Maria eingetaucht in die göttliche Transzendenz

14. November 2020
Quelle: fsspx.news

Das verehrende Schweigen der Immaculata ist die vollkommene Antwort auf die göttliche Transzendenz, denn dieses Schweigen beinhaltet die vollkommenste Selbstverleugnung.

Kein Geschöpf hat sich selbst mehr verleugnet als die Jungfrau Maria, keines war verehrungswürdiger, demütiger. Wahrhaftig, sie ist auf dem Gipfel, oder besser gesagt, sie ist der Gipfel der Selbstvernichtung, der Gipfel der Demut, der Gipfel der Anbetung. Ecce ancilla Domini – Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Ich bin diejenige, die nichts ist. Wer bin ich?

Sie ist sich zutiefst und fortwährend bewusst, völlig von Gott abhängig zu sein. Sie ist sich dieser Gegenwart der Unermesslichkeit, dieser Gegenwart Gottes durch die Gnade in der Seele voll bewusst. Sie betrachtet sie und sie lebt sie. Sie ist in Gott verloren, sie ist von ihrem Gott fasziniert, sie sieht nur Ihn, nichts anderes kann sie beschäftigen.

„Atme den Weihrauchduft ein, der von diesem Heiligtum aufsteigt. Maria, diese kontemplative Seele, wenn es eine solche je gegeben hat, hat die Gegenwart Gottes nie verlassen. Sie goss sich nicht mit Worten aus, sondern setzte ihre jungfräuliche Seele dem warmen Licht der Liebe Gottes aus, um von seinen Strahlen durchdrungen zu werden. Wie ein Spiegel, dessen Klarheit von keinem Schatten getrübt wird, empfing sie das Bild Gottes, um es in Anbetung und Lobpreis zu brechen. Sie gab mit Verherrlichung wieder, was ihr aus Gnade geschenkt wurde.“ Und wenn wir ihr gehören, durch eine totale Weihe an ihr Unbeflecktes Herz, tut sie dies in uns: Sie gibt in Verherrlichung und Anbetung zurück, was uns aus Gnade geschenkt wurde.

Doch ihr Schweigen der Anbetung ist nicht nur die perfekte Antwort auf das Schweigen der Transzendenz Gottes. Sie hat in gewisser Weise Anteil an diesem Schweigen der Transzendenz Gottes. Sie wird durch die Gnade zur Mutter des Ewigen erhoben. Dieser ewige und transzendente Gott nimmt sie als Mutter an. Und wenn man sich in der Gegenwart der Jungfrau Maria befindet, spürt man eine Ehrfurcht, die von ihrer Vereinigung mit Gott herrührt. Sie ist so sehr mit Gott vereint, dass man vor ihr von seiner Größe, seiner Heiligkeit ergriffen wird. 

Natürlich ist sie nur ein Geschöpf, aber sie ist so bereichert von Gott, so erfüllt von Gott, so schön! Wir sind alle eingeschüchtert. Der Engel selbst wirft sich nieder: „Gegrüßt seist du, Maria!“ Der Engel steht in ehrfürchtiger Ehrfurcht vor ihr, die von Gott erwählt wurde. Tremunt potestates – vor ihr erzittern die Maechte!

Wir müssen uns vor dieser Herrlichkeit der Jungfrau Maria besinnen. Noch einmal: Sie ist der Widerschein der Herrlichkeit Gottes. Ein Widerschein, der uns dieses transzendentale Licht schenkt, das viel zu hell, viel zu blendend für uns ist. Was tut die Unbefleckte selbst angesichts so viel Glanzes? Sie erniedrigt sich in der Stille, denn das ist der beste Weg, diese göttliche Transzendenz anzubeten.

Wenn wir also die Jungfrau Maria betrachten, haben wir eine Vorstellung von dieser Pracht Gottes, und wir finden in ihr den Prototyp und das Modell all unserer Anbetung. Besser noch, da wir ihr Eigentum sind, wird sie sich in uns erniedrigen, in unserer Seele wird sie die göttliche Transzendenz anbeten und uns nach und nach in einen Spiegel der Gnade verwandeln.