Maria, Abbild der ewigen Weisheit

17. Juli 2021
Quelle: FSSPX Spirituality

Die zweite Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, das ewige Wort, ist die vorbildliche Ursache (causa exemplaris) alles geschaffenen Seins und als solche die ewige, ungeschaffene Weisheit: „In ihm ist alles geworden, und ohne ihn ist nichts geworden, was geworden ist“ (Joh 1,4).

„Er ist das Ebenbild Gottes, des Unsichtbaren, der Erstgeborene vor aller Schöpfung; denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden ... alles ist durch ihn und für ihn geschaffen. Er ist vor allen, und alles hat in ihm Bestand“ (Kol 1,14). Im ewigen Gedanken Gottes ist Christus als Sohn Mariens der Erstgeborene vor aller Schöpfung und ist wiederum in seiner Eigenschaft als Sohn Mariens Haupt und Krone des Universums.

Der hl. Laurentius von Brindisi lehrt: „Daraus folgt, daß auch Maria mit Christus vorherbestimmt ist, und wenn Christus in der Vorherbestimmung den ersten Platz einnimmt, dann empfängt Maria den zweiten. Christus die Sonne, Maria der Mond, der heller leuchtet als alle anderen Sterne zusammen. Was ist die Frau, daß du ihrer gedenkst, daß du sie mit deinem Blick umgreifst!

Du hast sie mit Glanz und Hoheit gekrönt und sie zur Herrin gesetzt über das Werk deiner Hände. Ihr hast du alles zu Füßen gelegt, du hast sie nicht ein wenig unter die Engel gestellt, sondern sie über alle Engelordnungen erhoben. Die Sonne gabst du ihr zum Gewande, die strahlendsten Sterne zur Krone. […]

Die göttliche Vorherbestimmung ist gleichsam die Urzeichnung, die Urform, das Urbild, die Urgestalt der Gesamtkirche der Auserwählten Gottes. Als Gott dem Moses das Abbild der göttlichen Wohnung überreichte, sprach er zuerst von der Bundeslade: so dachte Gott im Urgedanken seiner Schöpfung zuerst die seligste Jungfrau als die lebendige Lade der Gottheit.“

Das vollkommene Nachbild, die perfekte, reinste, unbefleckte „Imitation“ des ewigen Wortes ist Maria, die alle Eigenschaften der ewigen Weisheit in sich aufnimmt. Deshalb nennt sie die Kirche die geschaffene Weisheit und wendet die Eigenschaften der ewigen Weisheit auf sie an (z.B. Lesung am Fest der Unbefleckten Empfaengnis).

Maria am Ursprung des ganzen Universums: „Ego sum radix – ich bin die Wurzel“ (Tractus der Messe von Maria Mittlerin aller Gnaden). Dieser Urplan „erstreckt sich voll Macht von einem Ende zum anderen und durchwaltet aufs Beste das Weltall“ (Weish. 8,1).

Alle Geschöpfe zusammengenommen reichen nicht an dieses schönste Urgeschöpf, dieses Meisterwerk Gottes heran: „Denn sie ist herrlicher als die Sonne und übertrifft die ganze Sternenwelt. Mit dem Lichte verglichen, gebührt ihr der Vorrang. Denn nach diesem beginnt die Nacht“ (Weish. 7,29).

Der heilige Bernhardin von Siena bekennt: „Aus der nur ihr zuteil gewordenen Endvollendung spendet die heilige Jungfrau allen Naturen und Vollkommenheiten der Welt ihren letzten Seinswert, Seinsreichtum und letzte Seinshöhe.

Alles Sein war auf ein vornehmstes Sein ausgerichtet: das lebende Sein auf ein vornehmstes Leben; das fühlende und empfindende Sein auf ein vortrefflichstes Fühlen; alle Empfängnis des Weibes auf eine wertvollste Leibesfrucht; alle Geburten auf ein bestes Wesen, das geboren werden kann; alles Vernunftbegabte auf ein einzigartiges Vernunftwesen; alles Geistbegabte auf ein vortrefflichstes Geistwesen; kurz: alle Geschöpfe suchen sich an ein bestes Wesen reiner Geschöpflichkeit anzuschließen.

Unter diesen Umständen wurde für die Welt durch eine über alles gebenedeite Frau vorgesorgt: nur einmal ward sie Mutter; und durch diese einmalige Mutterschaft trug sie allen Arten der geschaffenen Dinge ihre höchste und letzte Vollendung zu.“