Porträt der Patriotischen Vereinigung chinesischer Katholiken (Teil 3)

10. August 2022
Quelle: fsspx.news
Chinesische Seminaristen um 1900

Dieser und die folgenden Artikel sollen einen ganz besonderen Teil der Realität darstellen, die das Leben der Katholiken in China beeinflusst. Denn die Katholiken Chinas haben nur die Wahl, sich entweder der Kommunistischen Partei Chinas unterzuordnen oder im Untergrund in Acht und Bann zu geraten und vielleicht ihr Leben zu verlieren. Der Artikel wird außerhalb Chinas online gestellt. So kann der unwissende Leser, unter anderem die Herausforderungen des Abkommens zwischen China und dem Vatikan verstehen, das im Oktober erneuert werden soll.

Vierzig Jahre nach der Gründung der Patriotischen Vereinigung chinesischer Katholiken ist es möglich, den Zweck und die Ziele zu entschlüsseln, die die Führer der Kommunistischen Partei Chinas mit eben dieser Gründung erreichen wollten.  

Ein kurzer Blick auf die Realität der katholischen Kirche in China am Vorabend der kommunistischen „Befreiung“ Ende der 1940er Jahre wird helfen, die beschriebenen Ereignisse besser einzuordnen und ihre Tragweite zu verstehen. 

Am 11. April 1946 vollzog Papst Pius XII. eine historische Geste, indem er die katholische Hierarchie auf dem chinesischen Festland errichtete. Der Akt des Papstes war das Ergebnis schwieriger vorher gegangener Schritte. Man überwand damit Hindernisse, die von politischen Kreisen, die eine gewisse Kontrolle über die Kirche behalten wollten, sowie von einigen kirchlichen Kreisen, die befürchteten, die Privilegien ihrer Missions-Kongregationen zu verlieren, ausgingen. Der Heilige Stuhl entschied sich dazu, diese Positionen zu überwinden und wiederholte damit praktisch den Schritt, den er Anfang der 1920er Jahre vollzogen hatte, als er trotz heftiger Widerstände seinen eigenen Apostolischen Delegaten nach China entsandte. 

Seit der Apostolischen Konstitution Quotidie Nos und den nachfolgenden Interventionen des Apostolischen Stuhls war die Kirche in China 1949 in 20 Kirchenprovinzen mit 20 Erzbischöfen, 83 Bischöfen und 35 apostolischen Präfekten unterteilt. Hinzu müssen die Sitze in Hongkong, Macao und Taiwan, gezählt werden. Unter diesen gab es 266 chinesische Ordinarien. Sechzehn Diözesen und sieben Apostolische Präfekturen waren dem Weltklerus anvertraut, während drei Diözesen chinesischen Mitgliedern von religiösen Kongregationen anvertraut waren. Der Akt Pius' XII. kam etwas zu spät. Denn die Kirche hatte bereits zweifellos eine langsame Entwicklung hin zu einer stärkeren Indigenisierung durchgemacht, die auf eine breite Palette von Gründen zurückzuführen war, die hier nicht weiter erörtert werden sollen. 

In Nanjing residierte ein Internuntius, Bischof Antonio Riberi, der dritte in der Reihe nach Celso Costantini (1922-1933) und Mario Zanin. Die Apostolische Delegation war im Juli 1946 zur Internuntiatur geworden.  

Die Zahl der Katholiken betrug über drei Millionen, mit fast 200.000 Katechumenen, die von 5.788 Priestern, darunter 2.698 Chinesen, und 7.463 Nonnen, darunter 5.112 Chinesinnen, betreut wurden. Es gab 924 Philosophie- und Theologiestudenten, die sich in den 17 großen Seminaren auf das Priesteramt vorbereiteten, und über 3.000 Seminaristen, die in den kleinen Seminaren ausgebildet wurden.  26 Orden oder Kongregationen waren mit Missionsgebieten betraut, während 13 weitere männliche Gesellschaften in den verschiedenen Zirkumskriptionen Hilfe leisteten, ohne einem bestimmten Gebiet zugeordnet zu sein. Es gab 60 weibliche Kongregationen, die in China tätig waren. 

Die Zahl der männlichen und weiblichen Katecheten ging in die Hunderte. Mehr als tausend „Jungfrauen“, Frauen, die keine besonderen Gelübde ablegten, widmeten ihr Leben dem Dienst an der Kirche. Mehr als 320.000 junge Menschen lernten in den 4.446 kleinen und großen Schulen. Es gab auch drei katholische Universitäten (Aurora in Shanghai, Fu Jen in Peking und Tinku in Tianjin). 

Die Kirche leitete außerdem 254 Waisenhäuser, 216 Gesundheitseinrichtungen (viele Pflegeheime und Krankenhäuser) und 781 Gesundheitsstationen sowie Internate. Außerdem gab es mehrere katholische Druckereien und zahlreiche Publikationen. 

Fortsetzung folgt …