Patriarch Sakos Ankündigung zurückzutreten sorgt für Aufregung

03. August 2022
Quelle: fsspx.news
Kardinal Louis Raphaël Sako

Die verkündete Absicht des chaldäischen Patriarchen Louis Raphael Sako, dem Papst an seinem 75. Geburtstag seinen Rücktritt anzubieten, ist höchst ungewöhnlich. Patriarchen der Vereinigten Orientalischen Kirchen müssen nach dem Kirchenrecht der Ostkirchen nicht aus Altersgründen zurücktreten. 

Der irakische Kardinal gab seine Entscheidung in einem Fernsehinterview bekannt. In den letzten Wochen hatten die Äußerungen des Patriarchen zu Kontroversen und vielen Kommentaren in sozialen Netzwerken geführt, was ihn dazu veranlasste, eine Richtigstellung zu veröffentlichen. Diese wurde in den letzten Tagen über die offiziellen Medien des chaldäischen Patriarchats verbreitet. Patriarch Sako stellt klar, was er bereits in der Vergangenheit angedeutet hatte: Nämlich die Tatsache, dass er beabsichtige, vom Amt des Patriarchen zurückzutreten, wenn er das Alter von 75 Jahren erreiche. Interessant ist, dass zwar nach den derzeitigen kirchenrechtlichen Bestimmungen alle katholischen Bischöfe verpflichtet sind, dem Papst ihr Rücktrittsschreiben zu überreichen, wenn sie 75 Jahre alt werden. Doch diese Regel gilt nicht für die Patriarchen der katholischen Ostkirchen, für die es kein „Ruhestandsalter“ gibt.  

In der Erläuterung seines Entschlusses lässt Sako verlautbaren: „Es ist jedoch bedauerlich, dass unter den Orientalen, sowohl in den Institutionen und politischen Parteien als auch in den Kirchen, eine echte ‚Kultur des Ruhestands‘ fehlt. […] Die Rolle des Patriarchen ist eine dienende Rolle, die nicht von der einzelnen Person abhängt, die sie innehat, wie charismatisch sie auch sein mag.“ Des Weiteren wird betont, dass Patriarch Sako „der Kirche unter schwierigen Umständen verantwortungsvoll und gewissenhaft gedient hat“ und „keinen Dank oder Lob für seinen Dienst erwartet“. 

Diese Nachricht lässt sich unterschiedlich interpretieren, zumindest aber scheint es anormal, dass diejenigen, die in einer Diözese eine Vaterrolle erfüllen, diese dann zu einem für alle festgelegten Alter abgeben müssen, während bei andren das Alter unwichtig ist. Hier wird offenbar mit zweierlei Maß gemessen. Was die erwähnte ‚Kultur des Ruhestands‘ betrifft, so klingt dies doch allzu weltlich. Es ist zwar verständlich, dass sich ein Priester oder Bischof zurückziehen will, wenn ihn seine Kräfte verlassen, aber es zeugt von Beamtengeist, seinen Ruhestand zu planen und eine ‚Kultur‘ des Ruhestands einzufordern. 

Kardinal Louis Raphael I. Sako wurde am 4. Juli 1948 in Zakho (Irak) geboren. Er wurde am 1. Juni 1974 zum Priester geweiht. Am 27. September 2003 wurde er zum chaldäischen Erzdiakon (vergleichbar einem lateinischen Generalvikar) von Kirkuk gewählt. Am 31. Januar 2013 wurde er von der in Rom versammelten Synode der chaldäischen Kirche zum Patriarchen gewählt und nahm den Namen Louis Raphael an. Am 1. Februar gewährte ihm Papst Benedikt XVI. die “communio ecclesiastica” (“Kirchengemeinschaft”). Am 28. Juni 2018 wurde er von Papst Franziskus zum Kardinal kreiert.