Von der Angst zur Blume

09. Mai 2020
Quelle: fsspx.news

So wie der April die Mai-Blüten bringt, so bringt die Trübsal die Blumen der Tugend. Maria, unsere Mutter, kennt diese Wahrheit sehr gut, und so nutzt sie die Trübsal, um ihre Soldaten auf den geistlichen Kampf vorzubereiten. Der aktuelle Corona-Virus ist für sie eine Zeit, in der sie uns auf weitere schreckliche Stürme vorbereiten muss, die in der Zukunft kommen werden.

Auch wenn sie sehr unterschiedlich sein mögen, haben die heutige Krise und die von morgen einen gemeinsamen Nenner: Angst.

Marias großer Moment der Furcht war, als Christus sich im Todeskampf des Ölgartens zu Boden warf und betete: „Vater, lass diesen Kelch an mir vorübergehen!“ Als der Leib Christi vor Angst zitterte, wurde Marias Seele von der Angst wie von einem Erdbeben erschüttert. Welche Schrecken und Schmerzen warteten auf Ihn, was litt Er? In ihrem Zimmer, wohin Johannes vor der Prüfung Christi zu ihr geflüchtet war, dachte sie darüber nach, wie und wo sie ihm in seiner Passion begegnen könnte. Im Gegensatz zu den Aposteln, die aus Selbsterhaltungstrieb in alle Richtungen geflüchtet waren, plante Maria, getrieben von der göttlichen Nächstenliebe, Christus auf seinem Weg nach Kalvaria abzufangen.

Dies ist die erste Lektion, wie man die Angst bekämpfen kann. In Zeiten angstvoller Trübsal müssen wir uns wie Maria auf den gekreuzigten Christus konzentrieren. Wo ist Er? Wie finden wir ihn in diesem Augenblick? Wo begegnen wir Ihm? Maria sah ihre Chance in dem Augenblick, als sich die Tore von Pilatus' Palast öffneten, um Christus in den Tod zu schicken, und sie ging quer durch die Stadt, um ihm auf dem Kreuzweg zu begegnen. Wenn wir in der Nähe der Muttergottes auf Christus bedacht sind, werden wir, wenn sie aufsteht, um Christus zu begegnen, wie Johannes mit ihr gehen und wie er auf dem Weg bleiben, der zu ihm führt. Eitle Überlegungen wie – „was werden die Leute denken?“ – verschwinden einfach aus unseren Köpfen, wenn Maria unser Wegweiser zu Christus ist. Wir können nicht vorhersagen, wie sich der richtige Blickwinkel zur Ausführung des Willens Gottes manifestieren wird, aber er wird deutlich, wenn wir ihn im Herzen Mariens suchen.

Marias Geisteshaltung war aber nicht nur auf die Betrachtung des physischen Antlitzes Christi ausgerichtet. Sie betrachtete ihn in seinen wesentlichen Dispositionen – „Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe“. Allein Gottes Wille ist der Anker der Seele, der uns mit David sagen lässt: „Ich habe auf Ihn gewartet, der mich vor der Kleinmütigkeit des Geistes und einem Sturm gerettet hat“ (Ps 54,9).

Die zweite Lektion ist, dass Maria nicht untätig geblieben ist. Sobald sie konnte, ging sie zu ihm, folgte ihm, hatte Mitleid mit ihm. Sie ging in die Schusslinie und nicht von ihr weg, nicht in törichter Tapferkeit, sondern durch den Antrieb des Heiligen Geistes, der göttlichen Liebe. Soldaten sagen dasselbe. Sie sind ängstlich, bis die Granaten zu fallen beginnen, dann setzen sie sich in Bewegung. Marias Soldaten bewegen sich durch die Hingabe ihres ganzen Wesens und Tuns an sie: durch Akte der Wiedergutmachung in all dem, was sie vereint mit ihr erleiden, und durch den Geist der ständigen Gemeinschaft mit ihrem Sohn.

Das ist das letztendliche Ziel Mariens, dass von der Weihe an sie bis zur Vereinigung mit Christus, Jesus in den Herzen aller Menschen regieren möge!