Eröffnung des Hauses der “abrahamitischen Familie” in Abu Dhabi

Quelle: FSSPX Aktuell

Das “Haus der abrahamitischen Familie” ist ein sog. “interreligiöses Zentrum” im neuerrichteten “Kulturbezirk” Saadiyat im Emirat Abu Dhabi, das Teil der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ist. Das Haus wurde am 16. Februar 2023 von Sheikh Saif bin Zayed al-Nahyan, stellvertretender Premierminister und Innenminister, und Sheikh Nahyan bin Mubarak al-Nahyan, Minister für Toleranz und Koexistenz, offiziell eingeweiht.

Das Zentrum beherbergt eine “Kirche”, die Papst Franziskus sowie eine Moschee, die Ahmed El-Tayeb und eine Synagoge, die Moses Maimonides (1138-1204), einer rabbinischen Autorität des Mittelalters, gewidmet (!) ist. Auf die Einweihung folgten am Freitag das islamische Gebet, am Samstag die jüdische Sabbatfeier und am Sonntag eine Eucharistiefeier. 

Das Haus befindet sich auf der Insel Saadiyat und sollte ursprünglich 2022 eröffnet werden, doch die Bauarbeiten dauerten länger als geplant. Das “Haus der abrahamitischen Familie” geht auf die Unterzeichnung des skandalösen Dokuments “Über die menschliche Brüderlichkeit” durch Papst Franziskus und den Imam von al-Azhar, Ahmed el-Tayeb, zurück, das zum selbsterklärten Ziel hat, “die Koexistenz zwischen den Völkern zu fördern” und “Extremismus zu bekämpfen”. 

Die Gebäudestruktur wurde vom Stararchitekten Sir David Adjaye entworfen und soll “Solidarität und Begegnung” fördern, wobei der unverwechselbare Charakter jeder der drei Religionen mit ihrer vorgeblichen “gemeinsamen Abstammung” von Abraham bewahrt wird.  

Ob der der hl. Abraham des Alten Testaments der gleiche Abraham ist, der gemäß dem Koran die Kaaba in Mekka erbaut habe, ist eine interessante Frage. Über diese wird aber nicht “dialogisiert”. 

Die Aktivitäten des Hauses werden von einem “Hohen Komitee für menschliche Brüderlichkeit” überwacht, das seine ersten Bemühungen dieser Struktur widmete. Auf Anfrage der Zeitung Times of Israel sprach der jüdische Vertreter des Komitees, der Rabbiner M. Bruce Lustig, Senior Member der Jewish Congregation of Washington, von einer „wichtigen Gelegenheit“ für diejenigen, die „an die Macht des Glaubens und der Menschlichkeit glauben.“ 

Mit dem Projekt des “Hauses der abrahamitischen Familie” hat sich schon bei Planungsbeginn die italienische Historikerin Cristina Siccardi in der Corrispondenza romana (20. November 2019) kritisch auseinandergesetzt. Sie zeigt die tiefen Wurzeln der aktuellen Krise auf: „Man darf nicht denken, dass diese interreligiöse Zitadelle eine originelle und avantgardistische Idee des Pontifikats von Papst Franziskus ist. Sie stammt aus dem ‘Geist von Assisi’  aus dem Jahr 1986, der sicherlich nicht der Geist des heiligen Franz von Assisi war, ist und niemals sein kann. Johannes Paul II. hatte damals wichtige Vertreter der ‘Weltreligionen’ versammelt hatte, um im Rahmen allegemeiner menschlicher Brüderlichkeit für den Weltfrieden zu beten.  Doch dieser ‘Geist von Assisi’ hat seine Wurzeln im Zweiten Vatikanischen Konzil, wie das Dokument Nostra Ætate (28. Oktober 1965) zeigt, das den interreligiösen Dialog eröffnete und den pädagogischen Auftrag der Kirche, religiöse Irrtümer zu verurteilen, aufhob: ‘Die katholische Kirche lehnt nichts von dem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Sie betrachtet mit aufrichtigem Respekt jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Gebote und Lehren, die, obwohl sie sich an vielen Stellen von dem unterscheiden, was sie selbst glaubt und vorschlägt, dennoch oft genug einen Strahl jener Wahrheit widerspiegeln, die alle Menschen erleuchtet’ (NA, 2). Der Liberalismus hat die Kirche der Menschen zur Religionsfreiheit geführt; die Religionsfreiheit hat sie zur Ökumene und zum interreligiösen Dialog geführt und die Karten nach einem säkularen Kriterium neu gemischt: Keine Religion besitzt die Wahrheit, aber alle sind Träger pluraler Wahrheiten, die zusammen mit der menschlichen Brüderlichkeit zum Weltfrieden führen können. Der ‘Geist von Assisi' erschafft heute das ‘Haus der abrahamitischen Familie’, aber dieser ‘Geist von Abu Dhabi’ hat das Verdienst, Klarheit zu schaffen zwischen denen, die sich dafür entscheiden, ausschließlich dem lebendigen, wirklichen und ewigen Christus in seiner Menschheit und Gottheit anzugehören, und denen, die sich stattdessen für Götter (ob religiösen und/oder weltlichen Ursprungs) entscheiden, die erfunden, teuflisch und unwirklich sind.“