In Nicaragua spitzt sich die Lage zu

25. August 2022
Quelle: fsspx.news

Die Polizei hat den Bischof von Matagalpa entführt und ihn unter Hauarrest gestellt. Damit erreicht die Verfolgung der Kirche in dem mittelamerikanischen Land einen neuen Höhepunkt. Dahinter steckt Präsident Daniel Ortega.

Der Bischof von Matagalpa, Msgr. Rolando José Alvarez Lagos, stand bereits in seinem Bistum unter Hausarrest. Doch am 19. August 2022 drang plötzlich die Polizei gegen drei Uhr morgens in das von ihm bewohnte Haus ein. Die Exekutivkräfte brachen die Türen des Bischofspalais auf, nahmen den Bischof fest und brachten ihn in die Hauptstadt Managua. Dabei wurden acht weitere Personen, Laien und Priester, die sich neben Bischof Alvarez im Bischofssitz aufhielten, festgenommen und ebenfalls nach Managua gebracht; zu Ermittlungszwecken würden die Verschleppten laut einer Erklärung der nicaraguanischen Polizei in einer Polizeikaserne festgehalten. Alles hätte „unter Achtung und Wahrung ihrer Rechte“ stattgefunden. Der Bischof bleibe „in dieser Hauptstadt unter Schutz“, er hätte sich angeblich auch mit seinen Angehörigen treffen können. 

In ihrer Pressemitteilung teilt die nicaraguanische Polizei weiterhin mit, dass die Entführung von Bischof Alvarez dazu diene, „die Normalität für die Bewohner und Familien von Matagalpa wiederherzustellen“, denn der Bischof habe „destabilisierende und provokative Aktivitäten“ verfolgt. Das dürfte für Bischof Alvarez allerdings unmöglich gewesen sein, denn seit dem 4. August wurde er zusammen mit einer Gruppe von Priestern, Seminaristen und Laien daran gehindert, das Bischofshaus zu verlassen und mit der Außenwelt in Kontakt zu treten. Angeblich habe die Polizei „tagelang mit viel Geduld, Umsicht und Verantwortungsbewusstsein auf eine Mitteilung des Bistums Matagalpa gewartet […], die nie kam.“ 

Die nicaraguanische Rechtsanwältin Martha Patricia Molina Montenegro, Mitglied der Beobachtungsstelle für Transparenz und Korruptionsbekämpfung, sagte in einer Erklärung gegenüber ACI Prensa, dem weltweit größten online-Anbieter katholischer Nachrichten in spanischer und portugiesischer Sprache, dass die Ortega-Diktatur „zu allem fähig“ sei und „immer den größtmöglichen Schaden anrichten“ werde. Die Anwältin betonte die Willkürlichkeit des Eindringens der nationalen Polizei in das Bischofshaus in Matagalpa und wies darauf hin, dass dies gegen die Verfassung und die Strafprozessordnung verstoße, die Grenzen für Hausarrest und Hausfriedensbruch setzen. Normalerweise dürfe dies nur zwischen „sechs Uhr morgens und sechs Uhr abends“ geschehen, so Frau Montenegro und ergänzt, „die Polizei verhält sich wie eine kriminelle Gruppe, die sich nicht der Rechtsstaatlichkeit unterwirft, und das zeigt einmal mehr deutlich, dass Nicaragua eine Diktatur ist, in der nach der Laune und dem Gemütszustand von Präsident Daniel Ortega und seinem Konsorten verfahren wird.“  

In der vergangenen Woche hatte das nicaraguanische Regime alle Medien still gelegt und damit international für Empörung gesorgt. Rechtsanwältin Montenegro äußerte sich skeptisch über diese Reaktion und stellte fest, dass die internationale Gemeinschaft den Präsidenten dennoch „weiterhin mit Millionenkrediten finanziert, die für Unterdrückung und nicht für Investitionen in soziale Zwecke verwendet werden.“