Nicht vor dieser Welt kapitulieren, sondern alles in Christus zusammenfassen

12. März 2021
Quelle: fsspx.news

Gespräch mit dem Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X. über das Pontifikat von Papst Franziskus.

DICI : Herr Generaloberer, acht Jahre ist es her, dass Papst Franziskus den Stuhl des heiligen Petrus bestiegen hat, und anlässlich dieses Jahrestages haben Sie uns freundlicherweise dieses Interview gewährt: Wir danken Ihnen dafür.

Einigen Beobachtern des Pontifikats von Franziskus, vor allem jenen, die der Tradition verbunden sind, scheint es, als sei der Kampf der Ideen jetzt vorüber: Ihnen zufolge herrscht jetzt die Praxis vor, das heißt das konkrete Handeln, das von einem Pragmatismus irgendeiner Ausrichtung inspiriert ist. Wie denken Sie darüber?

Abbé Pagliarani : Ich bin nicht wirklich sicher, ob Handeln und Ideen so einander entgegenzustellen sind. Papst Franziskus ist sicherlich sehr pragmatisch; aber als ein Mann der Regierung weiß er ganz genau, wohin er will. Aktionen im großen Stil werden immer von theoretischen Prinzipien inspiriert, von einer Reihe von Ideen, die oft von einer zentralen Idee dominiert werden, auf welche die gesamte Praxis zurückgeführt werden kann und muss.

Man muß zugeben, daß die Bemühungen, die Prinzipien des Pragmatismus von Franziskus zu verstehen, nicht ohne ein Vorantasten möglich sind. So glaubten einige zum Beispiel, seine Handlungsprinzipien in der teologia del pueblo zu finden, einer argentinischen - viel gemäßigteren - Variante der Befreiungstheologie... In Wirklichkeit, so scheint mir, steht Franziskus jenseits dieses Systems – ja jenseits jedes bekannten Systems. Ich glaube, dass das Denken, das ihn beseelt, nicht zufriedenstellend analysiert und interpretiert werden kann, wenn wir uns auf traditionelle theologische Kriterien beschränken. Franziskus ist nicht nur jenseits jedes bekannten Systems: Er steht darüber.

Wie meinen Sie das?

Unter Johannes Paul II. zum Beispiel blieben - bei allem, was man beklagen kann - bestimmte Punkte der katholischen Lehre unantastbar. Auch bei Benedikt XVI. hatten wir es noch mit einem Geist zu tun, der mit den Wurzeln der Kirche verbunden ist. Sein beträchtliches Bemühen um die Quadratur des Kreises, indem er die Tradition mit der konziliaren oder nachkonziliaren Lehre zu versöhnen suchte, war zwar zum Scheitern verurteilt, offenbarte aber dennoch eine Sorge um die Treue zur Tradition. Bei Franziskus gibt es eine solche Sorge nicht mehr. Das Pontifikat, unter dem wir leben, ist eine historische Wende für die Kirche: Bastionen, die noch vorhanden waren, wurden - menschlich gesprochen - für immer niedergerissen; und gleichzeitig hat die Kirche ihre Sendung zu den Seelen und zur Welt neu definiert, indem sie sie revolutioniert hat.

Es ist noch zu früh, um das ganze Ausmaß dieser Umwälzung zu beurteilen, aber wir können bereits versuchen, es zu analysieren.

Sünde und Barmherzigkeit

Sie sagen, dass einige der noch verbliebenen Bastionen eingerissen worden sind. Von welchen Bastionen sprechen Sie?

Ich denke dabei an die letzten moralischen Grundfesten, auf denen nicht nur die christliche Gesellschaft, sondern jede natürliche Gesellschaft aufgebaut ist. Früher oder später musste es soweit kommen; es war nur eine Frage der Zeit. Bis heute hielt die Kirche, trotz einiger Aufweichungen, an ihren moralischen Forderungen fest, z.B. bezüglich der christlichen Ehe, und sie verurteilte nach wie vor eindeutig alle sexuellen Perversionen... Unglücklicherweise ruhten diese Forderungen jedoch auf einer dogmatischen Theologie, die von ihrem Ziel abgekommen ist und damit instabil wurde: Es war unvermeidlich, dass sie ihrerseits eines Tages ins Wanken geraten würden. Man kann feste Handlungsprinzipien nicht lange aufrechterhalten, wenn die Vorstellung von ihrem göttlichen Urheber geschwächt oder verfälscht ist. Diese moralischen Prinzipien konnten einige Zeit überleben, ein paar Jahrzehnte, aber ihres Rückgrats beraubt, waren sie dazu verurteilt, eines Tages „veraltet“ zu sein - und praktisch geleugnet zu werden. Das ist es, was wir unter dem Pontifikat von Franziskus erleben, besonders mit dem apostolischen Schreiben Amoris lætitia (19. März 2016). Dieser Text enthält nicht nur schwerwiegende Irrtümer, er offenbart auch einen völlig neuen historistischen Ansatz.

