Missbrauchsfälle beim Klerus: Kardinal Brandmüller meldet sich zu Wort

2019
Quelle: fsspx.news
Kardinal Walter Brandmüller

In einem am 5. Januar 2019 veröffentlichten Interview prangert Kardinal Walter Brandmüller die Heuchelei der Gesellschaft an, welche sich über die Missbrauchsfälle an Minderjährigen von Seiten einiger Angehöriger des Klerus empört. Er weist auf den „wirklichen Skandal“ hin: die Tatsache, dass die Kirche sich nach und nach säkularisiert hat.

Als ehemaliger Präsident des päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften erklärte Kardinal Brandmüller vor der deutschen Presseagentur DPA am 5. Januar 2019, dass „nur eine extrem kleine Anzahl von Priestern Missbräuche begangen hat“. Es sei von Seiten der Gesellschaft „heuchlerisch“, die von Klerikern verübten sexuellen Übergriffe zu verurteilen.

Der heute 90-jährige Prälat, der von Benedikt XVI. 2010 den Kardinalspurpur empfing, nützte die Gelegenheit, um in Erinnerung zu rufen, dass die Verbindung zwischen Homosexualität und Missbrauch von Minderjährigen „statistisch nachgewiesen“ ist.

Diese Stellungnahme bewog den Chefredakteur der Zeitung Die Welt, Ulf Poschardt, zu einer Reaktion, indem er sie unmittelbar nach Bekanntwerden als „eine beschämende Art, die Schuld der Kirche zu relativieren und die Homosexuellen zu diffamieren“ bezeichnete. 

Der Kern des Problems, so schließt Kardinal Brandmüller, besteht in dem, was er die „steigende Sexualisierung der Zivilgesellschaft im Allgemeinen“ nennt. Von dieser kann sich die Kirche nicht „klar genug unterscheiden“, weil sie dem Mainstream der Verweltlichung folgt.