Petersdom: Gebetsteppich Ja, altes Messbuch Nein

22. Juni 2022
Quelle: fsspx.news

Der Papst hat an ein Gebetstreffen für Syrien erinnert, das im ersten Jahr seines Pontifikates – also 2013 – im Petersdom abgehalten worden war und an dem auch Muslime teilnahmen: „Es gab auch einige Muslime, die ihren Teppich mitgebracht hatten und mit uns beteten.“

In nuce enthält dieser Satz den Paradigmenwechsel der konziliaren Auffassung von Mission und Dialog. In jeder anderen Zeit der Kirchengeschichte hätte diese Feststellung einen Aufruhr erzeugt.  

 

Das gemeinsame Gebet mit den Anhängern Mohammeds hätte kein Inhaber der Schlüsselgewalt je gebilligt.  

 

Dieser Satz fiel bei einer Audienz für eine Delegation der Melkitisch Griechisch-katholischen Kirche im Vatikan.  

 

Die Melkitische Griechisch-katholische Kirche zählt ca. 1,6 Millionen Gläubige. Sie gehören zur byzantinischen Liturgiereform. Das Wort „Melkit“ stammt aus dem Aramäischen und bedeutet „königlich“ beziehungsweise „zum Reich gehörig“. Ursprünglich wurde es von den Ketzern, die das Konzil von Chalcedon (451 n. Chr.)  nicht annahmen, abwertend für die Treue der Katholiken zur katholischen Kirche im römischen Reich benutzt. Seit dem 18. Jahrhundert werden damit die Katholiken der byzantinischen Liturgie-Tradition, die mit dem Heiligen Stuhl verbunden sind, benannt. 

 

Die melkitischen Gläubigen befinden sich heute vor allem im Libanon und in Syrien. Durch die Emigration gibt es aber auch Bistümer in der Diaspora, vor allem in den beiden Amerikas und in Europa.  

Der Patriarch der Melkiten, Joseph Absi (geb. 1947), residiert im syrischen Damaskus.

Anlass für die Papstaussage zum muslimischen Gebet im Petersdom waren die kriegerischen Entwicklungen und der Terror, die seit 11 Jahren das Land bedrücken.

Das Papst sagte der melkitischen Delegation: „Ich appelliere daher erneut an alle, die im Land und in der internationalen Gemeinschaft Verantwortung tragen, damit eine faire und gerechte Lösung für das Drama in Syrien gefunden werden kann.“ 

Der Papst äußert ebenfalls seine Sorge um „das Überleben der Christen im Nahen Osten“.

Die weltweit stark gewachsene Diaspora des melkitischen Patriarchats sei Herausforderung und Chance zugleich. Die Gläubigen sollten den „eigenen Traditionen und Ursprüngen“ treu bleiben und offen sein, für die Zeiten und Orte, über die ihr verstreut seid, um auf das zu antworten, was der Herr heute von eurer Kirche verlangt“.

Wäre es vorstellbar, dass so ein Satz des Obersten Hirten auch gegenüber den Katholiken fallen könnte, die der überlieferten Lateinischen Liturgie treugeblieben sind?

Warum ist ein Muslim mit Gebetsteppich im Petersdom dem Papst lieber als ein Katholik mit dem alten Messbuch?