Warum wollte Christus von einer Frau geboren werden?

11. September 2021
Quelle: fsspx.news

Der heilige Paulus sagt in seinem Brief an die Galater 4,4: „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, der von einer Frau abstammt und unter dem Gesetz geboren wurde, um die zu befreien, die unter dem Gesetz waren, damit sie Kinder Gottes werden.“

Die Kirchenväter haben sich seit langem die Frage gestellt: Warum hat Gott bei seiner Menschwerdung beschlossen, von einer Mutter geboren zu werden? Christus, der neue Adam, hätte tatsächlich als Erwachsener geschaffen worden sein können, wie der erste Mensch. Diese Frage gibt uns die Gelegenheit, über den Plan nachzudenken, den Gott gewählt hat, als er die Jungfrau Maria als seine Mutter haben wollte.

Es gibt Gründe, die leicht zu finden sind. So kündigten die Prophezeiungen über den Messias, wie das Protoevangelium (Genesis 3,15), in dem die Feindschaft des Messias und seiner Mutter gegenüber der Schlange, d. h. dem Teufel, angekündigt wird an, dass er von einer Frau geboren werde. Diese Prophezeiungen mussten erfüllt werden.

Ein weiterer Grund ist, dass die göttliche Macht besser zum Ausdruck kommt, wenn der Erlöser von einer Frau geboren wird: Gott triumphiert durch ein Geschöpf. Das offenbart seine Allmacht, auch wenn sie sich schwacher Werkzeuge für die größten Werke bedient.

Ein dritter Grund ist, dass nur eine Frau unter allen Geschöpfen die Mutter Gottes werden kann. Die menschliche Natur ermöglicht es dem Sohn Gottes, eine Mutter zu finden, eine Person, die ihm jene Natur schenkt, die als Opfer zur Ehre Gottes und zur Rettung des Menschengeschlechts dargebracht werden soll.

Die Väter und Theologen haben noch andere sehr schöne Gründe entdeckt.

Ein sehr wichtiger Grund ist, die Wahrheit der Fleischwerdung zu bezeugen. Viele Häretiker – wie die Doketisten – behaupteten, Jesus Christus sei kein Mensch gewesen, er sei nur zum Schein aus der Heiligen Jungfrau „hervorgegangen“. Der Glaube an die göttliche Mutterschaft Marias widerlegt diese falschen Meinungen.

Außerdem ist die menschliche Natur sowohl körperlich als auch geistig und umfasst die Tatsache, dass der Leib aus der Mutter hervorgeht: Entgegen den Behauptungen der oben erwähnten Häretiker schmälert die Eigenschaft einer echten menschlichen Natur in keiner Weise die Würde des (fleischgewordenen) Wortes.

Auch das Familienleben ist Teil unserer Natur: Alle Kinder werden in eine Familie hineingeboren. Das bedeutet keine Unvollkommenheit für das Kind, das in diesem Heim aufwächst. Es war daher richtig, dass das fleischgewordene Wort das Familienleben annahm, das Er er damit würdigte.

Dieses Familienleben gab dem fleischgewordenen Wort die Möglichkeit, ein Vorbild kindlicher Frömmigkeit zu sein.

Augustinus fügt eine schöne Begründung hinzu: Die Menschheit wird in einem ihrer Vertreter, einem Mann, der Gott ist, und in einer ihrer Vertreterinnen, einer Frau, die mit der Würde der Mutter Gottes bekleidet ist, geehrt.

Ein weiterer schöner Grund betrifft die mystische Vermählung der Menschheit mit dem Wort: Das Fiat Marias (mir geschehe nach Deinem Worte) wurde im Namen der gesamten Menschheit und eines jeden von uns gegeben.

Was das Heil der Menschheit betrifft, so verleiht die Tatsache, dass das fleischgewordene Wort ein Mensch ist, ein Nachkomme Adams, geboren aus einer Frau, ihm die Fähigkeit, ein Vermittler zu sein: Er wird von den beiden Teilen, die er verbindet, Himmel und Erde, Gott und Menschen, angenommen.

Damit schließlich das Sühneopfer des Messias von Gott, als von Sündern - die ihn beleidigt haben - dargebracht angenommen werden kann, muss er selbst zu den Sündern gezählt werden: So sagen es Jesaja und der heilige Paulus. Nicht weil er selbst ein Sünder war, sondern wegen seiner menschlichen Natur und seiner Abstammung von Adam.

Es ist klar, dass all diese Gründe uns nicht die Antwort auf die gestellte Frage liefern. Aber sie erklären und veranschaulichen sie und führen uns in die Geheimnisse Gottes über seinen menschgewordenen Sohn und seine Mutter ein.