Mexiko: Zwei Jesuitenpatres ermordet

28. Juni 2022
Quelle: fsspx.news
Präsident Andrés Manuel López Obrador sagte, dass die Priester offenbar von Bewaffneten getötet wurden, die einen anderen Mann verfolgten, der Zuflucht suchte.

Am 22. Juni 2022 wurde dem Provinzial der Gesellschaft Jesu in Mexiko, Pater Luis Gerardo Moro Mardrid, durch den Gouverneur des Bundesstaates Chihuahua der Fund dreier Leichen mitgeteilt, die zwei Tage vorher Opfer eines Gewaltverbrechens geworden waren. Die sterblichen Überreste konnten als die Patres Javier Campos Morales SJ und Joaquín César Mora Salazar SJ und als der Fremdenführer Pedro Palma identifiziert werden.

Die Ermordung der Priester fand im Gotteshaus der Pfarrgemeinde von Cerocahui im mexikanischen Bundesstaat Chihuahua statt. Die beiden Patres hatten versucht, einen Mann zu verteidigen, der in der Jesuiten-Kirche Zuflucht gesucht hatte und von einem bewaffneten Killer verfolgt wurde.

Cerocahui liegt in der Sierra Tarahumara, eine Region mit weitläufigen Wäldern, hohen Bergen (bis 3000 Meter) und tiefen Schluchten.   Viele Indigene der Tarahumara Kultur, oder Rarámuri, wie sie sich selbst nennen, leben in der Sierra Tarahumara. Rarámuri bedeutet „jene die schnell laufen“. Tatsächlich sind diese Indigenen hervorragende Langstreckenläufer.

Die Indigenen sind oft Opfer von Drogenbanden, die Anbauflächen für Schlafmohn beanspruchen. Internationale Medien berichten von gewaltsamen Entführungen durch die Kriminellen, die Leute wie Sklaven auf den Drogenplantagen arbeiten lassen. Mexiko ist nach Afghanistan und Myanmar drittgrößter Heroin-Produzent weltweit. 

Verdächtigt an dem Mord der Jesuiten wird ein lokaler Bandenchef des Sinaloa-Kartells.

Die Verfolger streckten alle drei Opfer mit Schüssen aus nächster Nähe nieder; die Leichen verschwanden zuerst, konnten dann aber geborgen werden. Ein Jesuit, der Zeuge der Ermordung war, konnte sich retten.

Papst Franziskus erinnerte am gleichen Tag noch auf dem Petersplatz bei der Generalaudienz an die Ermordeten: „Ich bringe auch mein Bedauern und meine Bestürzung über die Ermordung von zwei Ordensleuten der Jesuiten, meinen Mitbrüdern, und eines Laien vorgestern in Mexiko zum Ausdruck. Wie viele Morde in Mexiko! Ich bin der katholischen Gemeinschaft, die von dieser Tragödie betroffen ist, mit Zuneigung und Gebet verbunden. Ich wiederhole noch einmal, dass Gewalt keine Probleme löst, sondern unnötiges Leid vergrößert.“

Die Kommunität der Gesellschaft Jesu in Cerocahui veröffentlichte einen Aufruf: „Wir verurteilen diese Gewalttaten und fordern Gerechtigkeit und die Bergung der Leichen unserer Brüder, die von bewaffneten Personen aus der Kirche entführt wurden. 

Wir fordern außerdem, dass sofort alle Schutzmaßnahmen ergriffen werden, um das Leben unserer Jesuitenbrüder, Nonnen, Laien und der gesamten Gemeinschaft von Cerocahui zu schützen. Solche Taten sind keine Einzelfälle. Die Sierra Tarahumara ist wie viele andere Regionen des Landes mit Gewalt und Vernachlässigung konfrontiert, die nicht überwunden werden konnten. Jeden Tag werden Männer und Frauen willkürlich ihres Lebens beraubt, so wie unsere Brüder heute ermordet wurden.“

Der Provinzial erinnerte an den Widerstand der ermordeten Jesuiten gegen Gewalt: „Wir sind uns bewusst, dass in einem Land mit mehr als 100.000 verschwundenen Personen die Entdeckung unserer Brüder 72 Stunden nach ihrem Verschwinden nach einer von den drei Regierungsebenen koordinierten Suche von großer Aufmerksamkeit zeugt; gleichzeitig können wir nicht umhin, darauf hinzuweisen, dass diese Aktion für die große Mehrheit der Familien, deren Fälle keine öffentliche Aufmerksamkeit erregen, nicht sehr verständlich ist. Das Gedenken an unsere Brüder und Schwestern zwingt uns, diese Realität weiterhin in der Öffentlichkeit zu beklagen.“ Und weiter: „Unser Mitgefühl und unser Trost gelten den Familien und Angehörigen unserer Mitbrüder. Die Gesellschaft Jesu wurde darüber informiert, dass Herr Pedro Palma, ein Fremdenführer in der Sierra Tarahumara, ebenfalls von seinen Angehörigen identifiziert wurde. Die Jesuiten von Mexiko sprechen den Angehörigen ihr tiefes Beileid aus und betonen erneut, dass sein Fall nicht ignoriert werden darf.“

Patres Javier Campos Morales wurde 1943 in Mexiko-Stadt geboren. 1959 trat er mit 16 Jahren in die Gesellschaft Jesu ein und wurde 1972 ordiniert. 51 Jahre war er Seelsorger bei den Indigenen in der Sierra Tarahumara. Bis vor kurzem war er Oberer der Jesuitenmission, Pfarrer von Cerocahui und Bischofsvikar der Indigenenpastoral der Diözese Tarahumara.

Pater Joaquín César Mora Salazar wurde 1941 in Monterrey geboren und trat mit 16 Jahren im Jahr 1958 in die Gesellschaft Jesu ein. 1971 wurde er Priester. Auch er verbrachte die meiste Zeit seines Ordenslebens in der Indigenenseelsorge. Seit 2007 war er Kaplan in Cerocahui.

Requiescant in pace. 

Seit 2012 wurden nach kirchlichen Angaben in Mexiko 34 Priester ermordet. In Mexiko sind nach offiziellen Angaben seit 2006 mehr als 100.000 Menschen verschwunden.