Um welchen Ansatz handelt es sich dabei? Was hätte seine Wahl bestimmt?

Papst Franziskus hat eine sehr genaue allgemeine Auffassung von der heutigen Gesellschaft, von der Kirche von heute und letztlich von der ganzen Geschichte. Er scheint mir von einer Art Hyperrealismus angesteckt zu sein, der angeblich „pastoral“ ist. Ihm zufolge muss die Kirche den Tatsachen ins Auge sehen: Es ist für sie unmöglich, weiterhin die Sittenlehre zu predigen, wie sie es bisher getan hat. Sie muss sich daher entschließen, vor den Ansprüchen des heutigen Menschen zu kapitulieren und folglich ihre Mutterschaft zu überdenken.

Natürlich muss die Kirche immer Mutter sein: aber statt Mutter zu sein, indem sie das Leben weitergibt und ihre Kinder erzieht, wird sie es nun in dem Maß sein, in dem sie zuzuhören, zu verstehen und zu begleiten weiss... Diese Anliegen, die an sich nicht schlecht sind, sind hier in einem neuen und ganz besonderen Sinn zu verstehen: Die Kirche kann und – folglich – darf nicht mehr vorschreiben. Sie ist passiv und passt sich an. Nunmehr ist es das kirchliche Leben, wie es heute gelebt werden kann, welches die Sendung selbst der Kirche und sogar ihre Daseinsberechtigung bedingt und bestimmt. Da sie zum Beispiel nicht mehr die gleichen Bedingungen wie in der Vergangenheit verlangen kann, um sich der Kommunionbank zu nähern, weil der moderne Mensch sie als eine unerträgliche Intoleranz ansieht, besteht die einzige realistische und - in dieser Logik - wahrhaft christliche Reaktion darin, sich an diese Situation anzupassen und seine Anforderungen neu festzulegen. So verändert sich die Moral durch die Kraft der Dinge: Ewige Gesetze werden einer Evolution, die durch geschichtliche Umstände und die Zwänge einer falschen und missverstandenen Nächstenliebe gefordert wird, unterworfen.

Fühlt sich der Papst Ihrer Meinung nach unwohl bei dieser Entwicklung? Verspürt er das Bedürfnis, sich dafür zu rechtfertigen?

Sicher war dem Papst – von Anfang an – bewusst, welche Reaktionen ein solcher Prozess in der Kirche hervorrufen würde. Wahrscheinlich ist ihm auch bewusst, dass er damit Tore öffnete, die zweitausend Jahre lang doppelt verschlossen geblieben sind. Aber bei ihm überwiegen die geschichtlichen Anforderungen alle anderen Überlegungen.

Aus dieser Sicht erhält der Begriff „Barmherzigkeit“, der in seinen Reden allgegenwärtig ist, seinen vollen Wert und seine Bedeutung: Es ist nicht mehr die Antwort eines Gottes der Liebe, der den reuigen Sünder mit offenen Armen empfängt, um ihn zu erneuern und ihm das Leben der Gnade zurückzugeben; vielmehr handelt es sich nun um eine verhängnisvolle Barmherzigkeit, welche zu einer Notwendigkeit geworden ist, um den drängenden Bedürfnissen der Menschheit zu entsprechen. Da die Menschen fortan als unfähig angesehen werden, selbst das Naturgesetz zu beobachten, haben sie ein striktes Recht auf diese Barmherzigkeit, - eine Art herablassender Amnestie eines Gottes, der sich ebenfalls der Geschichte anpasst, ohne sie weiterhin zu beherrschen.

Auf diese Weise wird nicht nur auf den Glauben und die übernatürliche Ordnung verzichtet, sondern auch auf die moralischen Grundsätze, die für ein ehrenhaftes und gerechtes Leben unerlässlich sind. Das ist entsetzlich, weil es einen endgültigen Verzicht auf die Christianisierung der Sitten bedeutet: Im Gegenteil passen sich die Christen nunmehr den Sitten der Welt an oder müssen zumindest das Moralgesetz - von Fall zu Fall - an die gegenwärtigen Sitten, also die der „wiederverheirateten“ Geschiedenen oder der gleichgeschlechtlichen Paare anpassen.

