Schwerer Reliquien-Diebstahl in Frankreich

20. Juni 2022
Quelle: fsspx.news
Der Reliquienschrein mit den beiden Bleibirnen

Ausgerechnet zwei Wochen vor der Messe zur jährlichen Feier des Kostbaren Blutes wurden zwei Bleiampullen, die einige Tropfen des Kostbaren Blutes unseres Herrn Jesus Christus enthielten, zusammen mit anderen wertvollen Gegenständen aus der Abteikirche La Trinité in Fécamp gestohlen.

Die Stadt Fécamp ist liegt in der Normandie, direkt am Ärmelkanal. Die der allerheiligsten Dreifaltigkeit geweihte und im normannischen Baustil errichtete Abteikirche aus dem 12. Jahrhundert hatte einen berühmten Abt, Pierre Roger, den späteren Papst Clemens VI. (1290–1342).  

Das riesige Kirchenschiff – es ist zwei Meter länger als das von Notre Dame in Paris – diente fast tausend Jahre lang dem Tag und Nacht ununterbrochenen Gotteslob der Benediktinermönche und der Zelebration lateinischen Liturgie. 

Vielen ist das imposante Bauwerk heute nur noch der weltweit verkauften Kräuterlikör Bénédictine D.O.M. bekannt, dessen altes Rezept aus der Zeit der Mönche von Fécamp stammt. Das nachgestellte Akronym steht für die lateinische Weiheinschrift der Abteikirche: „Deo Optimo Maximo“. Deutsch: „Gott, dem Besten und Größten“. 

Seit über tausend Jahren werden die Ampullen mit dem Blut des Gottmenschen Jesus Christus in der Abteikirche von Fécamp verehrt.  

Nach der frommen Erzählung hat Josef von Arimathäa das Blut bei der Kreuzigung aufgefangen und das Gefäß während der Christenverfolgung in dem Feigenbaum versteckt. 

Der Legende nach sollen die Ampullen über den Meerweg in die Normandie gekommen sein – und zwar im Stamm eines Feigenbaums, der von Palästina nach Fécamp getrieben wurde.  

Der Name Fécamp stamm von dem lateinischen Wort „fisiacampus“, „Feld des Feigenbaums“. 

Eine andere Version der Legende deutet an, dass es sich um eine mitgebrachte Erinnerung aus dem ersten Kreuzzug handeln könnte.  

Viele Wunder 

Viele Wunder werden den Herren-Reliquien heute zugeschrieben, und ihre Aufbewahrung war der Anlass für die Gründung der berühmten Abtei. Pilgerfahrt und die Prozession des Kostbaren Blutes wurden ein wichtiger Teil der Geschichte der Stadt Fécamp. Das Reliquiar, eine Kupferschatulle aus dem 19. Jahrhundert, beherbergte die beiden Bleiampullen mit den Tropfen des Kostbaren Blutes, die unter dem Kreuz des Herrn gesammelt wurden. Die Schatulle mit den Bleiampullen wiederum wurde normalerweise in einem jahrhundertealten, geschnitzten Marmortabernakel aufbewahrt, der sich in einer Apsiskapelle der Kirche befindet.  

Nach Informationen der Zeitung Paris Normandie ließen sich der oder die Einbrecher am 1. Juni abends in der Kirche einschließen, da die Tür zur Sakristei von innen aufgebrochen worden war. Der Diebstahl wurde am 2. Juni morgens festgestellt. In der Abteikirche oder in ihrer Umgebung waren keine Überwachungssysteme installiert. 

Msgr. Jean-Luc Brunin, Bischof von Le Havre, der Diözese, zu der die Stadt Fécamp gehört, zeigte seine tiefe Bestürzung: „Über den historischen Wert des Reliquienschreins hinaus gibt es die Verbundenheit einer ganzen Bevölkerung und von Generationen von Gläubigen, die das Kostbare Blut gefeiert haben. Es ist ein Angriff auf den Glauben der Christen und der Gemeinschaft der Einwohner von Fécamp.“ 

Der Zeitpunkt des Diebstahls ist besonders schmerzlich. Die Feier, in deren Rahmen die Reliquie den Gläubigen feierlich gezeigt werden sollte, wird trotzdem wie geplant am 14. Juni stattfinden, aber ihr wird eine Sühneliturgie vorausgehen, da der Diebstahl ein Sakrileg darstellt.  

Die Ermittlungen zu dem Diebstahl wurden von der polizeilichen Zentralstelle für die Bekämpfung des illegalen Handels mit Kulturgütern übernommen. Der Einbruch in die Abtei von Fécamp könnte nämlich in den Bereich des Kunstraubs und des Handels mit Reliquien passen. Wobei der illegale Reliquienhandel offenbar in den letzten Jahren zugenommen hat. Schon 2017 hatte der Heilige Stuhl zu diesem dringlichen Thema eine Mahnung veröffentlicht.