Myanmar: Katholisches Dorf erneut Ziel der brutalen Junta

13. Juni 2022
Quelle: fsspx.news

Zum zweiten Male innerhalb eines Monats wurde das jahrhundertealte katholische Dorf Chan Thar in der mehrheitlich buddhistischen Region Sagaing Myanmars von Junta-Truppen myanmarischer Putschisten in Brand gesteckt. Am 7. Juni wurden bei dem barbarischen Angriff mehr als zwei Drittel der etwa 500 Häuser durch Brände zerstört. Dabei ist immer noch unklar, ob die 100 Jahre alte Kirche Mariä Himmelfahrt, das Kloster und das Haus des Priesters beschädigt wurden oder nicht. Dieser Angriff ereignete sich fast drei Wochen, nachdem mindestens 320 von 350 Haushalten im Dorf Chaung Yoe bei einem Militärangriff am 20. Mai in Brand gesetzt worden waren.

Das Militär ging auch in Chan Thar nach bewährtem Muster vor: Artilleriefeuer als Vorbereitung, danach drangen die Soldaten in das Dorf ein und setzten ein Haus nach dem anderen in Brand. Ein Augenzeuge berichtete, dass andere Dörfer in der Umgebung nicht angegriffen worden seien: „Wir haben gesehen, wie die Dorfbewohner weinten, als sie sahen, wie ihre Häuser in Rauch aufgingen.“ Das Dorf war bereits mehrmals von Truppen angegriffen worden, die bei einem Überfall am 10. Januar 2022 zwei Menschen erschossen, drei weitere verprügelten, Kultgegenstände zerstörten und plünderten. Schon Anfang dieses Jahres waren deshalb die meisten Dorfbewohner bereits aus ihren Häusern geflohen und hatten sich in sicherere Gebiete begeben. Sie flohen unter die Obhut benachbarter Kirchen oder zu Verwandten in Mandalay und anderen Gemeinden.

Die Junta wiederum hat die drei historischen katholischen Dörfer Chaung Yoe, Monhla und Chan Thar im buddhistischen Kernland der Bamar in Sagaing als Ziele ihrer Angriffe auserkoren, weil sie dort stationierte Volksverteidigungskräfte vermutet, die angeblich wachsenden Widerstand gegen das Militärregime organisieren. Die drei Dörfer, die zur Erzdiözese Mandalay gehören, sind als Bayingyi-Dörfer bekannt. Ihre Bewohner behaupten, Nachfahren portugiesischer Abenteurer zu sein, die im 16. und 17. Jahrhundert dort landeten. Aus diesen Dörfern stammen zahlreiche Bischöfe, Priester, Nonnen und Ordensbrüder.

Seit dem Putsch in Myanmar im Februar 2021 wurden landesweit mindestens 18.900 Häuser niedergebrannt, wobei die Region Sagaing mit 3.840 zerstörten Häusern am stärksten betroffen war, wie aus dem jüngsten Bericht von Research Myanmar hervorgeht. Der anhaltende Konflikt, insbesondere in christlichen Hochburgen wie den Bundesstaaten Kayah, Chin, Karen und Kachin, hat zu Angriffen und Razzien auf Kirchen und Klöster geführt. Auch Priester und protestantische Pastoren wurden getötet und festgenommen. Seit dem Putsch wurden mehr als 1.900 Menschen, darunter mehr als 100 Kinder, getötet und über 13.000 Personen festgenommen.