Nordirland: Mehr Katholiken als Protestanten

03. Oktober 2022
Quelle: fsspx.news
St. Peter-Kathedrale, Belfast

In Nordirland haben die Katholiken die protestantische Bevölkerung zahlenmäßig überholt: Außergewöhnlich für in einem Land, das vor einem Jahrhundert so konzipiert wurde, dass die Protestanten ihre demografische Mehrheit behalten sollten.

Wenn die Fakten hartnäckig sind, sind es die Zahlen vielleicht noch mehr. Die Ergebnisse der großen Volkszählung von 2021 - der ersten nach dem Brexit -, die am 21. September veröffentlicht wurden, sind eindeutig: 45,7 Prozent der Einwohner Nordirlands sind Katholiken, vor den Protestanten, die nun 43,88 Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Die Historikerin und Essayistin Diarmaid Ferriter sieht darin einen echten Wendepunkt: „Die Protestanten erleben seit langem den Verlust ihrer politischen Vormachtstellung. Nun kommt die Zeit des Verlusts ihrer zahlenmäßigen Vorherrschaft, was einen weiteren Schlag für sie darstellt“, erklärt sie.

Ist diese demografische Entwicklung, die auf eine höhere Geburtenrate bei den Katholiken zurückzuführen ist, geeignet, die politische Lage so zu verändern, dass die Integrität des Vereinigten Königreichs gefährdet ist? Nicht unbedingt, denn wie Diarmaid Ferriter betont, hat die religiöse Identität nicht mehr unbedingt einen Einfluss auf die Stimmabgabe: „Die Dinge sind in diesem Bereich viel unklarer geworden“, meint die Essayistin.

Bei den jüngsten Wahlen lag die Unterstützung für die nationalistischen Parteien - Sinn Fein und Unionist - bei jeweils rund 40 Prozent, während 20 Prozent der Wähler sich für neue, weniger spaltende politische Gruppierungen aussprachen.

Ebenso zeigen Meinungsumfragen immer wieder, dass die nordirischen Bürger eher dafür sind, mit der britischen Krone vereint zu bleiben, als sich der Republik Irland anzuschließen. Dies vor allem aus wirtschaftlichen Gründen.

Gleichzeitig hat das Gefühl der Zugehörigkeit zur britischen Sphäre jedoch abgenommen: 31,86 Prozent der Befragten bezeichnen sich als Briten und 29,13 Prozent als Iren, während sich bei der letzten Volkszählung - aus dem Jahr 2011 – 40 Prozent in erster Linie als Briten und 25 Prozent als Iren bezeichneten.

Diese scheinbar widersprüchlichen Daten fasst Patricia McBride, Sprecherin von Ireland's Future, einer Bewegung, die sich für die irische Einheit in einer Gesellschaft nach dem Brexit einsetzt, treffend zusammen: „Bei ihrer politischen Entscheidung fragen sich die Menschen viel eher, ob ihre Wahl ihre finanzielle Situation verbessern wird. Man wählt nicht so sehr mit dem Herzen, sondern mit dem Verstand“, schlussfolgert sie.

Und vor allem mit dem Geldbeutel …