Diese Barmherzigkeit ist so zu einer Art Allheilmittel geworden, zur Grundlage einer Neuevangelisierung, die einer Welt angeboten werden soll, die nicht mehr bekehrt werden kann und Christen, denen das Joch aller Gebote nicht mehr auferlegt werden kann. Auf diese Weise werden die gefährdeten Seelen, anstatt in ihrem Glauben ermutigt und gestärkt zu werden, in ihren Situationen der Sünde bestärkt und bestätigt. Damit hebt der Hüter des Glaubens sogar die natürliche Ordnung auf: nichts bleibt mehr übrig.

Was diesen Irrtümern zugrunde liegt, ist das völlige Fehlen von Transzendenz – der vertikalen Achse. Es gibt keinen auch nur angedeuteten Hinweis mehr auf das Übernatürliche, auf das Jenseits, auf die Gnade und vor allem auf die Erlösung durch unseren Herrn, der allen Menschen endgültig die für ihr Heil notwendigen Mittel beschafft hat. Die immerwährende Wirksamkeit dieser Mittel wird nicht mehr gepredigt und ist nicht mehr gekannt. Man glaubt nicht mehr daran! Folglich wird alles auf eine rein horizontale, historistische Sichtweise reduziert, in der die Zufälligkeiten über die Prinzipien herrschen und nur das irdische Wohlbefinden zählt.

Liegt diese Wendung, von der Sie sprachen, noch in der Linie des Konzils, oder gehört sie schon zu einem Vatikanum III, das nicht stattgefunden hat?

Es gibt sowohl eine Kontinuität mit den im Konzil festgelegten Vorgaben als auch ein Darüberhinausgehen. Dies hat einen ganz einfachen Grund. Mit dem Konzil wollte sich die Kirche der Welt anpassen, sich dank des von Johannes XXIII. und Paul VI. geförderten aggiornamento „auf den neuesten Stand bringen“. Papst Franziskus setzt diese Anpassung an die Welt fort, aber in einem neuen und extremen Sinn: nunmehr passt sich die Kirche sogar der Sünde der Welt an, zumindest wenn diese Sünde „politisch korrekt“ ist; sie wird sodann als authentischer Ausdruck der Liebe dargestellt, in allen Formen, die in der heutigen Gesellschaft zugelassen sind und von einem Gott der Barmherzigkeit erlaubt werden. Immer von Fall zu Fall – aber diese Ausnahmefälle sind dazu bestimmt, zur Norm zu werden, wie wir bereits in Deutschland sehen können.

Utopie von Papst Franziskus

Schlägt Papst Franziskus neben diesem fortschreitenden Zunichtemachen der traditionellen Moral auch Werte vor, die es zu pflegen gilt? Mit anderen Worten, auf welchem Fundament will er Ihrer Meinung nach eigentlich aufbauen?

Das ist eine sehr berechtigte Frage, auf die der Papst selbst in seiner letzten Enzyklika Fratelli tutti (3. Oktober 2020) antwortet, indem er vorschlägt, dass wir „die Herausforderung annehmen, von einer anderen Menschheit zu träumen; an eine andere Menscheit zu denken. [...] Dies ist der wahre Weg zum Frieden,“1 schreibt er. Das ist es, was man eine Utopie nennt, und was all jenen widerfährt, die sich von ihren Wurzeln abtrennen: Der Papst, der mit der göttlichen Tradition bricht, strebt nach einer idealen und abstrakten – von der Realität abgekoppelten – Vollkommenheit.

Freilich bestreitet er dies, und in demselben Abschnitt, in dem er einräumt, dass „seine Worte wie Fantasien klingen werden“, nennt er die Grundlage, auf die er sich stützen will: „das große Prinzip der Rechte, die sich aus der bloßen Tatsache ergeben, dass wir die menschliche Natur besitzen“. Doch gerade hierüber belehrt uns die Offenbarung und die Tradition, dass die menschliche Natur sich selbst nicht genügt. Wie Chesterton sagt: „Nimm das Übernatürliche weg, dann bleibt nur das, was unnatürlich ist.“2 Ohne Gott neigt die Natur allein dazu, in der Praxis „widernatürlich“ zu werden; denn indem Gott den Menschen zur übernatürlichen Ordnung berufen und erhoben hat, hat Er die Natur auf die Gnade hingeordnet, so dass die Natur die übernatürliche Ordnung nicht zur Seite schieben kann, ohne dabei eine tiefe Unordnung in sich selbst einzuführen. Franziskus' Traum ist zutiefst naturalistisch.

