Speculum justitiae – Spiegel der Gerechtigkeit

28. Dezember 2019
Quelle: fsspx.news

Die Schönheit der Geschöpfe kommt daher, dass sie Gottes Vollkommenheit widerspiegeln: "Die Himmel künden die Herrlichkeit Gottes", heißt es im Psalm 18.

Die Vollkommenheit der vernunftbegabten Geschöpfe besteht jedoch nicht nur darin, alles von Gott zu empfangen. Sie verlangt zudem, seine Heiligkeit freiwillig nachzuahmen, ohne das Bild mit irgendwelcher Unreinheit zu vermengen.

Unser Herr selbst hat uns das Vorbild gegeben : als ungeschaffene göttliche Person ist er „der Abglanz der Herrlichkeit und das Abbild des Wesens des Vaters“ (Heb 1,3), und in seiner menschlichen, erschaffenen Natur, ist er der Strahl einer Vollkommenheit, die den Widerschein seiner göttlichen Heiligkeit darstellt: „Der Sohn kann nichts aus sich selbst tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht. Was dieser tut, das tut ebenso auch der Sohn“ (Joh 5,19). Die Ähnlichkeit lässt keine Zweifel offen: „Wer mich sieht, sieht den Vater“ (Joh 14,9).

Unsere Liebe Frau widerspiegelt auf ihre Weise diese Heiligkeit, so wie der Mond in dem Licht erstrahlt, das er von der Sonne empfängt, ohne es zu vermindern. In ihrer Unbefleckten Empfängnis stand nichts im Widerspruch zur göttlichen Allmacht : weder die Natur, in welcher sie von zunächst kinderlosen Eltern fortgeschrittenen Alters geboren wurde, noch das Gesetz der Erbsünde, da sie von jedem Makel und jeder Wunde absolut unberührt blieb. Sogar der Tod hatte keine Gewalt über sie, so dass die Gottesmutter am Ende ihres irdischen Lebens in den Zustand der Verherrlichung übergehen konnte.

Der Empfang solcher Gnaden allein aber genügte nicht. Es bedurfte der freiwilligen Zustimmung zum Plan Gottes. In voller Kenntnis der Tatsachen erklärt sich Maria selbst zur "Magd des Herrn" und handelt als solche. Sie betrachtet über die Geheimnisse des Herrn, die sie "in ihrem Herzen bewahrt" (Lk 2,19), mit dem festen Willen, ihrer Ganzhingabe als Jungfrau treu zu bleiben, selbst auf die Gefahr hin, der Verkündigung des Engels nicht folgen zu können: "Wie wird dies geschehen, da ich keinen Mann erkenne"? (Lk 1,34).

Ihre Bescheidenheit laesst sie das oeffentliche Leben fliehen, ihre Diskretion ist so gross, dass sie ihren Sohn ledliglich auf die Verlegenheit der Brautleute in Kana hinweist und ihm alles uebrige ueberlaesst. Ihre Beharrlichkeit führt sie bis zum Fuß des Kreuzes, ihre Mutterschaft für alle Gläubigen führt sie am Pfingsttag in den Abendmahlssaal, um dort die Fuelle des heiligen Geistes fuer alle ihre geistlichen Kinder zu empfangen.

Durch die Betrachtung erkennen wir die Wahrheit Gottes. Diese muss in uns wachsen, um ihre Früchte hervorzubringen: die Demut, die Treue und die Beharrlichkeit. Das sind die verschiedenen Darstellungen des Abbildes des lebendigen und wahren Gottes in uns, der treu und ewig ist. Die Muttergottes jedoch wird immer der hellste Abglanz und treueste Spiegel all dieser Tugenden.