Mariae Himmelfahrt – Aufstrahlen des Zieles

14. August 2021
Quelle: FSSPX Spirituality
La dormition de Notre Dame par Fra Angelico

Ziellos ist oft unser Leben, es fehlt an einer klaren Orientierung, welche den ganzen Alltag durchdringt und all unser Denken, Reden und Tun wie Eisensplitter auf einen Magnet hinordnet auf das alles überragende Ziel.

Ist doch die Zweck- und Zielursache (causa finalis) die „Ursache der Ursachen“ (causa causarum), die zwar in ihrer Verwirklichung am Schluss steht, aber als grundlegende Absicht das ganze Dasein durchformt und ordnet.

Dieser allerwichtigste Grundsatz unseres Lebens wird besonders erhellt durch das Dogma der Aufnahme Mariens in den Himmel. Sicher wäre hier zunächst von der Himmelfahrt Christi zu sprechen, aber die Himmelfahrt Mariä ist uns näher, weil Christus als Gott immer beim Vater ist und seine Himmelfahrt den logischen Abschluss seiner Mission in die Welt bildet.

Bei Maria jedoch ist dies die letzte Verherrlichung des Gnadengeschenks Gottes an die Welt und somit unserem Ziel als Vollendung unseres Christseins am ähnlichsten.

Wenn wir also in diesem Tal der Tränen unter den Folgen des Exils leiden und oft daran zu zerbrechen drohen, steht vor uns unentwegt die strahlende Gestalt der Immaculata, wie sie in die Ewigkeit eingeht und uns somit den Zweck unserer ganzen Pilgerfahrt vor Augen hält.

Der grosse marianische Theologe, P. Otto Cohausz SI, erklaert: „Wunderbar muß der Anblick gewesen sein, als Maria mit dem verklärten, von der licht- und gnadenerfüllten Seele ganz durchleuchteten Leib aus dem Grabe erstand und zum Himmel emporschwebte.

„Da Gott die Engel zum Dienste der Menschen bestimmte, da die Kirche schon bei jedem, den sie zu Grabe trägt, betet: ‚Es mögen die Engel Dich mit Lazarus hinaufführen in Abrahams Schoß’, da in den Hauptereignissen ihres Lebens, der Verkündigung und der Geburt ihres Sohnes in Bethlehem Engel Maria zur Seite standen, dürfen wir annehmen, daß Christus erst recht bei dem krönenden Abschluß ihres Lebens seiner Mutter Engelchöre engegensandte, sie als Königin zu empfangen und ihr das Ehrengeleit zu geben.“

Ebenso fuehrt der hl. Thomas von Villanova aus: „Was mögen die seligen Geister empfunden haben, als sie Maria in ihrer strahlenden Herrlichkeit von ferne erblickten? Ob sie nicht mit dem Chor der Jungfrauen staunend ausriefen: ‚Wer ist sie, die da heraufsteigt gleich der Morgenröte, so schön wie der Mond, wie die Sonne so rein, voll Majestät wie ein im Waffenschmuck glänzendes Kriegsheer?‘

„Und welche Antwort wurde ihnen wohl zuteil? Das ist der Tempel Gottes, das Heiligtum des Heiligen Geistes, das ist der Sühnealtar, die Urne, die Bundeslade, die Mutter Gottes, die Braut Gottes, die Tochter Gottes, unsere und eure Mutter“ (sermo in festum assumptionis, Kap. 2).“

Pater Cohausz folgert daraus: „Aber glauben wir, Christus habe seiner Mutter nur eine Gesandschaft entgegengeschickt? Wenn er selbst in der heiligen Wegzehrung schon an das Sterbebett jedes Gläubigen tritt, um ihn heimzuführen, können wir da denken, er sei jetzt, beim Eintritt seiner Mutter, Braut und Gefährtin, nicht auch selbst mit den Engeln herbeigeeilt, sie zu begrüßen?

„Wer aber vermöchte die Freude des Wiedersehens, diesen Jubel beider zu schildern! Welch ein Ersatz für die frühere, schmerzliche Begegnung auf dem Kreuzweg! Damals, vereinsamt, verlassen, in ein Meer von Leiden getaucht, grausam aus den Armen des Sohnes gerissen, jetzt aufsteigend aus der Wüste, überfließend von Wonne, gestützt auf ihren geliebten Sohn (vgl. Hohelied 8,5), so schreitet Maria als Königin zum Himmel hinauf.“

Das Ziel unseres Lebens ist eine Teilnahme an diesem Triumph Mariä. Dieses vor Augen zu haben, gibt Hoffnung und Freude in dieser hoffnungslosen und freudelosen Welt.