Ein weiteres Zeichen dieses utopischen Charakters ist, dass sein Traum ein universalistisches Ausmaß annimmt: Es geht darum, ihn allen aufzuzwingen, und zwar auf eine autoritäre, absolute Weise. Da Träume künstlich erdacht sind, können sie nur künstlich durchgesetzt werden...

Doch worin bestünde die Utopie von Papst Franziskus?

In perfekter Osmose mit den Bestrebungen des modernen Menschen, der sowohl von seinen Rechtsansprüchen eingenommen als auch von seinen Wurzeln abgeschnitten ist, lässt sie sich in zwei Ideen zusammenfassen: die der ganzheitlichen Ökologie und der weltweiten Brüderlichkeit. Es ist kein Zufall, dass der Papst diesen Themen zwei Schlüsselenzykliken gewidmet hat, von denen er sagt, dass sie die beiden Hauptteile seines Pontifikats kennzeichnen.

Die ganzheitliche Ökologie von Laudato sì’ (24. Mai 2015) ist nichts anderes als eine neue Moral, die der ganzen Menschheit angeboten wird und welche die Offenbarung - und damit das Evangelium - beiseite lässt. Ihre Prinzipien sind rein willkürlich und naturalistisch. Sie lassen sich problemlos mit den atheistischen Bestrebungen einer Menschheit in Einklang bringen, die leidenschaftlich an der Erde hängt, auf der sie lebt, und die in rein materiellen Belangen verstrickt ist.

Und die universale Brüderlichkeit von Fratelli tutti, die der Papst in der vom großen Imam von Al-Azhar mitunterzeichneten Erklärung von Abu Dhabi (4. Februar 2019) sehr feierlich propagiert hat, ist nichts anderes als eine naturalistische Karikatur der Brüderlichkeit des Christentums, die ihrerseits auf der göttlichen Vaterschaft beruht, die allen von Christus erlösten Menschen gemeinsam ist. Diese Brüderlichkeit ist inhaltlich identisch mit der der Freimaurerei, die in den letzten zwei Jahrhunderten nichts anderes getan hat, als Hass zu säen, vor allem gegen die Kirche, in dem leidenschaftlichen Wunsch, sich selbst an die Stelle der einzig wirklich möglichen Brüderlichkeit unter den Menschen zu setzen.

Dies ist nicht nur die Leugnung der übernatürlichen Ordnung, welche die Kirche auf die Größe einer philanthropischen NGO [Nichtregierungsorganisation] herabstuft, sondern verdeutlicht auch die Unwissenheit über die Wunden der Erbsünde und das Vergessen der Notwendigkeit der Gnade zur Wiederherstellung der gefallenen Natur und zur Förderung des Friedens unter den Menschen.

Auf welche Weise könnte in diesem Fall die Rolle der Kirche und die der Zivilgesellschaft noch unterschieden werden?

Heute bietet die katholische Kirche das Bild einer priesterlichen Macht im Dienst der zeitgenössischen Welt und ihrer sozio-politischen Bedürfnisse... Aber dieses Priestertum zielt nicht mehr auf die Christianisierung der Institutionen oder auf die Reform der wieder heidnisch gewordenen Moral; es ist ein tragisch menschliches Priestertum, ohne jede übernatürliche Dimension. Paradoxerweise finden sich die Zivilgesellschaft und die Kirche somit, wie in der Zeit des Christentums, verbunden, um Seite an Seite für gemeinsame Ziele zu kämpfen... aber dieses Mal ist es eine säkularisierte Gesellschaft, die der Kirche ihre eigenen Ansichten und Ideale vorschlägt und auferlegt. Das ist schrecklich: Der säkulare Humanismus ist das Licht der Kirche geworden, das Salz, das ihr die Würze gibt. Der lehrmäßige und moralische Sturm der letzten Jahre veranschaulicht gut diesen Minderwertigkeitskomplex, der die Kirchenmänner im Hinblick auf die moderne Welt beseelt.

