Porträt der Patriotischen Vereinigung chinesischer Katholiken (Teil 10)

22. August 2022
Quelle: fsspx.news
Xi Zhongxun, Generalsekretär des Staatsrates

Dieser und die folgenden Artikel sollen einen ganz besonderen Teil der Realität darstellen, die das Leben der Katholiken in China beeinflusst. Denn die Katholiken Chinas haben nur die Wahl, sich entweder der Kommunistischen Partei Chinas unterzuordnen oder im Untergrund in Acht und Bann zu geraten und vielleicht ihr Leben zu verlieren. Der Artikel wird außerhalb Chinas online gestellt. So kann der unwissende Leser, unter anderem die Herausforderungen des Abkommens zwischen China und dem Vatikan verstehen, das im Oktober erneuert werden soll.

Vierzig Jahre nach der Gründung der Patriotischen Vereinigung chinesischer Katholiken ist es möglich, den Zweck und die Ziele zu entschlüsseln, die die Führer der Kommunistischen Partei Chinas mit eben dieser Gründung erreichen wollten.  

(Fortsetzung) 

Die Verhaftung von „Reaktionären“ und die Bildung patriotischer Vereinigungen 

Die Verhaftung eines Großteils der kirchlichen Autoritäten und die sonstigen Repressalien ließen den von der Regierung bevorzugten Kandidaten freie Hand. Die Regierung schuf damit günstige Bedingungen für die beschleunigte Entwicklung patriotischer Vereinigungen auf lokaler Ebene und erleichterte die Teilnahme von Priestern und Laien an politisch motivierten Treffen. 

Die Tatsache, dass sich mehrere wichtige kirchliche Persönlichkeiten, den Initiativen der Regierung anschlossen, ließ die Behörden 1956 zu dem Schluss kommen, dass die Bedingungen nun reif waren, um den dritten Versuch zur Gründung einer „patriotischen Vereinigung“ von Katholiken auf nationaler Ebene zu unternehmen. Yang Shida schrieb: „Die patriotischen Organisationen der Katholiken haben sich schnell entwickelt, nachdem die einflussreichen Basen des Imperialismus und der Konterrevolution innerhalb der katholischen Kirche beseitigt worden waren. Derzeit unterscheiden sich die Formen dieser verschiedenen Organisationen je nach Region. Ihre Bezeichnungen variieren. Es gibt keine gegenseitigen Verbindungen und Beziehungen zwischen ihnen. […] Sie verfügen nicht über eine leitende Organisation, die ihre Einheit und Zentralisierung gewährleistet. Die Delegierten, die im Januar 1956 als Mitglieder des Komitees oder als Beobachter an der vierten Sitzung des Nationalkomitees der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes teilgenommen hatten, wurden zu einem Gespräch mit Xi Zhongxun, dem Generalsekretär des Staatsrats, eingeladen. […] Während des Treffens wurde einstimmig vorgeschlagen, die Gründung einer nationalen patriotischen Organisation der Katholiken zu fördern, um die Aktivitäten der lokalen patriotischen Vereinigungen des Landes zu vereinheitlichen und allen Katholiken in China zu ermöglichen, sich zusammenzuschließen, um eine unabhängige, wohlhabende und mächtige Organisation zu schaffen und der Regierung bei der Umsetzung ihrer Religionspolitik zu helfen. […] Xi Zhongxun war der Ansicht, dass unsere Vorschläge nicht nur legitim, sondern auch vorteilhaft für das Volk, das Land und die katholische Kirche seien. Er gab seine Unterstützung und Förderung. "Die Patriotische Vereinigung ist eine Angelegenheit, die den Katholiken gehört", erklärte er, „Ihre Pflicht ist es, sie zu organisieren. Wenn Sie zu irgendeinem Zeitpunkt die Unterstützung der Regierung benötigen, wird die Regierung Ihnen sicherlich helfen. Die Volksregierung handelt im Interesse des Volkes. Sie hat die Verantwortung und die Pflicht, alles zu tun, was dem Volk nützt.““

Von diesem Tag an nahm die Patriotische Vereinigung der Katholiken in China Gestalt an. „Die Beseitigung der einflussreichen Grundlagen des Imperialismus und der Konterrevolution“ von Yang Shida, war auf brutale Weise sehr konkret gemeint. Seit Jahren wurden katholische Persönlichkeiten, Bischöfe, Priester und Laien, die als Rebellen gegen eine Zusammenarbeit galten, systematisch verhaftet und verschwanden im staatlichen Gefängnissystem. Priester verschwanden zu Hunderten. Das Regime verfolgte vor allem Diözesanadministratoren, Bischöfe oder Priester. So wurde der neue Bischof von Xiwanzi, Melchior Zhang, Anfang 1952 verhaftet: Er kam „aus gesundheitlichen Gründen“ aus dem Gefängnis frei und wurde im März 1985 auf Bewährung entlassen. Der Bischof von Shanghai, Ignace Gong Pinmei, wurde am 8. September 1955 mit etwa siebzig Priestern und Hunderten von Gläubigen verhaftet. Er verbrachte 30 Jahre im Gefängnis und drei weitere Jahre unter Hausarrest, bevor er 1988 in die USA ins Exil ging. 

Die Botschaft der Kommunisten war klar: Entweder man passte sich an oder man musste einen sehr hohen Preis zahlen. Die Opfer dieser Maßnahmen verschwanden in den chinesischen Gulags. Viele starben dort und diejenigen, die überlebten, kamen erst nach Jahrzehnten wieder heraus. Anders Pater Linus Wong, Diözesanadministrator der Diözese Jiangmen (Guangdong). Er lebte 30 Jahre in einem Zwangsarbeitslager in Qinghai, und Pater Philippe Wang Ziyang, Administrator der Diözese Yanggu (Shandong), starb nach mehr als 36 Jahren Haft am 31. Januar 1990 im Gefängnis. 

Fortsetzung folgt...