Maria, Schutzpatronin der Sterbenden

31. Oktober 2020
Quelle: fsspx.news

„Keiner kennt seine Zeit. Wie Fische sich fangen im Netz, wie Vögel in die Schlinge geraten, ebenso werden die Menschen umstrickt zur Zeit des Unglückes, das jählings über sie einbricht“ (Prediger 9, 12).

Eine solche Zeit des Unglückes ist der Tod, denn er ist das größte Leid, das der Mensch im Leben erfährt, seine größte Demütigung, voller Unsicherheit und Ängste, und der fürchterlichste Angriff seiner schlimmsten Feinde: „Denn der Teufel stürzt sich auf euch in großem Zorn, da er weiß, dass er nur wenig Zeit hat.“ Eine solch schlimme Zeit erfordert den größten Beistand der göttlichen Gnade, nämlich die Hilfe seiner eigenen Mutter, die ihm bei seinem eigenen Tod am Kreuz in unverbrüchlicher Treue zur Seite gestanden ist.

Der heilige Alfons sagt uns, dass die Muttergottes im Augenblick des Todes eine so gute Schutzherrin ist, dass sie seine schreckliche Bitterkeit unsagbar versüßt. In der Tat wird die Seele inmitten ihrer Todesängste sehr getröstet durch die Erinnerung an die Andachten, die wir ihr erwiesen haben, und die große Belohnung, mit der sie unsere kleinen Dienste vergütet.

Durch ihre Gebete und vor allem durch ihre Gegenwart umgibt sie unseren Tod mit mildem Schein, nämlich dem Licht des Glaubens, in dem die Seele klar sieht, dass der Augenblick gekommen ist, „die Zeit gut zu nutzen, denn die Tage sind böse“ (Eph 5,16). Vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben lernt die Seele durch die Nähe der Mutter, was es heißt, für die vergangenen Sündern Abbitte zu leisten und sich so auf die beste mögliche Weise sich auf den Tod vorzubereiten.

Nehmen Sie zum Beispiel die vielen Seelen, die während der Gefangenschaft von Covid-19 in der Isolation starben. Ihrer Familie und Freunde beraubt, auch des Trostes der Sakramente der Kirche entzogen, an wen haben sie sich gewandt? Sie konnten nur zu Gott rufen, der ihnen in diesem verzweifelten Augenblick jenseits jeder irdischen Hilfe seinen persönlichen Beistand schickte: die Hilfe Mariens, Zuflucht der Sterbenden! Es ist also nicht umsonst, dass wir immer und immer wieder beten: „Bitte für uns jetzt und in der Stunde unseres Todes.“ Dieses Gebet ist nicht vergeblich.

Einstimmig sagen die Heiligen, dass der Teufel nur darauf lauert, die Seele beim Sterben anzugreifen. Er wartet auf den Moment der Furcht und Schwäche, um seine brutalsten Schläge zu versetzen und die Seele zur Verzweiflung zu bringen – und Gott erlaubt dies um der Gerechtigkeit und des größeren Sieges der göttlichen Gnade willen, wobei er niemals zulässt, dass jemand über seine Stärke hinaus in Versuchung geführt wird.

Maria jedoch stärkt ihren Diener im entscheidenden Augenblick und vertreibt, falls nötig, den bösen Geist mit einem einzigen herrischen Blick ihres königlichen Antlitzes.

Wenden wir uns im Laufe unseres Lebens häufig an Maria. „Gesegnet sind die Toten, die im Herrn sterben“ (Offb 14,13). Wir können im Herrn sterben, wenn wir wie Jesus im Herzen Mariens leben. Dazu sind drei Dinge sehr hilfreich: 1) häufig für die Bekehrung der Sünder zu beten; 2) ein Ave Maria taeglich fuer alle beten, die heute sterben sollen; 3) einmal am Tag sich fragen: „was kann ich tun, um meiner himmlischen Mutter heute zu gefallen?“

Mit diesen drei einfachen Dingen bereiten wir uns auf einen guten Tod in den Armen unserer Mutter vor, getragen von ihren Gebeten und ihrem unsagbar liebenden Unbefleckten Herzen!