Und dennoch – das ist das Geheimnis des Glaubens, das ist unsere Hoffnung – ist die Kirche heilig, ist sie göttlich, ist sie ewig: Trotz der Kümmernisse der gegenwärtigen Stunde ist ihr innerliches Leben – in allem, was darin am Erhabensten ist – gewiß von einer Schönheit, die Gott und die Engel entzückt. Heute wie immer verfügt die Kirche über alle notwendigen Mittel, um zu leiten und zu heiligen!

Die Notwendigkeit des Königtums Christi

Mit welchen Mitteln kann sich die Kirche Ihrer Meinung nach von diesen Irrtümern befreien und sich erneuern?

Zuallererst muss man auf Utopien verzichten und zur Wirklichkeit zurückkehren, zurück zu den Wurzeln der Kirche. Man könnte drei Schlüsselpunkte aufzeigen, die sich die Kirche wieder zu eigen machen muss - die sie wieder anfangen muss, ohne Zugeständnisse und ohne Komplexe zu predigen: erstens, die Existenz der Erbsünde und ihrer Auswirkungen (die dreifache Begierlichkeit, von der der heilige Johannes in seinem ersten Brief spricht) – und dies entgegen jeder Form von naturalistischer Naivität; sodann die Notwendigkeit der Gnade, Frucht der Erlösung, einziges Heilmittel – aber ein allmächtiges Heilmittel –, um über diese verheerenden Auswirkungen zu triumphieren; und schließlich die Transzendenz eines letzten Ziels, welches sich nicht auf dieser Erde, sondern im Himmel befindet.

Dies in Erinnerung zu rufen, würde bedeuten, wieder anzufangen, „die Brüder zu stärken.“3 Der wahre Glaube würde wieder gepredigt werden: er ist die notwendige Bedingung für jedes übernatürliche Leben; er ist auch der unentbehrliche Hüter des Naturgesetzes, das in seinem Ursprung ebenfalls göttlich, ewig und unveränderlich ist, die notwendige Grundlage, um den Menschen zu seiner Vollkommenheit zu führen.

Diese drei Konzepte lassen sich in einem einzigen Ideal zusammenfassen: dem von Christus dem König. Er ist der Gegenstand unseres Glaubens. Er ist der Urheber der Gnade. Er ist der Urheber dieses Naturgesetzes, das Er in das Herz des Menschen eingeschrieben hat, als Er ihn erschuf. Der göttliche Gesetzgeber ändert sich nicht. Er verzichtet nicht auf seine Autorität. Genauso wie dieses Gesetz nicht verändert werden kann, ohne den Glauben selbst zu verändern, kann es auch nicht wiederhergestellt werden, ohne seinem göttlichen Gesetzgeber die ihm gebührende Ehre wieder zu erweisen.

Im Klartext: Wir sollen nicht vor dieser Welt kapitulieren, sondern „alles in Christus zusammenfassen.“4 In Christus, dem König, und durch Christus, den König, hat die Kirche alle Mittel, um die Welt zu überwinden, deren Fürst der Vater der Lüge ist. 5 Durch das Kreuz hat Er dies bereits getan, ein für alle Mal: „Ich habe die Welt überwunden.“6

Wird die allerseligste Jungfrau Maria eine besondere Rolle bei diesem Sieg haben?

Da dieser Sieg der von Christus, dem König ist, wird er notwendigerweise auch der seiner Mutter sein. Die allerseligste Jungfrau Maria ist stets mit allen Schlachten und Siegen ihres Sohnes verbunden. Sie wird mit diesem in ganz besonderer Weise verbunden sein: Niemals gab es einen Triumph so verderblicher und subtiler Irrtümer wie heute, Ursachen für so weit verbreitete und tiefgreifende Verwüstungen im konkreten Leben der Christen. Nun, zu den schönsten Titeln, die die Kirche der Gottesmutter zuschreibt, gehören jene der „Überwinderin aller Häresien“ - sie zertritt den Kopf dessen, der sie ersinnt - und der „Hilfe der Christen“. Je endgültiger der Sieg des Irrtums erscheint, desto glorreicher wird der Sieg der allerseligsten Jungfrau Maria sein.


Interview in Menzingen, 12. März 2021,
am Fest des heiligen Papstes Gregors des Großen

 

PDF :

  • 1. Nr. 127
  • 2. Häretiker
  • 3. Vgl. Luk 22,32
  • 4. Eph 1,10
  • 5. Joh 14,30 und Joh 8,44
  • 6. Joh 16,33