführer nicht in der bereits im ersten Teil der Serie erwähnten Pyramide des Friedens und der Eintracht statt, sondern im Palast der Unabhängigkeit. Die Verlegung des Tagungsortes soll aus Platzgründen erfolgt sein.

In diesem Gebäude hielt der Papst am 14. September eine Rede mit stark synkretistischen Untertönen: „Religionen sind keine Probleme, sondern Teil der Lösung für ein harmonischeres Zusammenleben. Das Streben nach Transzendenz und der heilige Wert der Brüderlichkeit können in der Tat die Entscheidungen inspirieren und erhellen, die im Kontext der geopolitischen, sozialen, wirtschaftlichen, ökologischen, aber im Grunde auch spirituellen Krisen getroffen werden müssen, die viele der heutigen Institutionen, sogar die Demokratien, durchziehen und die Sicherheit und Eintracht unter den Völkern gefährden. Es ist daher notwendig, dass die Religion auf den Durst der Welt nach Frieden und den Durst nach Unendlichkeit, der im Herzen jedes Menschen wohnt, antwortet.“  

In dieser Erklärung wird von der Religion erwartet, dass sie den „Durst der Welt nach Frieden“ und den „Durst jedes Menschen nach Unendlichkeit“ stillt; die „Religion“, unterschiedslos, und nicht die Religion Christi, deren Stellvertreter der Papst ist.

Parallel zu dieser Rede veröffentlichte der Papst eine Nachricht auf Twitter: „Angesichts des Mysteriums der Unendlichkeit, das uns beherrscht und anzieht, erinnern uns die Religionen daran, dass wir Geschöpfe sind: Wir sind nicht allmächtig, sondern Frauen und Männer auf dem Weg zum selben himmlischen Ziel.“ Aber bieten tatsächlich alle Religionen „das gleiche himmlische Ziel“ wie die Religion des einzigen Erlösers, mit Reinkarnation, Nirwana oder einem von üppigen Huris bevölkerten Paradies?

Vor diesem Hintergrund reagierte der Weihbischof von Astana, Msgr. Athanasius Schneider: „Der Kongress versucht richtigerweise, gegenseitigen Respekt und Verständnis in der Welt von heute zu fördern. Aber es besteht auch eine Gefahr, denn es könnte der Eindruck eines Supermarkts der Religionen entstehen.“ Und weiter beklagte der Prälat: „Bei diesem Treffen erscheint die katholische Kirche von außen betrachtet als eine Religion unter anderen. (...) Dies ist aus meiner Sicht ein negativer und gefährlicher Aspekt.“ Denn die Mission der Kirche sei es, allen Nationen die einzigartige und absolute Natur Jesu Christi zu verkünden.

Auf die Frage von Journalisten, ob er mit Papst Franziskus nicht einverstanden sei, antwortete der kasachische Bischof: „Als Bischöfe sind wir Brüder. Er ist der ältere Bruder, das Oberhaupt der Kirche, aber wenn ich in meinem Gewissen sehe, dass etwas nicht richtig ist oder zweideutig ist, muss ich ihm das mit Respekt und brüderlich sagen.“

Die Äußerung einer Meinungsverschiedenheit mit dem Papst ist ein Zeichen „wahrer brüderlicher Liebe“, denn Bischof zu sein bedeutet nicht, „sich wie ein Angestellter gegenüber seinem Chef zu verhalten“. Im Gegenteil, „zu sprechen, wenn man der Meinung ist, dass es eine Gefahr für die Kirche gibt, bedeutet, dem Papst echte Hilfe anzubieten“, erinnerte er.

Schneider hatte das Abu-Dhabi-Dokument über „Menschliche Brüderlichkeit, für Weltfrieden und gemeinsames Zusammenleben“, das 2019 von Papst Franziskus und dem Ägypter Ahmed al-Tayeb, dem Großimam der Al-Azhar-Moschee in Kairo, unterzeichnet wurde, scharf kritisiert.

Im Zusammenhang mit diesem Dokument sei an die Erklärung von Pater Davide Pagliarani, Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Pius X., vom 24. Februar 2019 erinnert, in der er energisch „eine Gottlosigkeit, die das erste Gebot Gottes missachtet und die Weisheit Gottes, die in Jesus Christus verkörpert ist, der für uns am Kreuz gestorben ist, sagen lässt, dass der „Pluralismus und die Vielfalt der Religionen“ „ein weiser göttlicher Wille“ sei, anprangerte.

„Solche Äußerungen stehen im Gegensatz zu dem Dogma, dass die katholische Religion die einzig wahre Religion ist (vgl. Syllabus, Satz 21). Wenn es sich um ein Dogma handelt, trägt das, was sich ihm widersetzt, den Namen Häresie. Gott kann sich nicht selbst widersprechen.“