Benedikt XVI. traf die neuen Kardinäle

Quelle: FSSPX Aktuell

Nachdem die neuen Kardinäle während des ordentlichen öffentlichen Konsistoriums das rote Birett erhalten hatten, wurden sie von Papst Franziskus zum Kloster Mater Ecclesiae gebracht. Dort statteten sie dem ehemaligen Papst Benedikt XVI. einen traditionellen Höflichkeitsbesuch ab.

Seit der Entscheidung von Papst Benedikt XVI., auf das Pontifikat zu verzichten, sind mehr als neun Jahre vergangen. Das „Schattenpapsttum“, so der Titel des Buches des Corriere della Sera-Kolumnisten, Massimo Franco, hat die tatsächliche Regierungszeit des deutschen Pontifex übertroffen. Doch seit dem Frühsommer ist die Sorge um die Gesundheit von Benedikt XVI. immer mehr gestiegen. Insbesondere auch wegen der Worte, die Benedikts Privatsekretär am 18. Juni 2022 auf Schloss Nymphenburg in München anlässlich der Feierlichkeiten zum 95. Geburtstag des ehemaligen römischen Pontifex gesprochen hat. 

Erzbischof Georg Gänswein sagte: „Ich hätte nie gedacht, dass das letzte Stück des Weges vom Kloster Mater Ecclesiae bis zur Himmelspforte, die vom Heiligen Petrus bewacht wird, so lang sein würde, das hat mir Benedikt XVI. anvertraut." Der Mann, der über die Gesundheit des Vorgängers von Papst Franziskus wachte, fügte hinzu: „Die letzten Jahre haben an seinen Kräften gezehrt.“  

Diese Aussagen waren es, die die Spekulationen über den tatsächlichen Zustand von Benedikt XVI. wieder anfachten. 

Das Protokoll des ordentlichen öffentlichen Konsistoriums vom 27. August schlug einen anderen Ton an: „Im Anschluss an die Zeremonie begaben sich Papst Franziskus und die neuen Kardinäle zum Kloster Mater Ecclesiae, um den emeritierten Papst Benedikt XVI. zu einer kurzen Begrüßung zu treffen. Nachdem sie seinen und den Segen von Papst Franziskus erhalten und gemeinsam das Salve Regina gebetet hatten, kehrten die neuen Kardinäle zum Apostolischen Palast und zur Aula Paul VI. zurück, um die traditionellen Höflichkeitsbesuche zu absolvieren.“ Der Pressedienst fügte hinzu, dass „der Besuch des Klosters Mater Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten seit dem Konsistorium von 2016 zu einem Brauch geworden ist. In den Jahren 2014 und 2015 hatte Benedikt XVI. persönlich an den Feierlichkeiten der beiden Konsistorien teilgenommen, die in der Vatikanischen Basilika stattfanden.“ 

Auf den offiziellen Fotos sieht man den deutschen Pontifex und den aktuellen Papst lächeln. Die neuen Kardinäle scheinen sichtlich gerührt und glücklich, Benedikt XVI. gegenüberzustehen. 

Es ist jedoch anzunehmen, dass sich derjenige, der zumindest teilweise versucht hatte, die traditionelle Messe durch das Motu Proprio von 2007 zu befreien, in der Anwesenheit des neuen Kardinal Arthur Roche, dem Totengräber dieses Textes, nicht sonderlich wohl gefühlt hat. Das dürfte auch für Kardinal Robert Walter McElroy, Bischof von San Diego (USA), gelten. Dieser war gegen den Grundsatz, Politikern, die die Legalisierung der Abtreibung befürworten, die Kommunion zu verweigern, während Kardinal Joseph Ratzinger den amerikanischen Bischöfen genau diese Anweisungen gegeben hatte. 

Der ehemalige Papst leidet zweifellos unter der Situation, seit Franziskus sein Nachfolger geworden ist. Aber als Pontifex handelte er dennoch im Einklang mit der Revolution, die das Zweite Vatikanische Konzil einleitete. Und so bereitete er eigentlich auch das aktuelle Pontifikat vor, das die damals aufgestellten Prinzipien heute nur radikal weiterführt. Obwohl Benedikt versucht hat, diese Strömung zu kanalisieren, insbesondere durch seine „Hermeneutik der Interpretation“, hat er nicht versucht, sie einzudämmen. Nun muss er hilflos zusehen, wie Folgen eintreten, die er vielleicht nicht gewollt hat, aber die er hätte vorhersehen müssen.