Weihnachten, Geheimnis der Freude und des Leidens in Maria

25. Dezember 2020
Quelle: fsspx.news

Der heilige Thomas schreibt über das Weihnachtsgeheimnis: In dieser göttlichen Geburt „war keine Verminderung der Unversehrtheit der Mutter, sondern die größte Freude, weil der Gottmensch das Licht der Welt erblickte“ (Summa Theologiae).

Halten wir einen Augenblick inne, um diese grenzenlose Freude der Gottesmutter zu betrachten, auf die der heilige Thomas anspielt.

Es ist der erhabene Augenblick, in dem ihre reinsten Augen zum ersten Mal auf dem angebeteten Antlitz des göttlichen Säuglings ruhen, ihre unbefleckten Hände ihn ans Herz drücken und ihre mütterlichen Lippen seine Stirn küssen. Einige Heilige hatten das seltene Privileg, sich für einige Augenblicke der Umarmung des Jesuskindes zu erfreün, das auf wundersame Weise in ihren Armen erschien, und wurden so auf unaussprechliche Weise ergriffen, denn die Gesichtszüge des Jesuskindes sind die bewegendsten und zärtlichsten Offenbarungen Gottes.

Aber bei ihnen war es nur eine mystische Erscheinung, bei Maria war es Realität.

Der heilige Greis Simeon hatte das große Privileg, das Jesuskind physiche und reell in seinen Armen zu halten. Wir können nur ahnen, wie tief sein Herz berührt sein musste, wenn wr sein jubelndes Lied betrachen: „Nun entlässt Du Herr, Deinen Diener, in Frieden, denn meine Augen habe das Heil gesehen ... das Licht zur Erleuchtung der Völker“. Die heilige Elisabeth jubelte über den Besuch Mariens, die ihren Jesus unsichtbar in sich trug.

Aber diese waren alle Herzen von Heiligen; hier hingegen enthuellt sich uns es das Unbefleckte Herz der Königin der Heiligen! Sie hatte für Jesus nicht nur wie bei allen Heiligen die glühende Feuer der göttlichen Tugend der Liebe, das der Anblick des neugeborenen Heilandes enfachte. Bei ihr war es dazuhin eine unaussprechliche mütterliche Zärtlichkeit ihm gegenüber, viel größer als alle Zärtlichkeit einer Mutter, da kein Mutterherz je so empfindsam war wie ihr Unbeflecktes Herz und nie ein Kind liebenswerter war als ihr Sohn.

Jesus war ihr Schatz, weil er von ihr geboren wurde, aber er gehört ihr in einer ganz besonderen und unnachahmlichen Weise, weil er keinen natürlichen irdischen Vater hatte. Und er war ihr Schatz, aber ein Schatz von unendlichem Wert, weil er vom Heiligen Geist gezeugt wurde und folglich das Meisterwerk Gottes war, Gott in Menschengestalt.

Zur Freude gesellte sich jedoch sofort der quälendste Schmerz.

Die Geburt des Königs der Könige umgab die stechende Kälte der Nacht, die Dunkelheit der Grotte, die ekelhaften Ausdünstungen des Stalls, der Schmutz an den Wänden, das Keuchen der Tiere, ein wenig Stroh in der Krippe, da doch die ganze Pracht des Universums, versammelt in einem einzigen Palast, seiner nicht würdig gewesen wäre. Aber noch viel schlimmer war für sie die traurige Tatsache: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf!“ Das Fehlen jeglichen körperlichen Schmerzes Mariens bei der Geburt Jesu wurde durch den intensiven geistlichen Schmerz reichlich kompensiert.

So verband sich die Freude mit dem Leiden. Was diese Gegensätze vereinte, war die Liebe Mariens: Aus Liebe freute sie sich, aus Liebe erlitte sie dies Qualen. Es war eine Liebe, die angesichts der tiefsten Erniedrigungen, in die sie Jesus zu unserem Wohl eingetaucht sah, immer mehr entflammt wurde, denn – so sagt der Heilige Hieronymus - je tiefer die Gott sich erniedrigt für uns, umso mehr zwingt er uns, ihn zu lieben.